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Manufakturporzellanmaler/-in Auf den Millimeter genau gemalt

Teller mit Blüten dekorieren, Barockfiguren verzieren oder moderne Tierentwürfe mit Pinsel und Feder bemalen - das Aufgabenspektrum ist vielfältig und reizvoll. Aber es ist ein langer Weg dahin, der viel Geduld erfordert.

Stand: 24.03.2015

Die Ausbildung zum Manufakturporzellanmaler oder zur -malerin machen nur noch eine Handvoll junger Menschen in Deutschland. Nur wenige Traditionsbetriebe bilden aus. In Rudolstadt in Thüringen lernen Sarah und Lydia in der "Ältesten Volkstedter Porzellanmanufaktur". Streng nach Vorlage bemalen sie Geschirr, Vasen, Schalen oder Figuren. Die benötigten Farben mischen sie mit der Spachtel selbst an. Beim Farbauftrag verwenden sie verschiedene Techniken: Staffieren, Lasieren oder mit Farbe besprühen. Die Bemalung wird anschließend im Muffelofen eingebrannt, damit sich Farbe und Glasur dauerhaft verbinden.

Wertvolle Stücke auf Bestellung

Sarah bringt das Fachabitur Gestaltung mit und will nach der Facharbeiterprüfung studieren: Keramik und Glasdesign. Der Zugang zu dieser Berufsausbildung erfordert keinen bestimmten Schulabschluss. Allerdings müssen die Bewerber zeichnen können und im Betrieb eine Aufnahmeprüfung ablegen. Konzentration und Genauigkeit sind wichtig. In der Luft liegt oft der Geruch von Terpentin. Wer von Farbstaub und Lösungsmitteln Kopfweh bekommt, eignet sich eher nicht für diesen Job. Die Porzellanfirmen produzieren die wertvollen Stücke meist auf Bestellung. Sammler und Liebhaber aus Deutschland und vor allem auch aus dem Ausland kaufen die aufwändig hergestellten Porzellanfiguren: Filigran bemalte Barockdamen, Blumenschalen und Pferdekutschen zum Beispiel.

Zitate zum Beruf

Sarah Heber (22)

Alles hat seinen Reiz, sei es das Zeitgenössische oder auch das Barocke. Beim Barocken darf ich die feinen Sachen malen. Und beim Modernen kann man mal locker und flockig den Pinsel schwingen.

Lydia Grätz (19)

Die schwierigen Details sind die dünnen Linien, die Schattierungen, die in den Blumen drin sind. Wirklich extrem feine Arbeit. Und das ist nicht so einfach hinzukriegen, finde ich.

Lotte Schlör (21)

Bei den Figuren male ich das Meiste mit dem Pinsel, aber Kreise zum Beispiel gehen nicht so wahnsinnig gut mit dem Pinsel, die ziehe ich mit der Feder. Mitbringen muss man auf jeden Fall sehr viel Geduld. Der Anfang ist sehr hart, bis was Gescheites dabei herauskommt.

Melanie Frohnert (20)

Beim "Radieren" muss man immer auf die Vorlage, auf das Muster achten, damit das dann auch genau so aussieht. An den Fellflecken darf man nicht zu viel wegnehmen, denn das kann man nicht mehr richtig ausbessern.

Eileen Knibbe, Facharbeiterin

Die Linien müssen geradlinig sein, eindeutig, und auf gar keinen Fall verschmieren! Zittern ist eigentlich nicht angebracht. Pure Konzentration ist wichtig.

Mit spitzer Feder und feinem Pinsel

In der Porzellan Manufaktur Nymphenburg in München lernen Lotte und Melanie diesen seltenen Beruf. Lotte verziert eine moderne Tierfigur, einen Mops, mit abstrakten "Lebensblumen" in der Farbe Purpur. Ob spitze Feder und feine Pinsel: Sie weiß, welches Werkzeug sich für welches Muster am besten eignet. Zum Schluss setzt sie ihre Malernummer auf die Unterseite der vollendeten Figur.

Manufakturporzellanmaler: Ein ruhiger Job ohne Hektik und Maschinenlärm. Die Ausbildung dauert insgesamt dreieinhalb Jahre. Abiturienten oder Absolventen der mittleren Reife können ihren Facharbeiterabschluss schon früher erlangen. Die Vergütung während dieser anspruchsvollen Lehrzeit liegt im mittleren Bereich der Handwerksberufe.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Manufakturporzellanmaler/-in
  • Ausbildungsdauer: Dreieinhalb Jahre
  • Zugang: kein bestimmter Schulabschluss erforderlich
  • Ausbildungsform: dual (Betrieb und Berufsschule)
  • Eignung: zeichnerische Begabung und Geduld
  • Perspektiven: Abteilungsleiter/-in, Weiterbildung Produktdesigner/-in, Studium

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Die Auszubildenden setzen zarte Pinselstriche, das heißt „staffieren“. Korrigieren können sie die Staffage nur gleich, und zwar mit Goldverdünnung.

Kreativität

Manufakturporzellanmaler und -malerinnen sollen sich an die Vorlagen, an die Muster, halten. Doch bei der Wiedergabe kommt auch ihr persönlicher Stil zur Geltung.


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