ARD-alpha - Klassiker der Weltliteratur


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Klassiker der Weltliteratur Aristophanes - "Lysistrata"

Ein Plädoyer gegen den Krieg: In der griechischen Komödie "Lysistrata" entwickeln die Frauen aus Athen und Sparta einen Plan, wie der zwanzig Jahre dauernde Krieg beendet werden kann. Die Frauen streiken und verweigern sich ihren Männern so lange, bis diese Frieden schaffen.

Stand: 31.01.2012

Aristophanes ist der griechische Komödienschreiber par excellence. Er verfasste die klassischen Komödien "Lysistrata", "Die Vögel" und "Die Frösche". Immerhin entstanden diese Werke gut 400 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Er soll um 450 v. Chr. in Athen geboren und auch dort 60 oder 65 Jahre später gestorben sein.

Preisgekrönter Theaterdichter

Von den 40 Stücken, die er geschrieben, und für die er eine große Zahl von Theaterpreisen eingeheimst hat, sind immerhin noch elf vollständig erhalten. Neun davon spielen in der Zeit des Peloponnesischen Kriegs, etwa zwischen 430 und 400 unserer Zeitrechnung, dem Krieg zwischen Athen auf der einen, Sparta und seinen Verbündeten auf der anderen Seite.

Es geht bei Aristophanes um politische Komödien, wobei aber der Begriff des Politischen nicht auf Parteipolitik beschränkt werden kann, sondern all das erfasst, was in der Gesellschaft verhandelt wird. In das Unglück des Kriegs führt die Komödie "Lysistrata". Sie wird als Protest gegen den Krieg gewertet.

Frauen, verweigert euch!

Das Stück spielt 411 v. Chr. in Athen, in der Nähe und auf der Akropolis zu einer Zeit, da der Krieg gegen Sparta schon zwanzig Jahre im Gang ist. Lysistrata - ihr Name lässt sich mit "Heerauflöserin" übersetzen - trifft sich mit Lampito, einer Frau aus Sparta. Die beiden beschließen, Frauen aus allen Stadtstaaten Griechenlands zusammenzurufen, um durch die einzig effektive Maßnahme, die ihnen zur Verfügung steht, dem Krieg ein Ende zu bereiten: Sie werden sich ihren Männern so lange verweigern, bis endlich Frieden ist.

Kein Geld aus der Kriegskasse

Gleichzeitig erobert und besetzt eine Gruppe älterer Frauen das Büro der Kriegskasse auf der Akropolis und weigert sich, das Geld herauszugeben. Ältere Männer versuchen, die Barrikaden anzuzünden - die jungen Männer sind alle im Krieg, doch ihr Feuer beantworten die Frauen mit Wasser. So wird auch dieser Brand gelöscht, die Frauen gewähren keinen Zutritt zu ihrem Schatz.

Am Ende zeichnet sich ab, dass Lysistrata und ihr inszenierter Liebesentzug auf der ganzen Linie siegen wird.

"Kinesias: Wie kannst du so mirs machen, Böse? Folgst den Weibern da, und marterst mich, und quälst dich selber mit? (Greift nach ihr)
Myrrhine: Die Hand weg! Laß mir Ruh'!
Kinesias: Du ziehst die Hand ab, und zuschanden geht daheim mein Gut und deines!
Myrrhine: Schiert mich wenig!
Kinesias: So? Dir ists gleich, wenn deine Weberei herab die Hühner zerren?
Myrrhine: Mir ists gleich!
Kinesias: Wie lange schon hast du Aphrodites Nachtfest nicht mitgemacht? — Sag, kommst du nicht mit heim?
Myrrhine: Niemals, bei Zeus, wenn ihr den Krieg nicht endigt und Frieden macht!"

Aristophanes: Lysistrata, 4. Szene; übersetzt von Ludwig Seeger


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