ARD-alpha - inklusion

Inklusion – gemeinsam anders

Fernsehfilm Inklusion – gemeinsam anders

Steffi provoziert | Bild: BR/Caroline Scharff

"Inklusion braucht Öffentlichkeit, damit sich der veränderte Ansatz vom Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung in der Gesellschaft verankert. Jeder Mensch ist verschieden und bereichert mit seinen Talenten und Fähigkeiten unser Leben. Herzlichen Dank an BR-alpha, die mit dem Film 'Inklusion – gemeinsam anders' das Thema differenziert und ohne Beschönigung angeht. Bitte mehr von solchen Produktionen!"

Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags

Auszeichnung in Seoul

"Inklusion – gemeinsam anders" wurde am 16. Oktober 2012 beim Internationalen Radio- und Fernsehwettbewerb der Asiatisch-Pazifischen Rundfunkunion (ABU) als bestes "TV-Drama" ausgezeichnet.

Steffi, die im Rollstuhl sitzt, und der geistig behinderte Paul werden in die neunte Klasse einer Gesamtschule aufgenommen. Die beiden und ihre neuen Mitschüler sollen durch das neue Lernumfeld gefördert und gefordert werden. Diese "Inklusion" ist eine Win-Win-Situation auf dem Papier. Doch was bedeutet sie tatsächlich für die beiden Neuen? Was für ihre Mitschüler? Für die Lehrer und Eltern?

Stichwort Inklusion

"Inklusion" bedeutet, dass alle Menschen das gleiche volle Recht auf individuelle Entwicklung in der Gesellschaft haben und zwar unabhängig davon, ob und wie stark Einzelne dabei unterstützt werden müssen. Bestehende Strukturen und Auffassungen sollen so verändert werden, dass die Unterschiedlichkeit der Menschen zur Normalität wird.
Anders als etwa bei der "Integration" geht es hierbei also nicht so sehr um die Eingliederung von bisher ausgeschlossenen Personen in eine bestehende Gruppe als vielmehr um die grundsätzliche Anerkennung von Unterschiedlichkeiten und den Abbau von Barrieren jeglicher Art. Eine Person – egal wie anders sie sein mag – wird als Bereicherung für die Gruppe betrachtet und kann so auf ihre eigene Art wertvolle Leistungen erbringen.

Diversität gleich Qualität

Die Inklusion von Steffi Harder und Paul Fischer an der Rousseau-Schule gestaltet sich schwierig. Klassenleiter Albert, der fest an das Programm glaubt, versucht alles Menschenmögliche. Doch die zynische Steffi tyrannisiert ihre Mitschüler verbal und gibt sich kaum Mühe im Unterricht – während Paul sich zwar anstrengt, aber wegen seiner langsamen Auffassungsgabe nur wenig erreicht.

Zudem stellen sich sowohl überforderte Lehrer als auch besorgte Eltern gegen das Projekt. Sie glauben, dass Steffi und Paul andere, weiter fortgeschrittene Schüler in ihrer Entwicklung bremsen. Die Atmosphäre ist angespannt und das nicht nur in der Schule. Dann kommt es zu einem Zwischenfall.

Stichwort UN-Konvention

Im Jahr 2006 verabschiedeten die Vereinten Nationen die "UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen", die Inklusion auf allen Ebenen der Gesellschaft fordert. Deutschland hat diese Konvention 2009 ratifiziert und ist damit zu deren Umsetzung verpflichtet. Das bedeutet unter anderem auch, dass Eltern behinderter Kinder eine Beschulung an einer Regelschule durchsetzen können. Das Thema Inklusion betrifft damit alle bundesdeutschen Schulen, aber geht auch weit über das schulische Umfeld hinaus.

Wer fängt an? Und – wie soll das gehen?

Der Oscar-nominierte Regisseur Marc-Andreas Bochert ("Kleingeld", "Empathie"), der Bachmannpreis-nominierte Autor Christopher Kloeble und der mehrfach preisgekrönte Kameramann Andreas Höfer ("Nachtgestalten", "Sommer vorm Balkon", "Empathie"), erzählen das brandaktuelle Bildungsthema "Inklusion" als eine Geschichte von zwei Jugendlichen mit Behinderung, die gleichzeitig auch zum Psychogramm eines idealistischen Lehrers, seiner Frau, sowie der betroffenen Eltern wird. Klar ist: Inklusion beschränkt sich nicht auf das Klassenzimmer. Der Film wählt ganz bewusst eine realistische, fast dokumentarische Herangehensweise. Im Fokus steht der Alltag der Menschen, in dem die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis, zwischen Anspruch und Realität, zwischen Wollen und Können mitunter schmerzhaft zutage tritt. Florian Stetter ("Sophie Scholl - Die letzten Tage", "Nanga Parbat") spielt den jungen Lehrer Albert, Julia Brendler ("Stauffenberg – Die wahre Geschichte", "Tatort") seine Frau Claudia. Kirsten Block ("Helden wie wir", "Der Baader-Meinhof-Komplex") gibt die ehrgeizige Direktorin Michaela. In weiteren Rollen treten auf: Marie Gruber ("Go Trabi Go"), Peter Davor ("Tatort") und Ursina Lardi ("Das weiße Band"). Die beiden behinderten Jugendlichen spielen die Newcomer Paula Kroh und Max von der Groeben.

Hintergrund

Alles inklusive? | Bild: BR zum Thema Inklusion Alles inklusive?

Sie haben körperliche Behinderungen oder geistige Einschränkungen - trotzdem gehen die Kinder in die Regelschule. Dieses Ideal der UN wird jetzt in Bayern umgesetzt. Doch es gibt Zweifel. Eltern, Lehrer und Experten berichten. [mehr]