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Zimmerer/Zimmerin Mit Herz, Hand und Verstand

Ein Beruf mit großer Tradition, aber auch mit Hightech - das ist der Zimmerer. Wer diesen Beruf lernt, macht mehr als Dachstühle zu zimmern.

Stand: 06.02.2014

Zimmerer ist ein Job für Menschen, die auf dem Bau hoch hinaus wollen. Das Berufsbildungsgesetz und die Handwerksordnung regeln die dreijährige Ausbildung, die auch Industriebetriebe anbieten. Eine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung wird dabei nicht vorausgesetzt. Die Handwerksbetriebe stellen überwiegend Bewerber mit Hauptschulabschluss ein. Bei Lehrstellen in der Industrie besitzen die meisten Lehrlinge die mittlerer Reife. Der Besuch der Berufsschule ergänzt die Ausbildung in den Betrieben.

Schule statt Baustelle

Dachstuhl wird gezimmert

In einigen Bundesländern, in Bayern etwa, heißt es für die Lehrlinge im ersten Jahr: Schule statt Baustelle. In einem Berufsgrundbildungjahr lernen sie möglichst viel Theorie. Erst dann kommt die Praxis in ihren Ausbildungsbetrieben. Wichtige Ausbildungsinhalte: Bearbeiten von Holz, Herstellen von Holzkonstruktionen, Konstruktiver Holzschutz, Dämmen und Isolieren. Ein Schnupperpraktikum vor Antritt der Lehre lohnt sich. Der Bewerber kann dann besser einschätzen, ob ihm die Schwerpunkte des Ausbildungsbetriebs liegen. Denn viele Zimmereien haben sich spezialisiert. Etwa auf Renovierungsarbeiten, auf Isolieren und Dämmen oder auf Holz im Garten. Der Beruf ist vielfältig. Oft führen die Zimmerer auch Gewerke verwandter Berufe aus: Dachdecken. Aufbauen von Solaranlagen. Flaschnerarbeiten. Der Beruf ist so abwechselungsreich wie kein anderer auf dem Bau.

Lust auf Holz

Mann haut Nagel ins Holz

Diese Fähigkeiten sind gefragt: räumliches Vorstellungsvermögen, handwerkliches Geschick, Geschick im Umgang mit Maschinen und Körperbeherrschung. Daneben müssen Zimmerer auch mathematisches Verständnis mitbringen: Schließlich berechnen sie täglich Werkstückmaße, Materialkosten und Materialbedarf. Auch Bauphysik darf einem Zimmermann nicht völlig fremd sein: Die Arbeit der Zimmerer geht längst über das Verbinden von Holz hinaus. Energieeffizienz. Winddichtigkeit. Schallbrücken - solche Themen gehören zum Arbeitsalltag. Die wichtigste Voraussetzung aber, um ein guter Zimmermann zu werden bleibt die Lust, kreativ mit Holz zu arbeiten.

"Ich habe es noch nicht erlebt, dass der Beruf als Zimmerer gar keinen Spaß macht. Manchmal ist es staubig und dreckig. Aber das ist überall so. Manchmal macht es mehr Spaß, manchmal weniger - aber gar keinen Spaß? Das ist mir noch nicht passiert."

Ingo Plume, Zimmerer

Frauen entscheiden sich selten für den Beruf. Gründe gibt es viele: Die Zimmerleute heben oft schwer und müssen kräftig zupacken. Die großen Handkreissägen beispielsweise wiegen auch schon mal mehr als 20 Kilogramm. Auch bei angestellten Zimmerern ist es meist üblich, dass jeder mit seinem eigenen Werkzeug arbeitet: Stechbeitel, Hammer und Axt werden äußerst ungern an Kollegen verliehen. Nur die großen Maschinen nutzt das ganze Team gemeinsam.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Zimmerer / Zimmerin
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Dreistufige Ausbildung im Betrieb, an der Berufsschule und in der überbetrieblichen Ausbildung der Innung. Unter anderem in Bayern absolviert der Lehrling sein erstes Ausbildungsjahr als schulisches Berufsgrundbildungsjahr
  • Prüfung: Bei der Handwerkskammer oder der Industrie- und Handelskammer (die mit Abstand meisten Zimmerer werden im Handwerk ausgebildet)
  • Ausbildungsorte: Handwerks- und Industriebetriebe der Bauwirtschaft.
  • Zugang: Offiziell vorgeschrieben ist kein bestimmter Schulabschluss - die Unternehmen suchen aber meist Bewerber mit gutem Qualifiziertem Hauptschulabschluss und mittlerer Reife.
  • Eignung: Bewerber sollten ein gutes optisches Gefühl, räumliches Vorstellungsvermögen und mathematische Kenntnisse mitbringen; außerdem sollten sie sorgfältig und genau arbeiten und körperlich belastbar sein.
  • Perspektiven: Zimmerer und Zimmerinnen können sich spezialisieren etwa auf Fertighausmontage, Bauzimmerer und Bühnenzimmerer bei Oper und Theater. Weiterbildungsmöglichkeiten: Vorarbeiter/in, Werkpolier/in, Techniker/in, Meister/in, (bei den Zimmerern gilt nach wie vor der Meisterzwang für Selbstständige), Weiterbildung zum Bautechniker, Studium zum Ingenieur.
  • Alternativen: Im Bereich Holzbearbeitung: Tischler/in, Holzbearbeitungsmechaniker/in, Parkettleger/in, Holzmechaniker/in; im Bereich Ausbau und Bauausstattung: Dachdecker/in, Fassadenmonteur/in, Trockenbaumonteur/in, Stuckateur/in, Fliese-, Platten-, Mosaiklegerin, Estrichleger/in, Möbelhandel und -transport, Holzverarbeitung, Bootsbau, Leichtflugzeugbau, Holzmechaniker, Formen- und Modellbau, Ausbau

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Verdienstmöglichkeiten

Zimmerer-Lehrlinge werden sehr gut bezahlt: 1120 Euro (West) bzw. 864 Euro (Ost) gibt es im dritten Lehrjahr nach Tarif.

Mathematik

Als Zimmerin oder Zimmerer muss man kein Mathe-Genie sein, aber die Grundrechenarten beherrschen, um Maße, Materialkosten und Materialbedarf berechnen zu können.

Kraft

Als klassischer Bauberuf leisten Zimmerer schwere körperliche Arbeit.

Gefahrenpotenzial

Zimmerer sind in großen Höhen und auf Gerüsten unterwegs und haben es mit schweren Balken und scharfen Werkzeugen zu tun. Umsicht, Schwindelfreiheit und ein sicherer Tritt sind deshalb Grundvoraussetzung.

Teamarbeit

Beim Bau schafft man Hand in Hand: Zimmerer sind auf die Arbeit von Kranführern, Maurern oder Bauleitern angewiesen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl auf dem Bau macht viele körperliche Strapazen wett.


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