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Tierwirt/-in (Fachrichtung Imkerei) Am Honigtopf

Honigbienen gehören zu den ältesten Nutztieren der Menschheit. Ein einzelnes Volk setzt sich aus 40. bis 60.000 Tieren zusammen. Tierwirte und Tierwirtinnen der Fachrichtung Imkerei betreuen und vermehren Bienenvölker, gewinnen und vermarkten Honig und Wachs.

Stand: 17.10.2013

Der Wecker klingt schon um fünf Uhr in der Früh. Eine Tasse Tee und ein Brot und Marius fährt los. Ein langer Tag liegt vor dem 26-Jährigen. Marius will Berufsimker werden. Er ist im dritten Lehrjahr und steht kurz vor den Abschlussprüfungen. Sobald er die bestanden hat, darf er sich Tierwirt - Fachrichtung Imkerei nennen. Zusammen mit Meister Egbert Roth betreut Marius die vielen Bienenvölker der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim. Berufsimker arbeiten hauptsächlich in Groß-Imkereien und als selbstständige Imker. Manche spezialisieren sich auf Königinnenzucht und Bestäubungsbetriebe. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Die einzige Berufsschule für Berufsimker liegt in Celle. Im Blockunterricht drücken die Lehrlinge überwiegend in den Wintermonaten die Schulbank.

Holz- und Schlosserarbeiten gehören zur Ausbildung dazu

Vor seiner Imkerlehre hat Marius eine Ausbildung zum Diät-Assistenten gemacht. Aber irgendwie lag ihm das nicht. Er suchte nach einem Job mit mehr Abwechslung; bei dem er etwas mit den Händen machen kann. Imker! Marius hat nicht nur mit Biene zu tun. Holz- und Schlosserarbeiten muss er ebenso drauf haben.

"Wir haben sehr viele Sachen, die wir nebenbei noch machen müssen. Manchmal sind es Schreinerarbeiten, also etwa Beuten bauen. Neben den vielen Holzarbeiten müssen wir auch kleine Metallarbeiten erledigen. Wir müssen mit einer Feile gut umgehen können, vielleicht müssen wir auch mal etwas schweißen. Vieles davon lernen wir in der überbetrieblichen Ausbildung. Ich finde es klasse, dass mein Beruf so vielfältig ist."

Marius Jordan (26), 3. Lehrjahr

Figuren und Kerzen aus Bienenwachs

Honigernte

Heuer kümmert sich Marius zum ersten Mal allein um die Honigernte. Meister Roth guckt ihm dabei nur über die Schulter. Er will sehen, ob sein Schützling fit für die Prüfung ist. Marius hat alles im Griff. Um an den Honig zu kommen, entfernt er den Wachsdeckel mit dem die Bienen die Waben verschlossen haben. Bienenwachs ist kostbar. In den Wintermonaten fertigt Marius zusammen mit Meister Roth daraus Wachskerzen und gießt kleine Figuren. Der Renner auf den Weihnachtsmärkten. Jetzt aber interessiert sich Marius erst einmal für den Honig. In den Waben eines einzelnen Rähmchens lagern ungefähr zwei Kilogramm davon. Dafür haben die Bienen Nektar aus sechs bis zehn Millionen Blüten in ihren Honigmagen gesaugt. Der Nektar wurde im Stock von den Bienen zu Honig umgewandelt - als Futterreserve. Diese tauschen die Imker gegen Zuckersirup aus. So sind Bienen und Imker zufrieden. In der Zentrifuge schleudert Marius den Honig aus den Waben heraus. Zu lange und zu schnell darf Marius die Zentrifuge nicht einstellen, sonst landet Wachs im Honig. Außerdem muss er sehr sauber arbeiten, um den Honig nicht zu verunreinigen. Berufsimker - das hört sich nach einem geruhsamen Job an. Doch das täuscht. In der Saison sind die Arbeitstage oft lang, manchmal stressig.

Betriebe mit 2.000 Bienenvölkern

In der Zentrifuge wird der Honig aus den Waben herausgeschleudert.

Berufsimker haben oft direkt mit ihren Kunden zu tun. Reden und vermarkten gehört zum Geschäft. Das ist ähnlich wie bei Winzern. Marius liebt das Arbeiten in der Natur. Als Imker lernt er genau hinzuschauen, was um was ihm herum passiert und wie seine Bienen auf Wind, Wetter und Jahreszeit reagieren. Nach der Ausbildung will er sich selbstständig machen. Vielleicht aber geht er vorher noch ein, zwei Jahre nach Australien oder Neuseeland. Dort gibt es riesige Betriebe mit 2.000 Völkern und mehr. Dank der qualifizierten Ausbildung haben deutsche Imker im Ausland gute Chancen eine Stelle zu bekommen. Marius hat seine Traumjob gefunden: Tierwirt Fachrichtung Imkerei - der richtige Beruf für jemanden, der anpacken kann und der Lust hat in der Natur und mit Tieren zu arbeiten.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Tierwirt/Tierwirtin - Fachrichtung Imkerei
  • Ausbildungsdauer: Die Ausbildung dauert drei Jahre. Im Einzelfall kann die Lehrzeit verkürzt werden.
  • Ausbildungsform: Die Ausbildung ist bundesweit geregelt. Sie wird in der Landwirtschaft angeboten.  
  • Prüfung: Im praktischen Teil der Abschlussprüfung müssen die Auszubildenden in bis zu sieben Stunden drei Aufgaben aus den Bereichen "Arbeiten am Bienenvolk, Honigernte, Fertigstellung des Produkts und Instandhalten von Betriebsmitteln" durchführen. Der schriftliche Teil umfasst Aufgaben aus den Bereichen "Betriebsorganisation, Betriebslehre, Völkerführung, Königinnenzucht und Leistungsprüfung sowie Wirtschafts- und Sozialkunde.
  • Ausbildungsorte: Tierwirte und Tierwirtinnen der Fachrichtung Imkerei werden im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule ausgebildet. Überwiegend absolvieren Auszubildende ihre Ausbildung in Imkereien. Der Berufsschulunterricht findet zum Teil in Blockform in Fachklassen zentral an der Berufsschule Celle (Niedersachsen) statt.
  • Zugang: Grundsätzlich ist keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung vorgeschrieben.
  • Eignung: Berufsimker/innen sollten sorgfältig arbeiten und naturwissenschaftlich interessiert sein. Handwerkliches Geschick und technisches Verständnis sind wichtig.
  • Perspektiven: Beschäftigung finden Tierwirte und Tierwirtinnen der Fachrichtung Imkerei in Imkereien, zum Teil in Kombination mit anderen Betriebszweigen. Darüber hinaus können sie z.B. in Landesanstalten für Bienenzucht, an Bienenforschungsinstituten oder bei Imkergenossenschaften beschäftigt sein.
  • Alternativen: Landwirt/-in, Tierwirt/-in Fachrichtungen: Geflügelhaltung, Rinderhaltung, Schäferei und Schweinehaltung, Fischwirt/in

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Gefahr

Der eine oder andere Stich bleibt dennoch nicht aus. Wer mit Bienen zu tun hat, sollte unbedingt einen Allergietest beim Arzt machen, denn im Einzelfall kann Bienengift schwere allergische Schocks auslösen. Rund zwanzig Menschen sterben jährlich am Stich von Bienen oder Wespen.

Geschick

Imker brauchen eine gute Portion Fingerspitzengefühl. Zum Beispiel beim Markieren von Königinnen. Die wertvollen Tiere fängt der Imker mit der Hand, hält sie mit Daumen und Zeigefinger fest, träufelt einen Tropfen Schellack auf ihren Rücken und klebt ein farbiges Plättchen auf. Jeder Farbe steht für das Geburtsjahr der Königin. Rot bedeutet geschlüpft 2013, grün 2014, blau 2015 und weiß 2016. Dann geht es wieder mit rot weiter.


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