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Tanzlehrer/-in Darf ich bitten?

Tanzlehrer unterrichten vor allem Gesellschaftstänze. Zur Vorbereitung wählen sie Übungen aus und stellen Unterrichts- und Trainingsprogramme zusammen. Oft entwickeln sie Choreografien, organisieren Veranstaltungen und erstellen Kurspläne.

Stand: 07.11.2014

Ronja lässt sich erschöpft auf das Sofa fallen, zieht die Schuhe aus und massiert sich die Füße. Ein langer Tag liegt hinter der 19-jährigen aus Hilpoltstein: Der fing um neun Uhr mit einer Mitarbeiterbesprechung an und endete 13 Stunden später, als der Fortgeschrittenenkurs in Samba fertig war. Dann erst konnte sie die Tanzschule zuschließen. Ronja will Tanzlehrerin werden. Deshalb hat sie nach dem Abitur einen Ausbildungsvertrag mit der Tanzschule Bogner in Schwabach geschlossen. Damit erfüllt sie sich einen Traum und macht ihr Hobby zum Beruf. Mit sechs Jahren fing Ronja mit dem Tanzen an. Erst Ballett, später lateinamerikanische Tänze. Zusammen mit ihrem Tanzpartner Fabian tritt sie sogar bei bayerischen Meisterschaften an. Taktgefühl, Rhythmus, Ausdruck: Das bringt Punkte beim Wettkampf. Ronja und Fabian starten in Klasse D. Das ist die Einstiegsklasse bei Turniertänzern. Doch als Tanzlehrerin muss Ronja mehr können, als nur gut zu tanzen.

Papierkram satt

Büroarbeit

Bevor es mit dem Tanzvergnügen losgehen kann, muss Ronja eine Menge Papierkram erledigen. Wer kommt zum Kurs? Wer hat bereits gezahlt? Wie heißen die Teilnehmer? Um sich die Namen besser merken zu können, hat Ronja alle Schüler fotografiert. Zu Kursbeginn spickt sie immer mal wieder auf die Fotoliste. Obwohl Ronja gerade frisch angefangen hat, darf sie schon eigene Kurse leiten. Ihr Chef, Harald Bogner, ist aber immer dabei.

"Der Beruf ist extrem abwechslungsreich. Man hat immer mit neuen Leuten zu tun, von den ganz kleinen bis zu den ganz großen. Es ist viel mehr, als einfach nur zu unterrichten. Ich bin ja auch im Büro. Allerdings muss man mit Leib und Seele dabei sein, denn der Beruf ist auch anstrengend. Deshalb muss man auch körperlich fit sein."

Ronja Heinrich (19), 1. Ausbildungsjahr

Verbände regeln die Ausbildung

Theorie in der Berufschule

Insgesamt liegen drei Jahre Ausbildungszeit vor Ronja. Die Inhalte und Prüfungen geben die nationalen Tanzverbände vor. Bei der Tanzschule Bogner ist das der ADTV, der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband. Daneben gibt es noch den Berufsverband Deutscher Tanzlehrer, kurz BDT. Die Ausbildungsvorschriften dieser beiden großen Verbände unterscheiden sich kaum. Für die Azubis gilt: Mindestalter 18 Jahre, mittlere Reife oder Abitur. Eine Tanzlehrerin muss einiges drauf haben. Sie muss gern mit Menschen umgehen, Freude an Tanz und Musik und viel Geduld mitbringen. Sie wird sie später Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Einzelstunden und Kursen, aber auch in fest eingerichteten Tanzkreisen und -clubs verschiedene Arten von Tänzen beibringen. Darüber hinaus könnte sie auch im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiten, etwa in Reha- und Behinderteneinrichtungen.

Tanzen als Nebenjob?

Ronja aber hat andere Pläne. Sie will nach der Ausbildung Eventmanagement studieren. Um das Studium zu finanzieren, will sie dann abends und am Wochenende als Tanzlehrerin arbeiten. Tanzlehrer im Nebenberuf? Das machen viele. Aber noch ist das Zukunftsmusik für Ronja. Jetzt muss sie erst mal die Ausbildung hinter sich bringen. Zweimal pro Woche bildet sich Ronja weiter. Schulen für angehende Tanzlehrer unterscheiden sich von klassischen Berufsschulen. Hier dreht sich alles nur ums Tanzen. Deutsch, Mathe, Sozialkunde stehen nicht auf dem Stundenplan. Obwohl alle im Kurs viel Erfahrung mitbringen, muss jeder büffeln. Die vielen Feinheiten der einzelnen Tänze könnten bei den Prüfungen abgefragt werden. Das Programm ist straff. Nicht jeder hält die drei Jahre durch.

"Ein Tanzlehrer muss viel mehr können, als nur tanzen zu können. Er muss mit Menschen umgehen können, er muss einfühlsam und sehr geduldig sein. Und das Wichtigste ist: Er muss fröhlich sein und gerne mit Menschen umgehen. Das alles zeichnet einen guten Tanzlehrer aus."

Harald Bogner, Tanzlehrer

Traumberuf trotz langer Arbeitszeiten

Auch Smalltalk steht auf dem Programm

Während ihrer Ausbildung verdienen die meisten angehenden Tanzlehrer wenig. Dafür übernehmen in der Regel die Betriebe den teuren Theorieunterricht der Privatschule. Alles rund ums Geld ist von Tanzschule zu Tanzschule verschieden. Wer sich für die Ausbildung interessiert, muss das unbedingt mit dem jeweiligen Betrieb im Vorfeld klären. Schmerzende Füße, lange Arbeitszeiten, magere Bezahlung. Ronja nimmt das alles in Kauf. Tanzlehrerin ist halt ihr Traumberuf.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Tanzlehrer/-in
  • Ausbildungsdauer: drei Jahre
  • Ausbildungsform: Die Ausbildung ist nicht staatlich geregelt. Ausbildungsinhalte und Prüfungsordnung geben die nationalen Tanzverbände (z.B. ADTV und BDT) vor. Die ausbildende Tanzschule schließt mit dem Bewerber bzw. der Bewerberin einen Ausbildungsvertrag.
  • Prüfung: Nach dem ersten und nach dem zweiten Jahr werden Zwischenprüfungen durchgeführt. Die Abschlussprüfung besteht aus einem tänzerischen und einem theoretischen Teil sowie ggf. zusätzlich aus einer Lehrprobe und einem Nachgespräch.
  • Ausbildungsorte: Die praktische Ausbildung findet in der ausbildenden Tanzschule statt. Die Theorie vermitteln Ausbildungslehrer in Privatschulen. Das ist dem Besuch einer Berufsschule vergleichbar. Ergänzend dazu schreiben einzelnen Verbände auch die Teilnahme an überregionalen Seminaren vor.
  • Zugang: Grundsätzlich ist keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung vorgeschrieben. Üblicherweise müssen die Auszubildenden mindestens 18 Jahre alt sein.
  • Eignung: Tanzlehrer und Tanzlehrerinnen sollten gerne tanzen und müssen sportlich und körperlich fit sein. Ein Gespür für Rhythmus und Musik ist ebenso wichtig wie Geduld und Freunde beim Umgang mit Menschen.
  • Perspektiven: Der Bedarf an qualifizierten Tanzlehrer/-innen ist seit Jahren bundesweit hoch.
  • Alternativen: Tanzpädagoge/-in, Eurythmielehrer/-in (schulische Ausbildung), Gymnastiklehrer/-in

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geschick

Tanzlehrer müssen sowohl die Schrittfolgen der Männer als auch die der Frauen beherrschen. Sie müssen in Sekundenschnelle zwischen diese Schrittfolgen umschalten können.

Arbeitszeit

Die Arbeitszeiten haben es in sich. Nur selten machen Tanzlehrer vor 23 Uhr Feierabend. Viele arbeiten sechs Tage die Woche, oft zehn Stunden am Tag. Dafür gibt es oft während der Schulferien frei.


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