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Pflanzentechnologe/-in Die Profis für Kulturpflanzen

Sie haben ein Händchen für Pflanzen und Spaß an Biologie: Pflanzentechnologen säen und ernten, vermehren und pflegen, führen Versuche durch und werten sie aus. Dabei arbeiten sie im Labor ebenso wie auf dem Feld oder im Gewächshaus.

Stand: 14.03.2017

Der Schlepper fährt auf dem Acker Reihe für Reihe akkurat ab. Auf der angehängten Drillmaschine sitzt Kai König. Er schüttet das Saatgut aus einer kleinen Tüte in einen Trichter. Dabei passt er ganz genau auf, dass er den Plan einhält, den er vor sich hängen hat. "Ich muss eine bestimmte Menge aus einer bestimmten Tüte zu einem bestimmten Zeitpunkt einfüllen", erklärt der Auszubildende. Er hat vor fast einem Jahr seine Lehre bei der Firma KWS in Einbeck (Niedersachsen) begonnen. Das Saatgut stammt aus einer Kreuzung zweier Zuckerrüben-Sorten. Der Versuch auf dem Feld soll unter anderem zeigen, ob die Kreuzung den Ertrag bringt, den sich das Unternehmen wünscht. Kai darf keinen Fehler machen, das könnte seinen Ausbildungsbetrieb sonst viel Geld kosten.

Resistent gegen Schädlinge?

Sorgfältig arbeiten muss auch Angelina Meistrell im Gewächshaus. Gemeinsam mit einer Kollegin infiziert sie junge Zuckerrübenpflanzen mit Fadenwürmern, im Fachjargon Nematoden. "Die nisten sich typischerweise in diesen Pflanzen ein", sagt die 21-Jährige. Der Versuch soll zeigen, ob die Sorte resistent gegen die Schädlinge ist. "Wenn nicht, müssen wir schauen, woran es gelegen hat. Und dann kucken wir, ob es in weiteren Tests möglich ist, die Pflanze so zu züchten, dass sie irgendwann nicht mehr befallen ist."

"Beim Kreuzen braucht man sehr viel Geduld und es gelingt nicht auf Anhieb. Da braucht es ein bisschen Übung. Aber es macht mir trotzdem viel Spaß: die Arbeit draußen und die Feinfühligkeit, die man braucht. Wenn man's dann am Ende geschafft hat, ist man auch stolz auf sich."

Sabrina Ernst (18), Auszubildende im 1. Lehrjahr

DNA-Analyse im Labor

Pflanzentechnologen arbeiten auch im Labor. Dort werden beispielsweise Samen oder Blätter mechanisch und chemisch aufgeschlüsselt. Sandra Bokelmann befüllt einen Roboter mit Blattproben. Dieser zermahlt die Stücke in winzige Partikel. "Wir analysieren hier in mehreren Schritten die DNA der Proben", erklärt die Auszubildende. Am Ende liefert die Software mehr als 50.000 Daten, "unter anderem können wir Resistenzen ablesen oder auch Informationen zu den Vater- bzw. Mutterpflanzen."

"Der Blockunterricht ist natürlich eine Umstellung - zwei bis drei Wochen am Stück weg von zuhause, daran muss man sich am Anfang gewöhnen. Für mich war das kein Problem. Das Ganze ist auch von der Wohnungsbaugesellschaft gut organisiert. Während des Blockunterrichts wohne ich in einem WG-Zimmer, ich muss dann einfach immer nur den Schlüssel abholen. Die Zeit in Einbeck vergeht immer relativ schnell - vormittags ist man in der Schule, nachmittags lernt man oder unternimmt etwas mit den anderen Schülern."

Marie-Luise Richter (18), Auszubildende im 2. Lehrjahr

Höherer Ertrag durch Kreuzung

Mitten im Rapsfeld sitzt Sabrina Ernst und kreuzt verschiedene Sorten - natürlich nach einem vorgegebenen Plan. "Auf dem steht die jeweilige Nummer der Vater- und Mutterpflanze." Die Blüten sind zwittrig, das heißt sie tragen sowohl männliche als auch weibliche Fortpflanzungsorgane. Die männlichen entfernt die Auszubildende vorsichtig mit einer Pinzette, "kastrieren" heißt das. Dann nimmt sie die Vaterpflanze und bestäubt mit den Pollen die Narbe. Über die befruchtete Blüte stülpt die 18-Jährige eine Tüte und dokumentiert anschließend ihre Arbeit. "Wenn die Pflanzen reif sind, werden sie mit der Hand geerntet", erklärt Sabrina. "Unser Ziel ist es, dass wir durch die Kreuzung einen möglichst ölhaltigen, resistenten und gleichzeitig ertragreichen Raps bekommen."

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Pflanzentechnologe/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule in Einbeck (Niedersachsen). Dort findet der Unterricht in Blockform statt.
  • Zugang: Es ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen die Betriebe überwiegend Bewerber mit Mittlerer Reife ein.
  • Eignung: Interesse an Biologie, praktisches Geschick und technisches Verständnis sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung. Pflanzentechnologen müssen außerdem sorgfältig arbeiten und dürfen keine Pollenallergie haben.
  • Wichtige Schulfächer: Wer in Biologie, Physik und Chemie fit ist, bringt gute Voraussetzungen mit für eine erfolgreiche Ausbildung.
  • Perspektiven: Teamleiter/-in, Meister/-in, Studium

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Info

Vor Beginn der Ausbildung müssen sich die Azubis für mindestens zwei Einsatzgebiete entscheiden. Zur Auswahl stehen:
Feldversuchswesen / Gewächshaus / Kulturlabor / Pflanzenschutzversuchswesen / Saatgutwesen / Untersuchungslabor / Zuchtgarten

Wetter

Pflanzentechnologen, die im Freien arbeiten, sollten nicht wetterempfindlich sein. Starker Wind, Regen oder Kälte/Hitze sollten dürfen ihnen nichts ausmachen.

Verdienstmöglichkeiten

Auszubildende bekommen ein durchschnittliches Azubigehalt - zwischen 750 und 850 Euro brutto im Monat.

Arbeitszeiten

Im Freien gibt häufig das Wetter den Zeitplan vor. In der Hochsaison müssen Pflanzentechnologen deshalb manchmal auch am Wochenende arbeiten. Im Sommer fangen sie oft früher an, um die kühlen Temperaturen am Morgen zu nutzen.

Sorgfalt

Blüten kreuzen, Blattproben analysieren, Pflanzen untersuchen: Pflanzentechnologen müssen sehr genau arbeiten. Oft werden Daten über Jahre gesammelt und ausgewertet. Kleinste Fehler können das Ergebnis extrem verfälschen.


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