ARD-alpha - Ich mach's!


7

Oberflächenbeschichter/-in Chemische Prozesse mit glänzendem Ergebnis

Ob Schrauben oder Hochhausfassaden, Platinen oder Fahrzeugkomponenten: Sie alle sind ständig Luft, Wasser oder Säuren ausgesetzt. Um die Teile zu schützen, überziehen sie Oberflächenbeschichter mit Hilfe verschiedener Verfahren. Ein Beruf für alle, die Spaß an Mathe, Chemie und Physik haben.

Stand: 05.02.2015

Das Becken ist etwa einen Meter breit und fast genauso lang. Auf den Grund schauen kann man nicht, denn eine dichte Schaumschicht bedeckt die Oberfläche. Die Flüssigkeit brodelt. "Bloß nicht reinlangen, das ist Schwefelsäure - die wirkt stark ätzend", warnt Florian Haum. Er zieht sich Handschuhe über, setzt eine Schutzbrille auf und taucht dann zwei Stangen in die Flüssigkeit. An den Stangen hat er mehrere Metallplatten befestigt, die der Kunde später in Maschinen einbauen wird. "Im Prinzip lassen wir die Platten in dem Becken oxidieren", erklärt der 20-Jährige. "Ich habe ja eben den Strom eingestellt. Dadurch wandert der Sauerstoff auf die Teilchen über und bildet eine kleine Schicht." Die schützt die Metallplatten vor Verschleiß und Korrosion und bewirkt außerdem, dass sie keinen Strom leiten.

Fit in Chemie und Physik

Florian hat vor einem halben Jahr seine Ausbildung bei AHC Oberflächentechnik in Heimstetten bei München begonnen. Wer diesen Beruf erlernen will, muss fit sein in Chemie und Physik und außerdem genau arbeiten. "Ich dokumentiere hier unter anderem, welchen Auftrag ich bearbeite, wie hoch die elektrische Spannung im Bad ist und wie lange die Teile drin bleiben", erklärt Florian. Nach 25 Minuten holt er die Platten heraus und spült die Schwefelsäure mit Wasser ab. Mit dem bloßen Auge ist keine Veränderung zu sehen. "Ich muss jetzt schauen, ob die Schicht genau so dick ist, wie sie der Kunde haben möchte." Er schaltet das Schichtdickenmessgerät ein und setzt die Sonde an mehreren Punkten der Metallplatte an. Das Gerät misst auf den tausendstel Millimeter genau. "29 Mikrometer, das passt", sagt Florian und schraubt die Platten von der Stange ab.

"Ich habe mich für diesen Beruf entschieden, weil man hier nie auslernt - selbst, wenn ich 20 Jahre hier arbeiten würde, würde ich trotzdem immer weiter dazu lernen. Außerdem arbeite ich gerne selbstständig und ich mag den Umgang mit Gefahrenstoffen, das macht mir Spaß."

Florian Haum (20), Auszubildender im 1. Lehrjahr

Die meisten Becken bei AHC werden vollautomatisch befüllt. Der Oberflächenbeschichter gibt den Auftrag in den Computer ein, überprüft die Parameter und justiert die Feinheiten. Dabei muss er immer den Überblick behalten.

Zusammenspiel der Chemikalien

Zu Florians Aufgaben gehört es außerdem, die Zusammensetzung der Bäder regelmäßig zu kontrollieren. "Das Zusammenspiel der Chemikalien muss hundertprozentig stimmen, sonst läuft die Reaktion nicht so ab wie sie sollte", erklärt er und nimmt mit einer Pipette eine Probe. Diese untersucht er im Labor. "Das ist ein bisschen wie zuhause mit dem Chemiebaukasten: Ich setze der Probe andere Stoffe zu und irgendwann muss die Farbe umschlagen. Und je nachdem, wie lange das dauert, muss ich an der Zusammensetzung des Bades etwas ändern - oder nicht."

Vorbehandlung im Tauchbecken

Bevor die Werkstücke beschichtet werden können, müssen sie vorbehandelt werden. "Das passiert in mehreren Schritten und damit in mehreren Becken", erklärt Jochen Mangstl. Der 23-Jährige hat vor drei Jahren seine Ausbildung bei Betz Chrom in Gräfelfing erfolgreich abgeschlossen und arbeitet hier nun als Schichtleiter. "Hier drin haben wir zum Beispiel eine alkalische Lösung. Die ist 60 Grad heiß und befreit die Teile von Schmutz und Öl." Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die Jochen da hat: "Wenn die Werkstücke nicht sorgfältig gereinigt und entfettet sind, haftet die eigentliche Schicht nicht richtig. Und das wäre fatal."

"An den permanenten Geräuschpegel, den die Absauganlage verursacht, gewöhnt man sich schnell. Viel schwieriger ist es, mit der Schichtarbeit klar zu kommen. Die kann deinen Körper ganz schön aus dem Rhythmus bringen. Vor allem nach der Nachtschicht ist es schwierig: Man kommt morgens um 7 Uhr nach Hause, draußen ist es schon hell - fast unmöglich, deinem Körper zu sagen, dass er jetzt schlafen soll."

Jochen Mangstl (23), Oberflächenbeschichter

Nach der Beschichtung müssen die Teile nachbehandelt werden - besonders wichtig, wenn sie zum Beispiel mit Chrom beschichtet wurden. "Der eigentliche Glanz entsteht erst beim Polieren", so Jochen. Er legt eine Kolbenstange auf den Tisch und misst an drei verschiedenen Stellen die Dicke der Chromschicht. "Damit ich nicht zu viel wegpoliere", erklärt er. Dann spannt er die Stange in die Maschine und gibt die Parameter ein. Wenig später ist die Stange fertig poliert - ein glänzendes Ergebnis.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Oberflächenbeschichter/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule. Dort findet der Unterricht oft in Blockform statt. Lehrlinge aus Süddeutschland werden in Nürnberg oder Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg) unterrichtet.
  • Zugang: Es ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen die Betriebe überwiegend Bewerber mit Mittlerer Reife ein.
  • Eignung: Technisches Verständnis und handwerkliches Geschick sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung. Oberflächenbeschichter müssen außerdem sorgfältig arbeiten und verantwortungsvoll mit Gefahrstoffen umgehen.
  • Wichtige Schulfächer: Wer in Mathematik, Chemie und Physik fit ist, bringt gute Voraussetzungen mit für eine erfolgreiche Ausbildung.
  • Perspektiven: Schichtleiter/-in, Meister/-in, Techniker/-in, Studium

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Info

Nach dem ersten Lehrjahr spezialisieren sich die Auszubildenden auf eine von insgesamt vier Beschichtungstechniken - in der Regel die gleiche, die auch ihr Ausbildungsbetrieb anwendet. Zur Auswahl stehen:

  • chemische und elektrochemische Metallabscheidung
  • Anodisationstechnik
  • Dünnschichttechnik
  • Feuerverzinken

Lärm

Oberflächenbeschichter arbeiten überwiegend in großen Hallen. Dort geht es meist laut und hektisch zu - und auch der ständige Geruch nach Chemikalien ist gewöhnungsbedürftig.

Verdienstmöglichkeiten

Auszubildende bekommen ein für die Industrie durchschnittliches Azubigehalt - im Schnitt zwischen 650 und 900 Euro brutto im Monat.

Arbeitszeiten

Während der Ausbildung haben die Lehrlinge normale Arbeitszeiten, vergleichbar mit denen eines Bürojobs. Nach der Ausbildung müssen sich die fertigen Oberflächenbeschichter allerdings meist umgewöhnen, denn viele Betriebe arbeiten in zwei oder sogar drei Schichten.


7