ARD-alpha - Ich mach's!


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Modenäher/-in Eintrittskarte in die Welt der Mode

In diesem Beruf dreht sich alles um Mode! Und um eine große Portion Genauigkeit - wer mit Längen- und Breitenangaben, Maßband und Lineal nicht viel anfangen kann, der ist hier falsch. Modenäher/-innen brauchen ein gutes Augenmaß, allerhand Geschick und gerade am Anfang jede Menge Geduld.

Stand: 29.01.2014

Vorsichtig legen Lorena Ollram und Christina Schelkunov eine Schicht auf die andere: Ganz unten Papier, damit nichts rutscht, dann den Stoff für ihre Bluse und oben drauf das Schnittbild. Über 20 verschiedene Teile müssen die Auszubildenden nun erst grob mit der Schere, dann exakt an der Maschine ausschneiden. Lorena und Christina absolvieren die Ausbildung zur Modenäherin bei Basler, einem deutschen Unternehmen für Damenoberbekleidung. Sie sind im zweiten Lehrjahr. Nach dem Ausschneiden geht's ans Nähband. Hier verbringen die Beiden den größten Teil ihres Arbeitstages. Da ist jede Menge Fingerspitzengefühl gefragt: Ist eine Naht schief, muss sie wieder aufgetrennt werden - der Beruf verlangt absolute Genauigkeit. Am Ende des Arbeitstages kommt dann der Lohn für ihre Mühe: Die Bluse ist fertig! Für die Auszubildenden ein tolles Gefühl!

"Der kreative Teil macht mir sehr viel Spaß, dass ich dann auch daheim was für mich machen kann und für Verwandte oder Freunde. So als Geschenk ist das immer schön. Und das ist das, was mir daran Spaß macht - zu sehen, ich habe etwas selbst gemacht. Und wenn ich dann die Bluse fertig genäht habe, dann freut mich das."

Lorena Ollram (20), 2. Lehrjahr

Abwechslung im Beruf

Der Reißverschluss fordert Eva Wesers absolute Konzentration: Mittig muss er sitzen, der Nahtbesatz muss sauber verarbeitet sein und die Länge muss natürlich absolut stimmen - sonst geht er schlecht auf und zu. Also sorgsam mit der Nähmaschine einen Stich nach dem anderen setzen, nur keine Eile. Sonst muss die Auszubildende beim Outdoor- und Skikleidungshersteller Schöffel wieder alles auftrennen. Da beim Vernähen der Teile winzige Löcher im Oberstoff entstehen, muss Eva die Nähte an einer weiteren Maschine versiegeln. Denn eine Outdoor-Jacke muss wasserdicht sein. Die Arbeit an verschiedenen Maschinen, die Abwechslung im Beruf - Eva näht Blusen, Jacken, Hosen - und das Gefühl, etwas selbst gemacht zu haben, schätzt Eva an ihrer Ausbildung am meisten. Deshalb hat sie sich dazu entschlossen, nach der Ausbildung zur Modenäherin ein drittes Lehrjahr dran zu hängen. Sie wird Modeschneiderin.

Weiterbildung zur Modeschneiderin

So wie Eva machen es die meisten fertigen Modenäher/-innen: Sie bilden sich weiter. Da mittlerweile fast alle deutschen Unternehmen ihre Serienproduktion ins Ausland verlegt haben, werden hier derzeit kaum Modenäher/-innen gesucht. Oft absolvieren fertig ausgebildete Modenäher/-innen daher im direkten Anschluss das dritte Lehrjahr zum/zur Modeschneider/-in und besuchen dann noch die Bekleidungsfachschule um Bekleidungstechniker zu lernen. In diesem Bereich suchen deutsche Unternehmen derzeit händeringend qualifizierte Kräfte.

Traum vom eigenen Atelier

Mit viel Ehrgeiz kann sich ein/eine Modenäher/-in auch den Traum vom eigenen Atelier erfüllen. Die 32-jährige Nicole Staab hat sich im hinteren Bereich eines Stoffgeschäfts eingerichtet und verkauft von dort aus ihre selbst entworfenen Kleider, Mützen, Schals und Stulpen. Außerdem gibt sie Nähkurse, die immer voll ausgebucht sind. Nicole Staab hat so ihr Hobby zum Beruf machen können. Den Grundstein dafür legte sie mit ihrer Ausbildung zur Modenäherin. Ein Beruf, der viele unterschiedliche Wege in die schillernde Welt der Mode bietet!

"Mir macht das einfach riesigen Spaß. Ich will, dass es perfekt passt und die ganzen Sachen, die man sonst so kauft, das passt halt oft nicht wirklich. Ich denke oft, das könnte auch viel besser sein. Auch die Qualität von den Stoffen, die lässt manchmal sehr zu wünschen übrig und wenn man die Stoffe selber aussucht, kann man da viel mehr drauf eingehen."

Nicole Staab, selbstständig

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Modenäher/-in
  • Ausbildungsdauer: 2 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule
  • Prüfung: Während der gesamten Ausbildung müssen die künftigen Modenäher/-innen regelmäßig Leistungsnachweise erbringen. In der Berufsschule werden z.B. Klassenarbeiten oder Tests geschrieben. Nach dem ersten Ausbildungsjahr erfolgt eine Zwischenprüfung, nach dem zweiten Ausbildungsjahr die Abschlussprüfung (IHK).
  • Ausbildungsorte: Betriebe der industriellen Bekleidungsfertigung, Hersteller von Heimtextilien
  • Zugang: Es ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. Überwiegend haben die Auszubildenden einen erfolgreichen Abschluss der Mittelschule.
  • Eignung: Handwerkliches, aber auch technisches Geschick sowie ein gutes Augenmaß sind Voraussetzung für den Beruf. Modenäher/-innen müssen zudem sehr genau sein und brauchen viel Geduld - stundenlanges Zuschneiden und immer wieder misslungene Nähte auftrennen gehört gerade am Anfang der Ausbildung dazu. Außerdem ist ein gewisses Interesse für Mode und Kreativität hilfreich.
  • Perspektiven: Da mittlerweile die meisten deutschen Unternehmen ihre Serienproduktion ins Ausland verlegt haben, werden derzeit kaum Modenäher/-innen gesucht. Oft absolvieren fertig ausgebildete Modenäher/-innen daher im direkten Anschluss das dritte Lehrjahr zum/zur Modeschneider/-in und bilden sich weiter.
  • Weiterbildung: Die Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Ausbildung sind groß: Modeschneider/-in (3. Lehrjahr), Meister/-in, Bekleidungstechniker/-in (Bekleidungsfachschule), Designstudium. Gerade nach Bekleidungstechnikern/-innen suchen viele Unternehmen derzeit händeringend.

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Genauigkeit ist für künftige Modenäher/-innen das A und O. Vorgegebene Schnittbilder müssen exakt auf Stoffe übertragen werden, Stoffe haargenau zugeschnitten und Einzelteile fehlerfrei zusammen genäht werden. Geht etwas schief, heißt es: Auftrennen und nochmal von vorne beginnen.

Gefahr

Besonders im Umgang mit der Zuschneidemaschine ist ein verantwortungsvoller Umgang wichtig. Das Messer ist so scharf, dass schon die kleinste Unaufmerksamkeit den Verlust eines Fingers bedeuten könnte. Deshalb gilt es hier verschiedene Sicherheitsvorschriften zu befolgen. Auch an der Nähmaschine müssen Modenäher auf ihre Finger aufpassen.

Kreativität

Modenäher/-innen sollten sich natürlich generell für Mode interessieren, ein gewisses Maß an Kreativität ist aber besonders wertvoll: Das können die Auszubildenden zuerst im Unterricht an der Berufsschule, dann aber auch im späteren Berufsleben positiv einfließen lassen - im Falle einer Selbstständigkeit sowieso!


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