ARD-alpha - Kunstraum


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Kunstraum Martin Stiefel: B.O.A.

Martin Stiefel nennt sich selbst "Gebildebaumeister". Seine Arbeiten sind sowohl performativ wie auch plastisch: Tanzende Waschmaschinen zum Beispiel, für die er bekannt geworden ist. Im "Kunstraum"-Film findet er zur Malerei zurück. Allerdings nicht mit Pinsel, sondern mittels einer selbst konstruierten Mal-Maschine.

Stand: 16.01.2014
Martin Stiefel | Bild: BR, B.O.A

"Die Idee dazu hatte ich, als ich zufällig einem leeren Tetrapak die Luft rauslassen wollte, und dabei der Deckel in hohem Bogen durch die Luft flog. Ich dachte mir: Das ist doch wieder einmal eine schöne lapidare Sache, die ich verwenden könnte. Es geht mir bei meiner Arbeit um absurde Kombinationen von Gebrauchsgegenständen, die ich in verfremdete Welten setze."

Martin Stiefel

Das Tryptichon B.O.A. besteht aus drei einzelnen Bildern, die mittels einer Mal-Maschine entstehen: Fünf an einem mechanischen Auslösemechanismus aufgehängte Ziegelsteine werden aus etwa einem Meter Fallhöhe auf fünf Farbflaschen fallen gelassen. Diese Farbflaschen sind wie Geschütze auf eine Leinwand gerichtet. Beim Aufprall der Ziegelsteine entleeren sich die Flaschen explosionsartig auf die Leinwand, und es entsteht ein Bild in etwa der gleichen Geschwindigkeit wie eine Fotografie. Eine für einen Maler im wahrsten Sinne des Wortes experimentelle Situation.

"Zum Experiment habe ich ein sehr ambivalentes Verhältnis: Wenn das Experiment scheitert, habe ich schon ein Problem damit, es zu akzeptieren. Ich suche zwar das Experiment, und ich will auch, dass es gelingt. Aber obwohl ich Angst davor habe, dass es misslingt, suche ich das Experiment dennoch immer wieder."

Martin Stiefel

Der Film zeigt in einer seltenen Anschaulichkeit das Verhältnis des Künstlers zum Zufall. Wie entsteht Kreativität? Was bedeutet Gestaltung eines Bildes? Wie beurteilt ein Maler, der nicht mit Pinsel und Spachtel minutiös auf der Leinwand malt, das Gemälde, das durch eine Art Automation entsteht? Martin Stiefel überlegt, zweifelt, verwirft, disponiert um, alles ohne jede Inszenierung und in einer für einen Künstler außergewöhnlichen Offenheit und mit viel Humor.

In insgesamt vier Malvorgängen entstehen drei Bilder, zwei blaue und ein rotes, die der Künstler B.O.A. nennt, „... weil sie ohne Euch so nicht entstanden wären. Mit den Titeln habe ich so meine Probleme. Ich wähle immer funktionale Titel, wie zum Beispiel Flaschenföhn, weil das Objekt aus einer Flasche und einem Föhn besteht. Diese Arbeit hier nenne ich B.O.A., das Ergebnis einer Bild – Objekt – Aktion“, meint Martin Stiefel.

Lebenslauf des Künstlers

1955 Geboren in Stuttgart
1976–83 Pädagogikstudium in Reutlingen und Hamburg
1978–90 Mitwirkung an Otto Muehls Experiment AA-Kommune
1984–90 Künstlerische Ausbildung in Düsseldorf
1994 Umzug nach München
Seit 2006 Arbeiten mit Wasser; meist mit kleinen Wasserrädern, die mittels Wasserstrahl aus der Gießkanne, Toilettenspülung oder an einem Dachrinnenwasserlauf Sachen bewegen.


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