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Technische/-r Konfektionär/-in Nähen, schweißen, kleben

Der Beruf des technischen Konfektionärs ist ein echter Nischenberuf - nur wenige kennen ihn. Dabei sind technische Textilien im Alltag überall um uns herum: vom Laufband im Fitness-Center über Partyzelte und LKW-Planen bis hin zu bedruckten Werbebannern. Technische Textilien sind in immer mehr Bereichen gefragt. Firmen in ganz Deutschland suchen Azubis.

Stand: 26.06.2017

Christian Springer ist technischer Konfektionär und arbeitet für die Firma Käppner im oberbayerischen Ampfing. In den Sommermonaten ist er viel unterwegs: LKW-Planen reparieren, einen Windschutz bei einer Kundin montieren, Poolfolie verlegen. Von Mai bis Juli haben technische Konfektionäre  viel zu tun, ihre Produkte sind dann gefragt. Im Winter ist dafür weniger los.

"Ich fahre gern raus auf Montage. Auch dieser Kundenkontakt ist uns in der Firma sehr wichtig. Und es macht einfach Spaß, mit immer anderen Leuten zusammenzukommen und mit denen auch zusammenzuarbeiten."

Christian Springer, Technischer Konfektionär

Serien- und Maßanfertigungen

Technische Konfektionäre haben jeden Tag mit speziell beschichteten Folien und Planen zu tun. Sie lesen technische Zeichnungen, schneiden technische Gewebe nach Plan zu, machen Serien- und Maßanfertigungen. Sie nähen, schweißen oder kleben Planen zusammen und bringen noch Zubehör an - Reißverschlüsse, Seile und Ösen zum Beispiel. Die Firmen, die ausbilden, sind sehr unterschiedlich: die Spanne reicht vom Handwerksbetrieb bis zum Großkonzern in der Textilbranche.

Räumliches Vorstellungsvermögen und Genauigkeit

Kunststoffbeschichtete Gewebe werden heute in allen möglichen Bereichen gebraucht - beim Bootsbau, im Umweltschutz, in der Werbung, beim Sonnenschutz, für LKWs, im Brandschutz. Kein Wunder, dass dieser Beruf besonders vielfältig ist. Im Job sind handwerkliches Geschick, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, Genauigkeit und sorgfältiges Arbeiten gefragt. Auch sollte man rechnen können. Technische Konfektionäre machen viel per Hand: messen, zuschneiden, handschweißen. Viele Geräte und Maschinen vereinfachen die Arbeit, wie zum Beispiel fahrbare Hochfrequenzschweißmaschinen.

Nähen, schweißen und kleben

Es gibt nur zwei Berufsschulen für technische Konfektionäre. Eine in Köln, eine in Hermsdorf in Thüringen. Die Schulen haben ein großes Einzugsgebiet; die Azubis werden im Blockunterricht beschult  Die meisten haben vor der Lehre die Hauptschule abgeschlossen oder die mittlere Reife gemacht. Im Praxisunterricht setzen die Schüler Projekte um. Sie lernen verschiedene Stoffarten, Nahtarten und Nähmaschinen kennen. Sie üben den Umgang mit den verschiedenen Textilien. Nähen, schweißen und kleben sind die drei wichtigsten Fügetechniken bei der technischen Konfektion.

"Ein bisschen Unterstützung brauchen sie alle immer mit Zeichnungen lesen, das ist so ein leidiges Thema, da werden sie auch manchmal faul und haben keine Lust, und geben uns die Zeichnung und wollen, dass wir das für die machen. Da muss man konsequent sein und sagen: Nee, du zeigst mir jetzt, wo ich was auf der Zeichnung finde, und dann kommt man da auch irgendwann rein, und wird dann schneller im Lesen. Aber das ist so ein Thema immer."

Alex Kreuser, Ausbilder und Technischer Konfektionär

Die Ausbildung bietet hervorragende Übernahmechancen - die Branche wächst und Azubis werden dringend gesucht. Der Beruf ist recht unbekannt - die meisten Lehrlinge kommen eher durch Zufall in die Ausbildung. Nur wenige studieren im Anschluss oder machen gleich den Meister - die meisten sammeln erst mal Erfahrung in der Firma. Einige steigen zum Ausbilder oder Teamchef auf. Fazit: Der technische Konfektionär ist ein ausgefallener Beruf in der Industrie. Er eignet sich für handwerklich Geschickte, die viel Abwechslung wollen und auch gern mal draußen auf Montage unterwegs sein möchten.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Technische/-r Konfektionär/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: dual (Betrieb und Berufsschule)
  • Prüfung: Bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer
  • Ausbildungsorte: Werkstätten oder Werkhallen von Industriebetrieben, die technische Konfektionsware herstellen - z.B. Sonnenschutz, Zelte, Markisen, Laufbänder oder Planen
  • Zugang: Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis haben die meisten Azubis einen Hauptschulabschluss oder einen mittleren Schulabschluss.
  • Eignung: Räumliches Vorstellungsvermögen und handwerkliches Geschick sind besonders wichtig. Rechnen sollte man auch können.
  • Perspektiven: Der Beruf ist abwechslungsreich und fertigt für viele verschiedene Branchen. Da viele den Beruf nicht kennen, gibt es deutschlandweit nicht allzu viele Azubis. Viele Betriebe suchen aber dringend gute Fachkräfte mit abgeschlossener Ausbildung. Die Berufsaussichten sind insgesamt sehr gut.
  • Spezialisierung: Weiterbildung ist möglich, zum Beispiel: Industriemeister/-in mit Schwerpunkt Textil; Textiltechniker/-in, Diplom-Ingenieur/-in Textiltechnik
  • Alternativen: Segelmacher/-in, Produktionsmechaniker/-in Textil, Produktveredler/-in Textil

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Handwerkliches Geschick

Kein Job für Leute mit zwei linken Händen. Als technischer Konfektionär hat man jeden Tag mit Schere, Garn, Faden und Schablonen zu tun. Einen Teil der Arbeit erledigen zwar Maschinen - trotzdem muss das eigentliche Handwerk sitzen.

Mathematik

Mathematik wird im Job ständig gebraucht: Flächen und Durchmesser berechnen, den Materialverbrauch bestimmen, die fertigen Teile genau ausmessen.

Sorgfalt / Genauigkeit

Technische Konfektionäre müssen mit ruhiger Hand arbeiten. Die Nähte müssen sauber ausgeführt sein, alle Teile auf den Millimeter genau zusammenpassen.


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