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Beamter/Beamtin im mittleren Zolldienst Schmugglern auf der Spur

"Haben Sie etwas zu verzollen?" Wer schon mal in eine Kontrolle am Flughafen kam, kennt diese Frage. Im Ankunftsbereich überprüfen Zöllner die Passagiere stichprobenartig auf verbotene Mitbringsel, wie artengeschützte Tiere oder gefälschte Markenwaren. Die Beamten arbeiten aber nicht nur an Flughäfen. Die Einsatzgebiete für Zöllner im mittleren Dienst sind vielseitig.

Stand: 29.08.2013

Ob Weltenbummler, Familien oder Geschäftsreisende, Linda Pirzl begegnet bei ihrer Arbeit am Münchener Flughafen den unterschiedlichsten Menschen. Die 19-Jährige arbeitet als Zollbeamtin im mittleren Dienst in der Reisendenabfertigung. Sie kontrolliert Passagiere, die gerade in München gelandet sind. Die Fluggäste wollen nach ihrer Reise den Flughafen schnell verlassen, und eine Zollkontrolle kostet sie Zeit und Nerven. Linda darf das nicht aus der Ruhe bringen. Sie begegnet den Reisenden deshalb freundlich, aber auch bestimmt. Die 19-Jährige muss nicht nur mit Menschen umgehen können, sondern sich auch gut mit den Einfuhrbestimmungen auskennen. Genauigkeit ist bei der Arbeit wichtig, denn im Gepäck von Reisenden können sich Einkäufe über der erlaubten Menge verbergen, ebenso wie artengeschützte Tiere oder sogar Drogen, die auf Anhieb gar nicht leicht zu finden sind.

"Es kommen Urlauber, aber auch viele Geschäftsreisende. Es ist immer spannend, weil man nie weiß, wen man vor sich hat. Es kann auch ein Anwalt sein, und da muss ich rechtlich einfach fit sein."

Linda Pirzl (19), Zollbeamtin Reisendenabfertigung

Alles unter Kontrolle

Auch Jessica Winkler kann bei ihrer Arbeit auf illegale Waren stoßen. Die Zöllnerin hat vor drei Jahren ihre Ausbildung abgeschlossen und bearbeitet seitdem Postsendungen aus Übersee. Nicht alle Päckchen können direkt zugestellt werden. Manche übergibt Jessica den Empfängern erst in der Postabfertigung des Münchener Hauptzollamtes. Vorher muss sie den Inhalt der Päckchen sorgfältig kontrollieren und die Einfuhrgebühren erheben. Die 20-jährige Doris hat im vergangenen Jahr ihre Ausbildung begonnen. Nun ist sie als Anwärterin - so heißen die Auszubildenden beim Zoll - beim Hauptzollamt Schweinfurt im Einsatz. Sie begleitet ihre erfahrenen Kollegen bei Kontrollen im Straßenverkehr und in Unternehmen. Dabei lernt sie unter anderem, wie Steuerprüfungen und Kraftstoffkontrollen ablaufen.

Paragraphen wälzen

Für ihre theoretische Ausbildung besuchen die Anwärter die Bildungs- und Wissenschaftszentren in Sigmaringen/Baden-Württemberg und im brandenburgischen Plessow. Während der mehrwöchigen Lehrgänge teilen sie sich zu zweit ein Zimmer auf dem Campus. Der Unterricht für die Anwärter zum Beamten im mittleren Dienst besteht nicht nur aus rechtlichen Grundlagen, sondern auch aus praktischen Kursen. Ob "Eigensicherung und Bewaffnung" oder "Handlungs- und Verhaltenstraining": Für die Schulungen zur Selbstverteidigung und die Übungen mit der Dienstwaffe sollten die Anwärter sportlich sein.

"Wir müssen auch auf Situationen vorbereitet sein, in denen jemand Widerstand leistet."

Julian Schneider (19), Anwärter

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Beamter/Beamtin im mittleren Zolldienst
  • Ausbildungsdauer: 2 Jahre
  • Prüfung: Laufbahnprüfung im Bildungs- und Wissenschaftszentrum
  • Ausbildungsorte: Ausbildungshauptzollamt, Bildungs- und Wissenschaftszentrum in Plessow oder Sigmaringen
  • Zugang: Die meisten Anwärter für den mittleren Zolldienst haben mittlere Reife. Der Zoll stellt aber auch Bewerber mit qualifizierendem Hauptschulabschluss und einer abgeschlossenen verwaltungsnahen Ausbildung ein.
  • Eignung: Beamte im mittleren Zolldienst sind in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig. Manche arbeiten nach der Ausbildung als Sachbearbeiter und sitzen die meiste Zeit am Schreibtisch. Andere haben sehr abwechslungsreiche Einsatzgebiete, wie z. B. in der Reisendenabfertigung am Flughafen oder bei mobilen Kontrolleinheiten im Außendienst. Zöllner haben meist viel mit Menschen zu tun und sollten sich deshalb nicht scheuen, auf andere zuzugehen. Die Beamten treffen im Alltag auch auf Kriminelle. In schwierigen Situationen müssen sie selbstbewusst auftreten und Ruhe bewahren. Manche Zollbeamte arbeiten im Schichtdienst. Nach ihrer Ausbildung können sie bundesweit versetzt werden, müssen also flexibel sein.
  • Perspektiven: Spezialisierung durch Weiterbildungen, Aufstieg in den gehobenen Zolldienst
  • Weiterbildung: Zollintern, je nach Einsatzbereich

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Zollbeamte sind Ordnungshüter. Wenn sie das Gepäck von Urlaubern kontrollieren, müssen sie sorgfältig arbeiten und genau wissen, welche Waren erlaubt sind und welche nicht. Gleiches gilt auch in anderen Einsatzbereichen beim Zoll.

Team

Zollbeamte müssen häufig im Team zusammenarbeiten. In Gefahrensituationen müssen sie gut auf einander eingespielt sein. Bei Angriffen muss ein Zollbeamter ruhig reagieren und sich und seine Kollegen schützen können.

Gefahr

Bei Kontrollen kann es auch mal gefährlich werden. Wenn ein Zöllner fremde Personen anspricht, weiß er nie, wie das Gegenüber reagiert. Durch Verhaltenstrainings und Unterricht in Selbstverteidigung werden die Zollanwärter schon in der Ausbildung auf solche Situationen vorbereitet.


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