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Tierwirt/-in Schäferei Bei Wind und Wetter

Ein ruhiges Nickerchen im Schatten eines Baumes. Daneben grasen friedlich Schafe und Ziegen. So idyllisch stellen sich viele das Dasein des Schäfers vor. Doch der Traum von der Schäferromantik verblasst im Berufsalltag ganz schnell. Denn Schäfer müssen vor allem eines: hart arbeiten.

Stand: 31.07.2017

Morgens um sieben im Stall: Susanne Roß und Pascal Papp richten das Futter für die Schafe. Die beiden sind im 3. Jahr der Ausbildung zum Schäfer. 650 Merino-Landschafe müssen sie im Ausbildungsbetrieb versorgen: füttern, den  Stall einstreuen, Tränkbecken reinigen. Danach kümmern sie sich um die Hunde. Die  Zwinger müssen ausgemistet, die Näpfe mit frischem Wasser und Futter gefüllt werden und das Tag für Tag. Auch nachts müssen Schäfer raus, wenn ein Tier krank wird oder bei der Geburt eines Lammes Schwierigkeiten auftreten. Wer Schäfer werden will, braucht eine ordentliche Portion Idealismus. Vor allem für selbständige Schäfer sind freie Tage oder gar Urlaub nämlich selten.

"Du kannst schon mal weggehen am Freitag oder Samstagabend, aber am nächsten Morgen musst du wieder fit sein. Denn die Tiere brauchen dich und müssen versorgt werden."

Susanne Roß

Scheren gegen Hitzestau

Mindestens einmal jährlich werden die Schafe geschoren, damit sich im Fell keine Parasiten einnisten und die Tiere im Sommer keinen Hitzestau erleiden. Dabei ist Kraft, aber auch Sorgfalt gefragt, um die Tiere nicht zu verletzen. Die Wolle verkauft der Schäfer an einen Händler. Damit erwirtschaftet er einen Teil seines Einkommens.

Wichtige Einkommensquelle

Das ganze Jahr über kommen Lämmer zur Welt. Manche Lämmer sind zur Zucht bestimmt: Über sie führt der Schäfer ein sogenanntes Zuchtbuch. Darin vermerkt er die Abstammung des Tieres und dokumentiert genauestens seine Entwicklung. Die meisten männlichen Tiere werden dann auf sogenannten Bockmärkten versteigert. Einige behält der Schäfer, um seine Mutterschafe zu belegen und neue Lämmer zu produzieren. Lammfleisch ist eine wichtige Einkommensquelle für den Schäfer. Susanne und Pascal erfahren während ihrer Ausbildung deshalb auch, wie Lämmer geschlachtet werden. Dabei gibt es Gesetze zum Tierschutz und zur Hygiene zu beachten.

Raus auf die Weide

Sobald es im Frühling warm genug ist, kommen die Schafe raus auf die Weide. Susanne ist mit ihrer Herde von April bis in den Winter hinein im oberfränkischen Jura unterwegs. Der Hund ist nun ihr wichtigster Begleiter. Er hilft ihr, die Herde zusammenzuhalten und zu lenken und passt auf, dass kein Schaf sich verläuft. Nicht jede Rasse ist zum Hüten geeignet. Die Hunde müssen ausdauernd sein und wesensfest: Spaziergänger, fahrende Autos oder ein Hase am Wegrand dürfen sie nicht von ihrer Arbeit mit den Schafen ablenken. Nicht nur in die Ausbildung investiert der Schäfer viel Zeit. Er achtet schon beim Kauf oder bei der Zucht darauf, dass der Hund die notwendigen Erbanlagen besitzt.

Ruhen und wiederkäuen

Viele Kilometer zieht Susanne mit ihrer Herde durch's Land. In der Mittagszeit sucht sie für die Schafe und Ziegen ein schattiges Plätzchen. Dort müssen sie ruhen und wiederkäuen, um die Nahrung richtig zu verdauen. Sie selbst hat aber keine Zeit für eine Pause. Statt selbst ein bisschen auszuruhen, kümmert sie sich um verletzte Tiere, entfernt eingetretene Dornen und schneidet die Klauen der Schafe zurück. Das ist ganz besonders wichtig, wenn die Herde auf Wanderschaft ist. Sind die Klauen zu lang, kann das Schaf nicht richtig laufen und sich leicht am Fuß verletzen.

Oft sind die Weideregionen weit weg von zuhause. Dann übernachtet der Schäfer in einem kleinen Schäferwagen in der Nähe seiner Tiere. Die Schafe werden nachts eingepfercht. Ein Elektrozaun hindert sie am Davonlaufen und schützt gleichzeitig, z.B. vor wildernden Hunden.

"Auch wenn du 365 Tage im Jahr für die Tiere da sein musst: Es ist ein tolles Gefühl, gebraucht zu werden und ich versorge sie gerne. Ich finde es auch toll, wie viel wir über die Natur hier draußen lernen. Und ich bin gern hier. Für mich ist das Hobby und Beruf in einem."

Susanne Roß (19), 3. Lehrjahr

Susanne ist mit Schafen aufgewachsen. Eines Tages wird sie den Hof ihres Vaters übernehmen. Für ein Leben als Schäferin muss man schon irgendwie geboren sein.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Tierwirt/-in Fachrichtung Schäferei
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Zugang: Rechtlich ist keine schulische oder berufliche Vorbildung vorgeschrieben. Die Betriebe stellen überwiegend Lehrlinge mit Hauptschulabschluss ein.
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule. In manchen Bundesländern z.B. Bayern und Niedersachsen findet das erste Lehrjahr in vollschulischer Form gemeinsam mit Tierwirten anderer Fachrichtungen statt (Berufsgrundschuljahr).
  • Ausbildungsvergütung: Tierwirte erhalten eine Ausbildungsvergütung von 562 Euro im 1. Jahr bis 658 Euro im 3. Ausbildungsjahr. (Neue Bundesländer: 468 € - 558€).Für Kost und Logis der Lehrling unter Umständen mit Ausgaben rechnen.
  • Prüfung: Die Abschlussprüfung besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil. Eignung: Gespür für Tiere, gute körperliche Verfassung, großes Verantwortungsbewusstsein
  • Perspektiven: Viele Schäfer werden später den elterlichen Hof übernehmen und als selbständige Schäfer arbeiten. Als Angestellte arbeiten Schäfer in tier- oder landwirtschaftlichen Betrieben, in staatlichen Versuchsanstalten oder auch in Schlachtereien.
  • Weiterbildung: Tierwirte und Tierwirtinnen können sich in viele Richtungen weiterbilden oder spezialisieren: Fachagrarwirt/-in, Techniker/-in Umwelt/regenerative Energien, Geprüfte/-r Natur- und Landschaftspfleger/-in.

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Arbeitszeit

Tiere füttern und tränken, Stall ausmisten, Heu machen, Schafe hüten - der Schäfer hat 365 Tage im Jahr zu tun. Auch nachts muss er raus, wenn Tiere krank sind oder bei der Geburt eines Lammes Schwierigkeiten auftreten. Freie Tage oder gar Urlaub gibt es kaum.

Wetter

Ob es stürmt oder die Sonne vom Himmel brennt: Vom Beginn der Weidesaison im Frühling bis in den Winter hinein, ist der Schäfer mit seiner Herde draußen unterwegs. Zum Schutz vor Sonne und Regen trägt er einen Hut. Ganz wichtig sind auch feste Schuhe. Denn oft sind die Hänge in der Weideregion felsig und voller dorniger Hecken. Deshalb trägt der Schäfer beim Hüten auch immer lange Hosen.

Kraft

Ein ausgewachsenes Schaf wiegt rund 100 Kilo. Der Schäfer muss dieses Gewicht halten, heben und tragen können, wenn die Schafe geschoren, ihre Klauen gepflegt oder die Tiere zum Transport verladen werden. Das kostet Kraft.

Genauigkeit

Der Schäfer hat seine Herde immer im Auge. Hat sich ein Schaf verletzt, frisst es nicht oder bleibt es hinter der Herde zurück, muss er es behandeln oder zum Tierarzt bringen. Wenn der Schäfer auf eine neue Weide kommt, muss er den Futterwert der vorhandenen Pflanzen berechnen, um sicher zu gehen, dass seine Schafe auch satt werden und genügend Nährstoffe aufnehmen.


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