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Pharmazeutisch-technische/-r Assistent/-in Die rechte Hand des Apothekers

Der eine möchte ein gut verträgliches Kopfschmerzmittel, der andere ein Wärmepflaster, der nächste hat noch einige Fragen zum Rezept: Alltag in einer Apotheke, und damit Alltag für pharmazeutisch-technische Assistenten. Sie beraten geduldig Kunden, stellen aber auch Medikamente her, prüfen Qualität und Inhaltsstoffe und gehen dem Apotheker zur Hand.

Stand: 18.01.2013

Gisela Gebuhr arbeitet in der Nürnberger "Mohren-Apotheke": Hier lernt die 21-Jährige den Beruf der pharmazeutisch-technischen Assistentin, kurz "PTA". Das sechsmonatige Praktikum gehört fest zu ihrer Ausbildung. Morgens prüft sie zuerst ein ärztliches Rezept, checkt die darin verschriebenen Wirkstoffe und protokolliert alle Schritte. Sie soll eine Salbe gegen Hautpilz herstellen. Bevor sie loslegen kann, muss allerdings ihr Chef, Apotheker Wilhelm Bouhon, ihr Protokoll gegenzeichnen. PTA arbeiten immer unter Aufsicht eines gelernten Apothekers - das ist so Vorschrift.

Mörser, Schüssel und Spatel

In der Rezeptur

Insgesamt darf Gisela aber schon sehr selbstständig arbeiten und mit allen Wirkstoffen umgehen, auch mit gefährlichen Giftstoffen, die in einem Extra-Schrank gelagert werden müssen. Gisela stellt sich alle benötigten Inhaltsstoffe bereit, dazu noch eine Präzisionswaage, einen Mörser, Schüsseln und Spatel. Nun kann sie die Arznei genau nach Rezeptur mischen. Zwar gibt es in der Apotheke viele Medikamente zu kaufen. Sehr oft verschreiben Ärzte ihren Patienten aber spezielle Arzneien, die die PTA dann herstellen: Kapseln, Säfte, Tropfen und Teemischungen zum Beispiel.

Umgang mit giftigen Substanzen

Die 21-jährige Abiturientin muss stets exakt arbeiten. Wenn sie einen Fehler macht, wirkt das Pilzmittel später nicht richtig. Sorgfalt und Genauigkeit bei jedem einzelnen Schritt - das ist das Wichtigste in diesem Job. Das zweite große Aufgabengebiet einer PTA: Die Beratung der Kunden. Kommunikatives Talent sollte man dafür schon haben. Bei älteren Kunden braucht Gisela oft auch etwas Geduld.

"Es ist immer auch vom Kunden abhängig. Manche haben es eilig, manche wollen ausführliche Beratung. Das macht natürlich besonders viel Spaß, wenn ein Kunde kommt, der zeigt: Er hat Interesse und möchte beraten werden."

Gisela Gebuhr, PTA-Anwärterin (21)

Mehr als 90 Prozent aller Azubis arbeiten später in einer öffentlichen Apotheke. Es gibt aber auch Stellen in Krankenhausapotheken, in der Forschung und in pharmazeutischen Unternehmen. Dort hat man meist kaum Kundenkontakt und arbeitet mehr mit medizinischen Geräten und Wirkstoffen.

"Es ist im Endeffekt ein komplettes Kontrastprogramm zur öffentlichen Apotheke, weil so ein Bereich wie hier: Steril-Labor, Reinraum, den hat man in einer öffentlichen Apotheke nicht. Und einfach das Handwerkliche. Das ist einfach das, was mich hier reizt und interessiert und was mir gefällt."

Judith Lindner, pharmazeutisch-technische Assistentin/Krankenhaus-Apotheke (23)

Schulischer Lehrberuf

Chemisch praktische Übungen

Der "Pharmazeutisch-technische Assistent" ist kein dualer, sondern ein schulischer Lehrberuf. Das heißt: Die Ausbildung findet zum Großteil an einer von rund 60 PTA-Schulen bundesweit statt. Es gibt staatliche und private Berufsfachschulen. Die Ausbildung dauert zweieinhalb Jahre: Zwei Jahre Schule und dann noch ein halbes Jahr Praktikum in einer Apotheke. Wer an einer PTA-Schule zwei Jahre lernen möchte, muss sich bewerben: mit Lebenslauf, Foto und Zeugnis. Bewerber müssen mindestens die mittlere Reife haben. Die Ausbildung beginnt dann in der Regel im September. An staatlichen Schulen ist die Ausbildung oft kostenlos, an den privaten kostet sie dagegen meist - wie viel genau, ist je nach Bundesland und Träger verschieden. Wer das Schulgeld nicht aufbringen kann, kann Bafög beantragen.

Praxisunterricht in der Berufsfachschule.jpg

Theorie und praktische Übungen wechseln sich im Schulalltag ab. Zu den wichtigsten praktischen Fächern gehören chemisch-pharmazeutische Übungen und die Galenik. In diesem Fach geht es um die Herstellung von Arzneimitteln. Wer Interesse an Chemie, Physik und Mathematik mitbringt und gern exakt arbeitet, tut sich in der Ausbildung leicht. Weitere wichtige Fächer an der Berufsschule sind Drogenkunde, Gefahrstoffkunde, Ernährungskunde und Botanik. Erste Berufserfahrung sammeln die angehenden PTA schon in einem vierwöchigen Praktikum, das in den Schulferien absolviert wird.

Ständige Weiterbildung ist  ein Muss in diesem Job. Nach der Ausbildung öffnen sich viele interessante Karrierewege: Weiterbildungen zur Fach-PTA sind möglich, ebenso ein Studium der Pharmazie oder eine Karriere in der Forschung. Durch viele Teilzeitstellen lässt sich der Beruf auch gut mit der Familie vereinbaren.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Pharmazeutisch-technische/-r Assistent/-in
  • Ausbildungsdauer: 2,5 Jahre
  • Ausbildungsform: Die Ausbildung ist bundesweit einheitlich geregelt und findet  an Berufsfachschulen oder Berufskollegien statt. Interessenten müssen sich an der Schule ihrer Wahl schriftlich bewerben.  
  • Prüfung: Staatliche Prüfung. Die erste Prüfung erfolgt nach zwei Schuljahren und betrifft die erlernten Fächer. Die zweite Prüfung erfolgt nach dem Praxishalbjahr in der Apotheke. Abgelegt wird die Prüfung vor einem Ausschuss, der aus dem Pharmazierat des jeweiligen Regierungsbezirkes und bestellten Apothekern besteht.
  • Ausbildungsorte: Apotheken, Krankenhäuser und Kliniken mit eigener Apotheke, pharmazeutische Industrie, Arzneimittelhersteller
  • Zugang: Die Ausbildung ist reglementiert: Es wird mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss vorausgesetzt.
  • Eignung: andwerkliches Geschick im Umgang mit Wirkstoffen und Geräten ist gefragt. Bei der Herstellung von Medikamenten ist Sorgfalt und Genauigkeit notwendig. Die Beratung von Kunden in der öffentlichen Apotheke verlangt viel Kommunikationstalent - bei älteren Menschen oft auch Geduld und Einfühlungsvermögen.
  • Perspektiven: Die Berufsaussichten sind gut bis sehr gut. PTA sind gesucht. Die Menschen werden immer älter - auch die Zahl der Stellen im Gesundheitswesen steigt. Der Beruf bietet durch Teilzeitstellen gute Möglichkeiten, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren.
  • Spezialisierung: Eine Weiterbildung zur Fach-PTA ist ebenso möglich wie ein Job in der Pharmabranche oder in der Forschung. Viele studieren nach der Ausbildung Pharmazie. Auch Krankenkassen, Apothekerverbände und Gesundheitsämter bieten Stellen.

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Sorgfalt

Bei der Herstellung von Medikamenten ist Sorgfalt und Genauigkeit wichtig. Alles muss dokumentiert und kontrolliert werden. Schlampiges Arbeiten kann die Gesundheit von Menschen gefährden.

Gefahr

Die PTA hat im Arbeitsalltag mit gefährlichen Wirkstoffen zu tun - mit Hormonen oder giftigen Pflanzenstoffen zum Beispiel. Sie schützt sich dann mit Atemmaske und Handschuhen.

Kommunikation

Vielen PTA gefällt besonders die Beratung von Kunden. Kommunikatives Talent ist hier wichtig, weil sich eine PTA dann auf alle möglichen Menschen und ihre Fragen einstellen muss.


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