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Tierwirt/-in (Fachrichtung Rinderhaltung) Die Milch macht’s, aber wer macht die Milch?

Rinderhaltung gibt es aus zwei Gründen: um Milch zu produzieren und um Fleisch zu erzeugen. Die meisten Tierwirte mit der Fachrichtung "Rind" arbeiten in hoch spezialisierten Betrieben mit sehr großen Beständen. Sie kümmern sich um Hunderte von Bullen und Kühen.

Stand: 03.07.2014

Die Tierwirte sind dafür verantwortlich, das es den Rindern gut geht, dass sie gesund sind und das auch bleiben. Lisa hilft dem Tierarzt bei der Ultraschalluntersuchung der Kühe. Die Auszubildende muss die Ergebnisse genau dokumentieren. Sorgfältig schreibt sie alles auf. Die 17-Jährige ist erst im ersten Lehrjahr, doch inmitten der freilaufenden Kühe bewegt sie sich mit routinierter Selbstverständlichkeit. Zimperlich darf man im Kuhstall sowieso nicht sein.

"Ich will die Tiere in jeder Lebenssituation begleiten, von ganz klein bis sie dann größer werden, auch wenn sie krank sind - das gefällt mir einfach."

Lisa Neubert (17), 1. Lehrjahr

Elektroniker mit "Kuhverständnis"

Melkkarussell

Tierwirte brauchen nicht nur ein Herz für Tiere, auch Computerkenntnisse und Technikverständnis sind heute ein Muss. Das moderne Melkkarussell im Betrieb von Dietrich Kirchner arbeitet nahezu vollautomatisch. Roboterarme setzen die Melkmaschinen an die Euter. Der Diplomagraringenieur sitzt mit der Auszubildenden Lisa oben im Leitstand.

"Das Berufsbild wird etwas anders werden wie bisher. Weg von dem Melken, also dem monotonen Melken, hin zum Elektroniker - aber mit Kuhverständnis bitte !"

Dietrich Kirchner, Dipl. Agraringenieur

Arbeiten im Zweischichtbetrieb

Tierwirte arbeiten im Zweischichtbetrieb. Gegen vier Uhr in der Früh beginnt die erste Melkschicht. Auch an den Wochenenden und an Feiertagen müssen die Kühe versorgt werden. Für die meisten ist das reine Gewohnheitssache. Doch ohne eine gewisse Leidenschaft für die Landwirtschaft geht es nicht.

"Das, was man wieder bekommt, ist viel, viel mehr wert, als das, was man gibt. Sicherlich, wenn's jetzt um vier ist und ich habe eigentlich Feierabend und das Kalb ist noch nicht da und die Kuh quält sich, dann sagt kein Tierwirt, der seine Arbeit mit Leidenschaft macht: Ich geh' jetzt. Der kümmert sich noch da drum."

Dipl. Agraringenieurin Doreen Rath

Gesunde Kühe, die sich wohl fühlen, geben viel Milch in guter Qualität. Darum geht es in der modernen Rinderhaltung, und dafür machen die Tierwirte ihren Job. Für Menschen, die Tiere mögen, die gern im Freien sind, die auch mal  richtig zupacken können und die vor Schmutz und Kot nicht zurückschrecken, ist der Beruf des Tierwirts genau richtig.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Tierwirt/in Fachrichtung Rinderhaltung
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsorte: landwirtschaftliche Betriebe mit Rinderzucht oder Milchviehhaltung, Besamungsstationen, agrarwissenschaftliche Lehr-, Versuchs- und Forschungsanstalten
  • Ausbildungsform: duale Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule
  • Zugang: Grundsätzlich braucht man für die Ausbildung keine bestimmte schulische oder berufliche Voraussetzung. Die Betriebe nehmen vorwiegend Bewerber/-innen mit Hauptschulabschluss. Etwa ein Drittel der Auszubildenden hat einen mittleren Schulabschluss. (Wichtige Schulfächer: Biologie, Mathematik)
  • Prüfungen: Es gibt eine Zwischenprüfung und eine Abschlussprüfung. Der Abschluss besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil. Der praktische Teil besteht aus zwei Arbeitsaufgaben, die dokumentiert werden und über die ein Fachgespräch geführt wird. Es geht um: die Versorgung von Rindern und um die Futterwirtschaft; und um die Produktion von Milch und um die Produktion von Zucht- und Schlachttieren. Im schriftlichen Teil geht es ebenfalls um die Versorgung der Tiere und  um die Produktion von Milch sowie von Zucht- und Schlachttieren. Daneben stehen Futterwirtschaft und Wirtschafts- und Sozialkunde auf dem Programm.
  • Eignung: Der Umgang mit Tieren erfordert ein hohes Maß an Zuverlässigkeit und Sorgfalt. Oberstes Ziel ist das Wohlergehen der Rinder, dann stimmen auch die Menge und die Qualität der Erzeugnisse. Auch, wenn man für diesen Beruf ein Herz für Tiere braucht, unterliegen die Betriebe stets Produktionsanforderungen, sind weder Gnadenhof noch Streichelzoo. Alte und kranke Kühe werden ausgesondert und geschlachtet. Viele Arbeitsabläufe sind in einem modernen Stall automatisiert. Die Tierwirte müssen diverse Maschinen und Geräte bedienen können. Trotzdem müssen viele Reinigungsarbeiten noch per Hand erledigt werden. Geburtshilfe ist keine Seltenheit. Der Umgang mit Schmutz und Exkrementen gehört dazu.
  • Karriere: Tierwirtschaftsmeister/-in, Fachagrarwirt/-in, Agraringenieur/-in

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Jeder Vorgang im Stall wird genau dokumentiert. Ob Futter, Milchleistung oder tierärztliche Untersuchung:  Tierwirte müssen genau Buch führen. Diese Daten sind die Grundlage für einen gesunden Tierbestand, der wiederum die Grundlage für einwandfreie Erzeugnisse wie Milch und Fleisch ist.

Gefahr 

Selbstbewusstes Auftreten im Stall verschafft dem Tierwirt Respekt in der Herde. Doch es gibt immer wieder unberechenbare Tiere. Sie können treten, manche beißen sogar, und sie können in Panik geraten. Allein durch das Gewicht und durch ihre Kraft kann eine Kuh für den Menschen gefährlich werden. Auch nach der Geburt eines Kalbes sind die Muttertiere aggressiv, wenn sich jemand dem Nachwuchs nähert.

Kraft

Trotz der technischen Entwicklung und des Einsatzes vieler Maschinen ist in der Landwirtschaft immer noch Handarbeit gefragt. Ältere Ställe werden nach wie vor mit der Mistgabel gesäubert. Hilfe bei Problemgeburten kann eine schweißtreibende Angelegenheit sein. Und Futtersäcke und Strohballen haben  auch ihr  Gewicht.


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