ARD-alpha - Ich mach's!


11

Orthopädieschuhmacher/-in Handwerker für fitte Füße

Knick-, Senk- oder Spreizfuß - damit kennen sich Orthopädieschuhmacher bestens aus. Sie sind die Spezialisten, wenn es darum geht, Fußfehlstellungen mit orthopädischen Einlagen oder maßgefertigten Schuhen zu korrigieren.

Stand: 24.02.2014

Plattfüße, offene Stellen, amputierte Zehen - solche Problemfüße begegnen Orthopädieschuhmachern tagtäglich. Deshalb dürfen Auszubildende wie Maximilan Sienz aus München keine Scheu davor haben, unschöne Füße anzufassen. Sie müssen mit betroffenen Patienten sensibel und kompetent umgehen. Der 20-jährige Maximilian hat sich nach einem Praktikum für die Ausbildung entschieden und steht nun kurz vor der Abschlussprüfung. Ihm gefällt besonders die Abwechslung zwischen Kundenkontakt und der Arbeit in der Werkstatt.

Achtung, Finger!

Die Herstellung orthopädischer Schuhe und Einlagen erfordert bis heute viel Handarbeit, denn kein Fuß gleicht dem anderen. Zu den Werkzeugen von Azubi Christian Fochtler aus Nürnberg gehören Hammer, Zangen und Raspeln, wie beim traditionellen Schuhmacherhandwerk. Für seine Arbeit braucht der 19-Jährige vor allem Kraft und Geschick. Die Verletzungsgefahr dürfen die Azubis bei der Arbeit mit Werkzeug und Maschinen nicht unterschätzen. Vor allem am Anfang trifft nicht jeder Hammerschlag den Nagel auf den Kopf. Das kann schon mal blutige Finger geben.

"Am Anfang habe ich mir gefühlt alle fünf Minuten mit dem Hammer auf die Finger gehauen. Doch mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür."

Christian Fochtler (19), 3. Lehrjahr

Gips, Leder, Kork - dann wird ein Schuh draus!

Bei der Herstellung von Einlagen und Maßschuhen benötigen Orthopädieschuhmacher viele unterschiedliche Materialien wie Kunststoffe, Metalle und verschiedene Lederarten. In der Berufsschule lernen die Auszubildenden den Umgang mit diesen Werkstoffen. Außerdem gibt Berufsschullehrerin Iris Mösl Unterricht in Anatomie. Für die Berufsschüler ist Hintergrundwissen über das Zusammenspiel zwischen Knochen, Nerven und Muskeln wichtig, da sie Krankheiten erkennen müssen.

Verantwortung für Patienten

Bei der Herstellung und Umarbeitung von Einlagen und Schuhen tragen die Orthopädieschuhmacher Verantwortung für ihre Patienten. Genauigkeit und Sorgfalt sind deshalb unerlässlich. Diabetiker bilden eine wichtige Kundengruppe für orthopädische Schuhe und Einlagen. Sie brauchen spezielles Schuhwerk, da sie durch ihre Erkrankung oft kein Schmerzempfinden mehr in den Füßen haben. Deshalb spüren diese Patienten ihre Druckstellen nicht. Die Folge davon können offene Stellen und Entzündungen sein.

"Das ist auf jeden Fall ein Beruf mit Zukunft. Es gibt viel zu wenige Orthopädieschuhmacher und der Bedarf wächst. Jeder, der diesen Beruf lernt, wird ein gutes Geld verdienen."

Claus Gottwald, Orthopädischuhmachermeister

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Orthopädieschuhmacher/-in
  • Ausbildungsdauer: 3,5 Jahre
  • Prüfung: Handwerkskammern
  • Ausbildungsorte: In Sanitätshäusern, Reha-Einrichtungen und Schuhfachgeschäften und in der Berufsschule
  • Zugang: Voraussetzung ist ein qualifizierender Hauptschulabschluss. Der Großteil der Auszubildenden hat die mittlere Reife.
  • Eignung: Orthopädieschuhmacher fertigen hauptsächlich Maßschuhe und orthopädische Einlagen für Patienten mit Fußfehlstellungen oder schweren Verformungen. Auch arbeiten sie Schuhe für die Bedürfnisse ihrer Kunden um. Sie müssen handwerkliches Geschick und Einfühlungsvermögen mitbringen, da sie sowohl in der Werkstatt als auch am Patienten arbeiten.
  • Perspektiven: Orthopädieschuhmacher haben am Arbeitsmarkt gute Chancen. Die Arbeitslosenquote ist in diesem Job sehr gering. Sie können sich nach der Meisterprüfung selbstständig machen oder in eine Führungsposition aufsteigen.
  • Weiterbildung: Meister, Studium Technische Orthopädie an der Fachhochschule Münster

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Der Orthopädieschuhmacher muss genau und sorgfältig arbeiten. Trägt ein Patient Schuhe oder Einlagen, die nicht richtig sitzen, kann sich seine Fuß-Fehlstellung verschlechtern oder es bilden sich offene Stellen und Entzündungen.

Gefahr

Bei der Arbeit mit Werkzeugen und an Maschinen können sich Orthopädieschuhmacher leicht verletzen. Sie müssen sich der Gefahr bewusst sein und die Sicherheitsvorschriften einhalten.

Geschick

In der Werkstatt läuft nur wenig automatisch. Die Herstellung von orthopädischen Schuhen und Einlagen erfordert viel Handarbeit. Orthopädieschuhmacher müssen daher handwerkliches Geschick mitbringen.


11