ARD-alpha - Ich mach's!


7

Lebensmitteltechnischer Assistent/-in Kontrolle ist alles!

Qualitätssicherung, Produktentwicklung oder Produktion – durch ihr breites Wissen können lebensmitteltechnische Assistenten in den verschiedensten Abteilungen der Lebensmittelindustrie arbeiten. Doch egal, wofür sie sich nach der Ausbildung entscheiden: Eine große Verantwortung tragen sie alle!

Stand: 09.05.2016

Lukas Bensiek und seine Mitschüler greifen ordentlich zu, sie brauchen viel Spinat. Nicht zum Essen, sondern zum Färben. Grüne Nudeln stehen auf dem Stundenplan in der Großküche des Carl-Severing-Berufskollegs und das geht gut mit dem Gemüse, weil darin viel Chlorophyll enthalten ist.

Ein Gefühl für Lebensmittel

Lukas hackt den Spinat ganz fein. Mit dem scharfen Messer umzugehen hat er in den ersten Monaten seiner dreijährigen Ausbildung zum lebensmitteltechnischen Assistenten, kurz LTA, schon gelernt. Das Arbeiten mit Lebensmitteln macht ihm Spaß, die Zubereitung von Nudelteigen und Eierspeisen geht ihm mittlerweile leicht von der Hand und er hat auch schon mit verschiedenen Fleischsorten hantiert. Lukas weiß jetzt, wieviel Arbeit Kochen macht und schätzt es heute viel mehr, wenn seine Mutter ihm zuhause ein warmes Mittagessen serviert! Richtig kochen werden die künftigen LTA in ihrem Berufsalltag nicht, aber sie brauchen ein Gefühl für Lebensmittel. Deshalb heißt es in der Schule vor allem am Anfang der Ausbildung: Selber machen, schmecken, riechen und fühlen.

Sensorische Tests an Lebensmitteln

Wie wichtig ein guter Geruchs- und Geschmackssinn ist, stellt Eugen Schmidt jeden Tag aufs Neue fest. Er führt sensorische Tests an Lebensmitteln durch und kontrolliert, dass sie gut riechen und so schmecken, wie sie schmecken sollen. Vor drei Jahren hat er seine Ausbildung zum LTA abgeschlossen, seitdem arbeitet er in der Qualitätssicherung bei Dr. Oetker. Beim Untersuchen der frisch angelieferten Marzipandecken zum Verzieren von Kuchen führt er aber auch chemische Analysen durch. Dadurch kann er z.B. ausschließen, dass sich im Produkt ungesunde Bakterien befinden. Sorgfalt und Genauigkeit sind hier extrem wichtig, denn Eugen Schmidt entscheidet anhand seiner Proben, ob die Ware an die Supermärkte ausgeliefert werden darf oder nicht. Auch mit dem Zeitdruck muss er zurechtkommen: Viele Warenproben werden "just in time" ins Labor geliefert und müssen möglichst schnell weiter transportiert oder -verarbeitet werden. Da kann es schon mal passieren, dass Kollegen aus der Produktion oder der Logistik drängeln, weil sie auf Eugen Schmidt's Ergebnisse warten. Für ihn heißt das dann: Rasch arbeiten, aber auf keinen Fall weniger genau.

Aromen für die Lebensmittelindustrie

Elisabeth Nickel und Rebecca Kapteina-De Rosa haben da etwas mehr Zeit, die brauchen sie aber auch um sich zu 100 Prozent konzentrieren zu können. Die Beiden haben sich zu Flavoristinnen weitergebildet, drei Jahre lang. Jetzt entwickeln sie Aromen für die Lebensmittelindustrie. Elisabeth Nickel mischt ein Erdbeeraroma für Bonbons zusammen, aus ganz unterschiedlichen Komponenten. Probiert wird gemeinsam mit der Kollegin, denn zu zweit schmeckt und riecht es sich etwas leichter. Wenn sich die Flavoristinnen einig sind, werden im Haus die ersten Erdbeerbonbons gefertigt und wieder verkostet. Die Entwicklung eines solchen Produkts kann viel Zeit in Anspruch nehmen, aber die beiden Flavoristinnen wollen kein gutes, sondern ein perfektes Ergebnis. Der Lohn für ihre Mühen: Immer wieder auf dem Lebensmittelmarkt Produkte entdecken, deren Geschmack sie persönlich kreiert haben!

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Lebensmitteltechnische/r Assistent/-in, kurz LTA
  • Ausbildungsdauer: 2 Jahre, mit Erwerb der Fachhochschulreife 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Unterricht an der Berufsfachschule, währenddessen Betriebspraktika
  • Prüfung: Die Ausbildung endet mit einer Abschlussprüfung, die aus einem theoretischen und einem praktischen Teil besteht. 
  • Ausbildungsorte: Theorie und Praxis werden an den Berufsfachschulen erteilt. Während ihrer Praktika erhalten  die Schüler/-innen Einblicke in das Betriebsgeschehen, sammeln Erfahrungen in den berufstypischen Arbeitsmethoden und lernen verschiedene Ablaufmethoden zu verstehen.   
  • Zugang: Die Berufsfachschulen wählen Bewerber/-innen nach ihren eigenen Kriterien aus. Überwiegend haben die Schüler/-innen einen mittleren Bildungsabschluss. Manche Schulen erheben Schulgeld.
  • Eignung: Bewerber/-innen sollten ein naturwissenschaftliches Grundverständnis haben und gerne sorgfältig und genau arbeiten. Für den Umgang mit Lebensmitteln wird außerdem großes  Verantwortungsbewusstsein erwartet.
  • Perspektiven: LTA arbeiten in Labors, Kühlhäusern und Produktionshallen industrieller Betriebe. Aufgrund ihrer verschiedenen Kenntnisse können sie in verschiedenen Abteilungen arbeiten, z.B. in der Qualitätsentwicklung oder der Qualitätssicherung. Weiterbildungen zum/-r Flavoristen/-in oder Techniker/-in sind möglich, ebenso das Studium der Lebensmitteltechnologie.    
  • Alternativen: Biologisch-technische/-r Assistent/-in, Biologielaborant/-in, Milchwirtschaftliche/-r Laborant/-in


Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geschick

Ob in der Schul-Küche oder Backstube während der Ausbildung oder später im Chemielabor eines Betriebes: Geschick und Fingerspitzengefühl sind für LTA's sehr wichtig. Ein Tropfen zu viel oder zu wenig kann entscheidend sein und bei der Arbeit mit Lebensmittelproben muss oft bis aufs letzte Gramm genau gearbeitet werden.

Kleidung

Ein sauberer, weißer Kittel ist Pflicht im Labor. Wer LTA werden möchte, darf nicht davon ausgehen während der Arbeitszeit trendige Outfits tragen zu können. Feste und bequeme Schuhe sind beim vielen Arbeiten im Stehen auch geeigneter als High Heels!

Gefahr

Beim täglichen Hantieren mit Chemikalien, z.B. mit Salzsäure, kann schon mal etwas umfallen oder spritzen. Damit auf keinen Fall etwas davon ins Auge geht, tragen LTA während ihrer Arbeitszeit Schutzbrille und Handschuhe. Im Labor geht es schließlich nicht in erster Linie um die Schönheit, sondern um die Gesundheit!


7