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Assistent/-in für medizinische Gerätetechnik Lebensretter in zweiter Reihe

Assistenten und Assistentinnen für medizinische Gerätetechnik nehmen medizinische Geräte in Betrieb, warten und reparieren sie. Sie beraten medizinisches Fachpersonal, informieren über die Einsatzmöglichkeiten und Anwendung der Apparate und weisen in die sachgerechte Bedienung ein.

Stand: 11.10.2016

Der Lärm des Mobiltelefons reißt Patrick aus dem Schlaf. Es ist kurz nach drei Uhr in der Früh. Bereits zum zweiten Mal in dieser Nacht muss der 28-jährige in die Klinik. Patrick hat Bereitschaftsdienst. Er arbeitet als Assistent für medizinische Gerätetechnik bei der Firma Dräger im Klinikum Kassel. Eine Krankenschwester der Intensivstation hat die Nummer seines Bereitschaftshandys gewählt. Der Grund: Ein Überwachungsmonitor ist ausgefallen. Patrick muss ein Austauschgerät aus dem Lager holen und anschließen. Ein Krankenhausbetrieb läuft rund um die Uhr. Patrick und seine Kollegen müssen deshalb immer wieder auch nach Feierabend arbeiten. Die Servicetechniker in Patricks Gruppe übernehmen reihum die Rufbereitschaft. Immer für eine Woche. Manchmal sind die Nächte und Wochenenden ruhig. Manchmal müssen die Techniker mehrfach in der Nacht raus. Die Krankenschwestern rufen immer dann an, wenn das Reparieren fehlerhafter Geräte nicht bis zum nächsten Tag warten kann. Innerhalb einer halben Stunde muss Patrick vor Ort sein.

Mindestens mittlerer Schulabschluss

Assistenten für medizinische Gerätetechnik können im Krankenhaus arbeiten, aber auch in der Fertigung von Geräteherstellern und im medizinischen Fachhandel. Die Ausbildung zum Assistenten für medizinische Gerätetechnik findet im dreijährigen Vollzeitunterricht an Berufsfachschulen statt. Wer mit der Ausbildung beginnen will, benötigt mindestens einen mittleren Schulabschluss. Mit Abschluss der Ausbildung bekommen die Absolventen eine Doppelqualifikation mit: Neben dem staatlich anerkannten Berufsabschluss haben die Schüler zusätzlich die Fachhochschulreife in der Tasche. Wie bei schulischen Ausbildungen üblich, bekommen die Schüler keine Ausbildungsvergütung. Sie können aber - je nach finanzieller Situation - Leistungen nach BAFÖG beantragen.

Der Unterricht an staatlichen Schulen, etwa am Oberstufenzentrum Informations- und Medizintechnik in Berlin Neukölln, kostet nichts. Die Ausbildung wird auch an staatlich anerkannten Privatschulen angeboten. Dort können Kosten anfallen, etwa für Schulgeld, Aufnahme- und Prüfungsgebühr.

"Unsere Abnehmer sind heiß begehrt. Medizintechnik ist ja ein Bereich, der weltweit boomt. Die Menschen werden immer älter aber brauchen immer mehr Unterstützung und es gibt Bereiche auf der Welt wo sehr viel Geld auch vorhanden ist. Wenn ich da zum Beispiel an den Nahen Osten denke. Wir haben Absolventen die gehen nach Dubai, in die Emirate. Haben da sehr interessante Stellen. Europaweit aufgestellt. Die USA. Viele Hersteller kommen aus den USA da gibt es Möglichkeiten, wenn man gute Englischkenntnisse hat."

Claudia Holland, Abteilungsleiterin am Oberstufenzentrum Informations- und Medizintechnik, Berlin

Praxis nimmt im Lehrplan viel Raum ein. Kleingruppenarbeit wird bei der Ausbildung großgeschrieben. Denn im Job ist auch immer wieder Teamwork gefragt sein.

Gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Nach den ersten zwei Jahren an der Berufsfachschule stehen für die Auszubildenden ein ganzes Jahr lang Praktika auf dem Stundenplan. Assistenten für medizinische Gerätetechnik freuen sich seit Jahren über gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Auch Patrick hat sofort nach der Ausbildung einen Job bekommen. Er findet seine Arbeit nach wie vor toll. Auch wenn er ab und an Nachts raus muss. Besonders viel Spaß macht es Patrick, wenn er ein besonders altes Gerät reparieren muss. Dann heißt es erst einmal: in alten Handbüchern und beim Hersteller nach den richtigen Ersatzteilen recherchieren. Das sei, so Patrick, fast schon Detektivarbeit.

Den Tausch des Monitors auf der Intensivstation hat Patrick in wenigen Minuten erledigt. Erst am nächsten Tag wird er das defekte Teil reparieren. Jetzt fährt er erst mal wieder heim, um noch eine Mütze voll Schlaf zu nehmen. Ein bisschen müde ist er schon, den die nächtlichen Anrufe bringen seinen Rhythmus tüchtig durcheinander. Aber Patrick weiß, warum er seinen Beruf so mag: Er hilft mit, Leben zu retten.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Assistent/-in für medizinische Gerätetechnik
  • Ausbildungsdauer: Die Ausbildung dauert drei Jahre.
  • Ausbildungsform: Die Ausbildung ist landesrechtlich geregelt. Die Ausbildung findet in Vollzeitunterricht an Berufsfachschulen statt und führt zu einer Doppelqualifikation: Staatlich geprüfte/-r Assistent/-in (beruflicher Abschluss) und Fachhochschulreife bei mindestens ausreichenden Leistungen in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik bei abgeschlossener Berufsausbildung.
  • Prüfung: Die Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung besteht aus einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil. Schriftlich werden die Fächer medizinische Physik, medizinisches Basiswissen, medizinische Gerätetechnik und Mathematik geprüft. Die mündliche Prüfung kann beispielsweise in den Fächern Elektrotechnik / medizinische Elektronik, medizinisches Basiswissen und medizinische Gerätetechnik erfolgen. Der Bereich Kommunikationstechnik / technische Kommunikation und Dokumentation wird praktisch geführt.
  • Ausbildungsorte: Neben der Berufsfachschule (Unterricht im Klassenverband, schuleigene Werkstätten und Labore) findet die Ausbildung in Praktikumsbetrieben (z.B. Werkstätten von Herstellern medizinischer Geräte und Krankenhäusern) statt.
  • Zugang: Vorausgesetzt wird ein mittlerer Bildungsabschluss. Die Berufsfachschulen wählen Bewerber/-innen nach eigenen Kriterien aus. Dabei wird i.d.R. Wert auf gute Leistungen in Mathematik, den naturwissenschaftlichen Fächern, in Englisch und Deutsch gelegt.
  • Eignung: Wer sich für den Beruf interessiert, sollte folgende Fähigkeiten mitbringen: technisches Verständnis, handwerkliches Geschick, Verantwortungsbewusstsein und Kommunikationsbereitschaft.
  • Perspektiven: Nach ihrer Ausbildung arbeiten Assistenten und Assistentinnen für medizinische Gerätetechnik z.B. bei Herstellern für medizintechnische Geräte oder im medizinischen Fachhandel.
  • Alternativen: Job- und Besetzungsalternativen: Fachverkäufer/-in für Medizintechnik | Elektroniker/-in für Geräte und SystemeInformationselektroniker/-in | Systemelektroniker/-in

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Gefahr

Hygiene und Desinfektion spielen für Assistenten für medizinische Gerätetechnik eine wichtige Rolle im Arbeitsalltag. Sie kommen zwangläufig mit Gegenständen in Berührung, die an kranke Menschen angeschlossen waren.

Präzision

Assistentinnen und Assistenten für medizinische Gerätetechnik müssen sehr genau und präzise arbeiten. Beispielsweise müssen sich bei einem Monitor Krankenschwestern und Ärzte darauf verlassen können, dass die angezeigten Werte stimmen. Fehlerhafte Geräte könnten zu Fehldiagnosen führen.

Arbeitszeit

Ein Krankenhaus kennt keinen Feierabend. Assistentinnen und Assistenten für medizinische Gerätetechnik müssen deshalb je nach Einsatzort zeitlich sehr flexibel sein. Schichtarbeit und Rufbereitschaft sind üblich.


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