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Milchwirtschaftliche/r Laborant/-in Alles erste Sahne

Milch hat viele Gesichter. Voll, fettarm oder mager. Quark, Joghurt, Käse oder Butter. Alles, was aus Milch gemacht wird, unterliegt der Kontrolle von milchwirtschaftlichen Laboranten.

Stand: 07.03.2014

Max streift sich das blaue Haarnetz über und geht in die Hygieneschleuse. Er wäscht sich sorgfältig die Hände und verreibt das Desinfektionsmittel. Jetzt darf er die Produktionshalle der Molkerei in Zapfendorf bei Bamberg betreten. In riesigen Edelstahlbehältern, Spezialmaschinen und Leitungssystemen wird hier Milch verarbeitet. Gerade läuft die so genannte "Quarkschicht".

"Wenn Kräuterquark produziert wird, dann kümmern wir uns darum, dass der Fettgehalt passt, dass der Geschmack richtig ist, dass der Quark richtig aussieht, dass er das richtige Mindesthaltbarkeitsdatum hat."

Max Konrad (16), 1. Lehrjahr

Wassergehalt in der Butter

Milchwirtschaftliche Laboranten tragen die Verantwortung dafür, dass die Milchprodukte das Werk in einwandfreiem Zustand verlassen. Ingrid Hübner überprüft gerade den Wassergehalt der Butter. Laut Gesetz darf der nicht über 16 Prozent liegen. Die Probe wird gewogen, erhitzt, abgekühlt und wieder gewogen. Dann kann Ingrid das Ergebnis ausrechnen. Wenn mal etwas nicht stimmt, muss sie handeln. Im Lager lässt sie die Palette zurückstellen und prüft erneut. Solange, bis sie den Fehler findet.

Während der Ausbildung lernen die angehenden Laboranten viel über Lebensmittel. Das ist interessant, denn schließlich geht es auch um die eigene tägliche Ernährung.

"Wenn man einkaufen geht, achtet man jetzt viel mehr auf manche Dinge. Zum Beispiel diese Light-Produkte - so etwas nehme ich nicht. Das Milchfett ist ein gutes Fett, das braucht der Körper."

Ingrid Hübner, Milchwirtschaftliche Laborantin

Marlies Neidl ist die Personalchefin des Unternehmens BMI, das hat 950 Mitarbeiter. Milchwirtschaftliche Laboranten sind hier sehr gefragt. Die Personalabteilung macht für diese Ausbildung sogar Werbung auf facebook.

"Ich sehe die Branche als sehr krisenfest. Essen müssen die Menschen immer. Milch ist ein Produkt, das lebt. Ich kann die Milch, die in Deutschland hergestellt wird, nicht nach China transportieren zum Verarbeiten. Wir werden hier immer milchverarbeitende Betriebe haben und auch brauchen."

Marlies Niedl, Personalleiterin BMI

Mit der Ausbildung zum Milchwirtschaftlichen Laboranten kann man überall in der Lebensmittelindustrie arbeiten. Ines Klatte (23) zum Beispiel lernt im zweiten Lehrjahr in einem fleischverarbeitenden Betrieb. Die Vielseitigkeit ihres Ausbildungsberufs hat sie überzeugt. Gerade besucht sie die überbetriebliche Ausbildung in Triesdorf.

Kenntnisse in Mathematik, Physik, Chemie und Biologie

Hier lernen die Auszubildenden die Grundlagen der Laborarbeit: Messverfahren, Proben präparieren und Ergebnisse analysieren. Sie brauchen Kenntnisse in Mathematik, Physik, Chemie und Biologie. Und neben der Theorie müssen Laboranten immer sorgfältig und genau sein. Sie brauchen eine gewisse Fingerfertigkeit. Mit zwei linken Händen kann im Labor einiges schief gehen.

Auch Theresa Bär weiß, dass man sich auf sie verlassen können muss. In der Privatmolkerei Bechtel überprüft sie die Werte von Schnittkäse. Die Ansprüche der Verbraucher sind hoch. Theresa garantiert, dass die Angaben auf dem Etikett stimmen. Und je strenger die Vorgaben, desto mehr Arbeit für die milchwirtschaftlichen Laboranten.

"Ich denke, die Molkereien werden immer größer, weil auch die Nachfrage im Export immer größer wird und dafür braucht man einfach mehr Fachkräfte."

Theresa Bär (18), 2. Lehrjahr

Milchwirtschaftliche Laboranten sind gesucht. Die Lebensmittelherstellung gilt als zukunftssichere Branche. Und im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen können sie gleich nach der Ausbildung gutes Geld verdienen.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Milchwirtschaftliche/r Laborant/ -in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsorte: Molkereien, Käsereien, Lebensmittelinstitute, Lehr- und Versuchsanstalten, Betriebe der Nahrungsmittelherstellung
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule
  • Zugang: Grundsätzlich braucht man für die Ausbildung zum/r Milchwirtschaftlichen Laboranten/ -in keine bestimmte schulische oder berufliche Voraussetzung. Die Betriebe nehmen Bewerber mit Hauptschulabschluss, einem mittleren Schulabschluss und Abitur.
  • Wichtige Schulfächer: Mathematik, Biologie, Chemie, Physik
  • Prüfungen: Es gibt eine Zwischenprüfung und eine Abschlussprüfung. Der Abschluss besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil. Der praktische Teil prüft den Umgang mit Labortechniken und die Anwendung von Analyse- und Untersuchungsverfahren. Zu zwei Aufgabenstellungen kommt jeweils ein Fachgespräch. Im schriftlichen Teil geht es um Laboruntersuchungen und Produkttechnologie, um Wirtschafts- und Sozialkunde.
  • Eignung: Die Laboranten müssen sehr genau und sorgfältig arbeiten. Sie tragen die Verantwortung dafür, dass jedes Päckchen Butter in einwandfreiem Zustand ausgeliefert wird. Wer Spaß an Präzision und Freude an der Herstellung von Lebensmitteln hat, der wird als Milchwirtschaftlicher Laborant sicher bald eine lohnende Aufgabe finden.
  • Karriere: Meister/-in, Techniker/-in, Studium

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Im Labor geht es oft um winzige Mengen: Auf der Waage entscheiden Milligramm. Die Ergebnisse werden mit mehreren Stellen hinter dem Komma dokumentiert. Da darf es keine Ungenauigkeiten und Zahlendreher geben. Das Unternehmen muss sich auf die Laborergebnisse absolut verlassen können. Gerade bei der Lebensmittelherstellung gelten strenge gesetzliche Vorgaben. Die Laboranten tragen die Verantwortung dafür, dass unser Essen in Ordnung ist.

Gefahr

In jedem Labor gibt es gefährliche Substanzen. Mit giftigen und ätzenden Flüssigkeiten muss sorgsam umgegangen werden.  Schwefelsäure, Benzin, Petroleum oder Äther können zu Verletzungen führen und giftige Dämpfe freisetzen. Neben dem Gebrauch einer  Schutzbrille und Handschuhen arbeiten milchwirtschaftliche Laboranten auch oft unter einem Luftabzug.

Kleidung

Hygiene ist das Wichtigste in der Lebensmittelherstellung. Wenn die Laboranten Proben aus der Produktion holen, tragen sie Schutzkleidung. Das sind zumeist weiße Laborhosen und -kittel, ein Haarnetz, manchmal auch Handschuhe. In den einzelnen Laboren gelten unterschiedliche Bekleidungsvorschriften.

Mathematik

Für die Arbeit im Labor brauchen die Auszubildenden gute Grundlagen in den Naturwissenschaften. Mathematik, Biologie, Chemie und Physik sind gefragt. Man muss kein Einstein sein, aber trotz Taschenrechner und Computer sollten grundlegende Berechnungen auch im Kopf stattfinden können.


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