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Pferdewirt/-in - Pferdezucht Aufs richtige Pferd gesetzt

Pferdewirte der Fachrichtung Pferdezucht züchten Spring-, Renn-, Reit- und Arbeitspferde. Sie betreuen die Tiere, bilden sie aus und bereiten sie für Zuchtschauen und Prüfungen vor. Pferdewirte müssen deshalb sattelfest sein.

Stand: 20.02.2015

Neun Uhr. Hannah Straky setzt sich mit den anderen Pferdewirtinnen um den langen Holztisch im Aufenthaltsraum. Vor ihr steht ein großer Tee. Die Zwanzigjährige wärmt ihre Hände an der heißen Tasse. Vor drei Stunden fing ihr Arbeitstag an. Die Nacht war kurz. Gestern blieb Hannah bis halb zehn Uhr im Stall. Eine der Stuten fohlte. Alles lief glatt. Die Tierärztin musste nicht kommen. Hannah macht eine Ausbildung zur Pferdewirtin. Sie hat sich für die Fachrichtung Pferdezucht entschieden.

Norddeutschland ist Pferdeland

Obwohl sie aus dem Schwarzwald stammt, wollte Hannah nach ihrem Abitur zur Ausbildung unbedingt in den Norden. Norddeutschland ist Pferdeland. Hier gibt es viel mehr große Betriebe als im Süden Deutschlands. Und, so die Überlegung von Hannah, je größer der Betrieb, desto mehr kann sie während ihrer Ausbildung lernen. Seit zwei Jahren lebt und arbeitet sie jetzt schon auf dem Haflinger-Gestüt von Wolfgang Kreikenbohm in Padenstedt. Sie hat ihre Wahl keinen Tag bereut. Allein in diesem Frühjahr konnte sie schon bei der Geburt von sechs Fohlen dabei sein. Auszubildende in kleinen Betrieben erleben meist während ihrer gesamten Ausbildungszeit nicht so viele Geburten.

Früh übt sich

Das Frühstück ist vorbei. Es geht zurück in den Stall. Bevor sie sich mit ihrer Ausbilderin trifft, verteilt Hannah rasch noch etwas Kraftfutter und kleine Streicheleinheiten. Soviel Zeit muss sein. Stuten und Hengste stehen in verschiedenen Ställen. Die Entfernung schafft Ruhe. In der Nähe der Stuten würden sich die Hengste die ganze Zeit aufspielen. Die vierjährige Haflinger-Stute Abba hat vor fünf Tagen einen Hengst zur  Welt gebracht. Bergwächter heißt der Kleine. Heute beginnen Hannah und Pferdewirtschaftsmeisterin Ute Rohwäder damit, das junge Pferd ans Halfter zu gewöhnen. Unter den wachen Augen von Mutter Abba hält Hannah Bergwächter fest. Ute Rohwäder zeigt dem Hengstfohlen erst das Halfter und legt es ihm dann an. Geschafft. Bergwächter stört es nicht. Er spielt fröhlich weiter.  

Zwischen Labor und Stall

Kurze Zeit später hilft Hannah in der Absamstation. Die 20-Jährige kleidet eine künstliche Scheide mit einer Folie aus. In ihr wird später Hengstsamen aufgefangen. Noch ein bisschen Vaseline. Fertig. Nur ausgewählte Hengste setzen die Padenstedter zur Zucht ein. Starkwind gehört dazu. Der Hengst stammt aus Tirol und steht erst seit Anfang des Jahres in Norddeutschland. Hannah und er haben schon Freundschaft geschlossen. Heute soll er zum ersten Mal abgesamt werden. Das übernimmt Ute Rohwäder. Hannah bringt den Hengst in Position. Dem Hengst wird das Sperma entnommen, wenn er auf eine Attrappe springt, dem sogenannten Phantom. Damit Sturmwind in Stimmung kommt, hat Hannah einige Meter vom Phantom entfernt eine Stute angebunden. Dann geht alles ganz schnell. Die Pferdewirtschaftsmeisterin fängt das Sperma in der künstlichen Scheide auf. Der Samen muss möglichst rasch ins Labor. Je frischer die Spermien aufbereitet werden, desto besser. Nach dem Filtern geben Hannah Straky und Ute Rohwäder einen Tropfen des Spermas auf einen Objektträger und gucken nacheinander durchs Mikroskop. Sie protokollieren, wie aktiv die Spermien sind. Anschließend konzentrieren und portionieren die beiden die Samenflüssigkeit. Der Samen kann jetzt gekühlt gelagert oder eingefroren werden. Je nachdem in welchem Betrieb Hannah später arbeiten wird, kann es sein, dass sie im Labor genauso viel Zeit wie im Stall verbringen wird.

Gute Chancen im Job

Die Berufsaussichten sind prinzipiell gut, weil sich nur wenige Pferdewirte / Pferdewirtinnen für die Fachrichtung Pferdezucht entscheiden. Nach der Mittagspause zeigt Ute Rohwäder Hannah, wie sie eine Stute künstlich besamt. Die Samen für die künstliche Befruchtung stammen von Starkwind. Hier im Ponypark werden die Stuten aus hygienischen Gründen per Pipette befruchtet. Außerdem könnte ein Hengst die Stute beim sogenannten Natursprung verletzen.  

Vielseitig

Absamung. Laborarbeit. Marketing. Der Beruf ist sehr vielseitig. Gerade deshalb hat sich Hannah für die Ausbildung zur Pferdewirtin - Fachrichtung Pferdezucht entschieden. Und natürlich weil sie sehr viel Zeit mit Pferden verbringen kann. Es ist ihr egal, dass es heute vermutlich wieder später wird. Zeit für Freunde und Familie bleiben der 20-jährigen Auszubildenden kaum. Aber das Team auf dem Gestüt in Padenstadt ist für Hannah so etwas wie eine große Familie. Da ist es egal, dass es heute wohl wieder einmal spät wird.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Pferdewirt/-in - Pferdezucht
  • Ausbildungsdauer: Die Ausbildung dauert drei Jahre
  • Ausbildungsform: Die Ausbildung ist bundesweit geregelt. Sie wird in der Landwirtschaft angeboten.  
  • Prüfung: Im praktischen Teil der Abschlussprüfung müssen die Prüflinge jeweils eine Arbeitsaufgabe und ein zugehöriges Fachgespräch zu den Themen "Durchführung von Zuchtmaßnahmen", "Haltung und Betreuung" und "Vorstellen von Pferden" ablegen. Die schriftlichen Prüfungen umfassen die Bereiche "Planung und Organisation der Pferdezucht" und  "Wirtschafts- und Sozialkunde".
  • Ausbildungsorte: Pferdewirte/Pferdewirtinnen der Fachrichtung Pferdezucht lernen im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule (teilweise in länderübergreifenden Fachklassen). Können Betriebe nicht alle geforderten Ausbildungsinhalte vermitteln, wird ein Teil der Ausbildung in überbetriebliche Ausbildungsstätten durchgeführt.
  • Zugang: Grundsätzlich ist keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung vorgeschrieben.
  • Eignung: Pferdewirte / Pferdewirtinnen der Fachrichtung Pferdezucht müssen sorgfältig arbeiten und naturwissenschaftlich interessiert sein. Sie sollten reiten können und Leidenschaft für die Arbeit mit Pferden mitbringen.
  • Perspektiven: Pferdewirte / Pferdewirtinnen der Fachrichtung Pferdezucht können auf Gestüten, Deckstationen, Hengstdepots und Aufzuchtbetrieben einen Arbeitsplatz finden.  Die Berufsaussichten sind prinzipiell gut.
  • Alternativen: Pferdewirt/-in in einer der anderen Fachrichtungen: Pferdehaltung und Service, klassische Reitausbildung, Pferderennen, Spezialreitweisen; Landwirt/-in; Tierpfleger/-in, z.B. in der Fachrichtung Zoo; Tierwirt/-in, z.B. in der Fachrichtung Rinderhaltung

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Arbeitszeit

Eine 36,5 Stundenwoche gibt es für Pferdezüchter nicht. Der Tag auf einem Gestüt beginnt für viele Pferdewirte früh um sechs und dauert immer wieder mal bis spät in die Nacht. Überhaupt: es gibt immer etwas zu tun. Zeit für Freunde und Familie bleibt kaum.

Gefahr

Häufig verbringen Pferdewirte viele Zeit im Labor. Um das Pferdesperma lange haltbar zu machen, frieren sie es bei minus 196 Grad Celsius ein. Dazu verwenden die Pferdezüchter flüssigen Stickstoff. Der Umgang damit ist gefährlich. Schutz bieten Laborbrillen und Tieftemperaturhandschuhen.

Genauigkeit

Im Labor müssen die Pferdewirte/Pferdewirtinnen der Fachrichtung Pferdezucht sehr gewissenhaft arbeiten. Die Samenflüssigkeit darf auf keinen Fall vertauscht werden. Hygienisches und präzises Arbeiten und genaues Einhalten der vorgeschriebenen Arbeitsabläufe ist Pflicht.


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