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Verfahrensmechaniker/-in Hütten- und Halbzeugindustrie Massiven Stahl bezwingen

In jedem Auto, in jedem Kran, Bagger und Lkw stecken Teile aus der Stahlumformung. Verfahrensmechaniker fertigen die massiven Bauteile in großen Pressen an. Mit mehreren Tausend Tonnen Druck wird das Rohmaterial Stahl zum Maschinenteil umgeformt.

Stand: 21.02.2017

Daniel (27) steht vor einer Presse und grinst. Er hält einen kleinen massiven Stahlklotz in die Höhe und erklärt, wie daraus ein hohler Zylinder wird. Voll faszinierend, findet er das, dreht sich um und macht die Maschine für den nächsten Auftrag fertig. Seine Hände und Unterarme sind schwarz. Das ist Graphit, also Kohlenstoff. Er wird in der Umformung als Trenner zwischen dem Werkzeug und dem Bauteil verwendet. Die Pressen arbeiten ganz schön laut, in der Werkshalle kann man sich nur schreiend verständigen.

Daniel Spagnolo (27), 4. Lehrjahr

"Für den Lärm gibt es hier extra solche gelben Ohropax, für den Gehörschutz, damit man keine Folgeschäden davon trägt. Weil der Lärm hier doch schon ziemlich laut ist."

Daniel Spagnolo (27), 4. Lehrjahr

Julian (25) bugsiert den glühenden Stahl-Rohling mit einer langen Zange in die riesige Presse. Über 50 Kilo wiegt das Teil, der Azubi muss mit ganzer Kraft zupacken. Guten Stahlumformern macht körperliche Arbeit Spaß, die Bedienung der Pressanlagen ist für sie eine faszinierende Herausforderung.

Antonio Clavijo-Keller, Ausbildungsleiter Schondelmaier GmbH Presswerk

"Unsere Stahlumformer, die Verfahrensmechaniker, sind gern so ein bisschen 'andere' Typen. Wir haben gern Auszubildende, die vorher schon eine Ausbildung hatten. Sie müssen einfach ein bisschen robust sein, weil die Presserei doch immer ein recht hartes Umfeld ist."

Antonio Clavijo-Keller, Ausbildungsleiter Schondelmaier GmbH Presswerk

Marco (33) hat seine Ausbildung abgeschlossen. Jetzt ist er für die Pressanlage, die Teile für Nockenwellen im Auto herstellt, allein verantwortlich. Mehrmals überprüft er die Einstellungen der Steuerung, bevor er die Maschine startet. Dann nimmt er Stichproben der Bauteile und misst nach, ob sie den Vorgaben entsprechen.

"Man muss die Teile immer gut im Auge behalten, weil es sein kann, dass Werkzeuge ausbrechen, dass Werkzeug verbrennt, Kennzeichnungen abplatzen oder Ähnliches. (…) Man muss immer bei der Sache sein und konzentriert sein."

Marco Harter, Verfahrensmechaniker Hütten- und Halbzeugindustrie / Fachrichtung Stahlumformung

Marco hat vorher bereits eine Ausbildung im Handwerk gemacht. Hier in der Industrie gefällt es ihm besser. Geregelte Arbeitszeiten, mehr Selbstständigkeit an den Maschinen, besseres Einkommen. Sobald die Azubis volljährig sind, können sie auch im Schichtdienst eingesetzt werden.

"Für Schichtarbeit gibt es Zuschläge. Dann hat man noch aufgrund der Lärmbelastung, der Schmutzbelastung und der Arbeitsschwere eine Belastungszulage, die mit oben drauf kommt. Und dann je nach Tätigkeit am Aggregat, je nach Schwere, kommt noch mal was oben drauf."

Markus Schwaiger, Betriebsleiter Umformung Hammerwerk Fridingen

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Verfahrensmechaniker/-in Hütten- und Halbzeugindustrie (Fachrichtung Stahlumformung)
  • Ausbildungsorte: Verfahrensmechaniker / Stahlumformung arbeiten in Walz-, Schmiede-, Hammer- und Presswerken
  • Ausbildungsdauer: 3,5 Jahre
  • Prüfung: es gibt eine Zwischenprüfung und eine Abschlussprüfung, die wiederum aus einem theoretischen und einem praktischen Teil besteht. Im praktischen Teil wird ein Prüfungsstück angefertigt. Dabei handelt es sich z.B. um Instandhaltungsarbeiten, um die Montage von pneumatischen oder elektrotechnischen Bauteilen und um die Behebung von Störungen und Fehlern.
  • Zugang: keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. Die Betriebe erwarten mindestens den Hauptschulabschluss.
  • Eignung: für den Einsatz an den großen Pressen müssen Stahlumformer gern körperlich arbeiten und mit viel Kraft zupacken können. Oft müssen sie schwere Teile heben, bewegen und einbauen können. Sie brauchen technisches Verständnis für die Mechanik, viel handwerkliches Geschick und gute Kenntnisse in Pneumatik und Elektrik. Außerdem sollten sie ein Gespür für den Werkstoff Stahl entwickeln, sie wissen wie sie das Material zu welchem Zweck bearbeiten können. Durch ihre Kenntnisse in Chemie und Physik verstehen sie, welche Prozesse bei der Stahlumformung ablaufen. Verfahrensmechaniker sind zuverlässig und sorgfältig, für das Endprodukt ihrer Presse sind sie verantwortlich.
  • Perspektiven: Verfahrensmechaniker fertigen Teile für die Automobilindustrie, für Land- und Forstmaschinenhersteller und für das Baugewerbe. Überall dort, wo bewegte Teile großen Belastungen standhalten müssen, sind massive Stahlbauteile im Einsatz. Insofern hat die Stahlumformung gute Perspektiven. Doch das Berufsbild verändert sich. Immer mehr übernehmen Roboter die einzelnen Arbeitsschritte. Die Verfahrensmechaniker / Fachrichtung Stahlumformung müssen zunehmend Spezialisten für Steuerungstechnik werden. Doch wer in der Lage ist, die Maschinen am Laufen zu halten, hat gute Berufsaussichten.


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