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Zahntechniker/-in Strahlendes Lächeln für Jedermann

Vorwiegend in Handarbeit stellen Zahntechniker festsitzende Kronen, Brücken, Implantate, Inlays oder herausnehmbare Teil- und Vollprothesen her. Das verlangt vom Zahntechniker viel handwerkliches Geschick und künstlerische Gestaltung.

Stand: 03.02.2015

Für den Zahnarzt ist es tägliche Routine: Patienten brauchen neue Zähne. Die Eigenen sind abgestorben, heraus gebrochen oder heraus geschlagen. Mit Silikon-Masse fertigt der Zahnarzt noch einen Abdruck von der individuellen Gebiss-Situation. Und dann schlägt die Stunde des Zahntechnikers. Er soll wieder für ein Strahlendes Lächeln im Mund der Patienten sorgen.

Modell aus Hartgips

Modell aus Hartgips

Die 20-jährige Magdalena Thuy hat vor kurzem eine Lehre zur Zahntechnikerin begonnen. Sie arbeitet derzeit im so genannten Gipsraum. Hier nimmt sie die frischen Silikon-Abdrücke aus den Zahnarztpraxen entgegen, mischt schon mit einiger Übung frischen Hartgips an und fertigt in kurzer Zeit ein positives Modell vom Patientengebiss. Handwerklich geschickt muss sie schon sein, um den Gips ohne störende Blasen in die Abdruckmasse hineinlaufen zu lassen. Und sie muss ein Gefühl dafür entwickeln, wann ihr Material besonders gut zu bearbeiten ist: nicht zu flüssig und nicht zu fest soll es sein. Schließlich ist das Modell fertig: die Grundlage für alle weiteren Arbeiten im Dentallabor.

Ruhe und Konzentration

Arbeiten im Dental-Labor

Ein paar Arbeitsplätze weiter sitzt Eva Rettner, Auszubildende im 2. Lehrjahr. Sie hat ein Modell aus feuerfester Masse vom Gebiss eines anderen Patienten vor sich. Mit Wachs formt sie darauf die Halterung für eine herausnehmbare Teilprothese. Ein Arbeitsschritt von zehn verschiedenen: Vom Gipsmodell einen weiteren Silikonabdruck anfertigen, dann damit wieder ein Gebissmodell aus nun feuerfestem Material herstellen, mit Wachs darauf die Form der Halterung modellieren, Gusskanäle und Gusstrichter anlegen, weitere Vorbereitungen aus feuerfester Masse für den anschließenden Brennvorgang treffen, Metall einfüllen, den Halterungs-Rohling abschleifen und polieren. Schließlich noch die künstlichen Zähne mit der Halterung verbinden und die ganze Prothese schließlich überarbeiten, bis sie perfekt ist. Für all diese Vorgänge hat sie jetzt noch viel Zeit und sie bearbeitet jeden Schritt mit viel Ruhe und Konzentration.Das ist nicht immer leicht, denn im Hintergrund herrscht ein hoher Lärmpegel. Die Kollegen schleifen und polieren mit schnell drehenden Handgeräten. Dazu kommen die Gerüche von Chemikalien und heißen Metallen und Kunststoffen. Irgendwie riecht es wie beim Zahnarzt.

Noch überwiegt die Handarbeit

Einige routinierte Zahntechniker bauen hier im Labor Unterkonstruktionen aus Titan für herausnehmbare Vollprothesen, andere verblenden Kunststoffzähne mit Farbe. Noch überwiegt die Handarbeit. Doch der Zahntechnikermeister Rainer Gar erklärt Maria Braschoß, Auszubildende im 3. Lehrjahr, wie die Zukunft des Berufes wohl einmal aussehen wird. Dann ersetzen Computer, Scanner und automatische Fräsmaschinen die Handarbeit der Zahntechniker. Doch die 19-Jährige ist ganz zuversichtlich: Zahntechniker wird man wohl immer benötigen. Und da könnte sie recht haben: denn unsere Gesellschaft wird immer älter und die Senioren brauchen nun einmal häufig dritte Zähne.

"Ein Zahntechniker wird nie aus der Mode kommen, Zahnersatz ist immer individuell auf den Patienten anzufertigen, und da braucht man immer einen Zahntechniker."

Maria Braschoß, Auszubildende

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Zahntechniker/-in
  • Ausbildungsdauer: Dreieinhalb Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule.
  • Prüfung: Duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule
  • Ausbildungsorte: Selbstständiges Zahnlabor, Zahnarztpraxis mit angeschlossenem Labor, Zahnklinik, Berufsschule
  • Zugang: Nach dem Berufsbildungsgesetz ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben, Betriebe verlangen aber oft Mittlere Reife.
  • Eignung: Handwerkliches Geschick, Genauigkeit bei der Arbeit, Kenntnisse im technischen Werken, Physikverständnis, um Verarbeitungsprozesse zu verstehen.
  • Perspektiven: Beschäftigungsmöglichkeiten finden Zahntechniker vor allem in Dentallabors, darüber hinaus arbeiten sie auch in Labors von  Zahnarztpraxen oder in Zahnkliniken. Wer sich selbstständig machen möchte, kann einen eigenen Betrieb eröffnen. Oder bei Eignung auch ohne Hochschulreife ein Studium der Zahnmedizin anstreben (Hessen).
  • Alternativen: Auf Grund ähnlicher Ausbildungs- und Tätigkeitsinhalte bestehen Jobalternativen in der Edelmetallbearbeitung (Gold- und Silberschmied), Keramikverarbeitung, im Bereich der Medizintechnik und der Feinwerktechnik (Uhrmacher).

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Das Berechnen von Materialbedarf oder des Mischungsverhältnisses von Stoffen, aber auch das Einhalten von Brennzeiten in den Öfen - Genauigkeit ist bei allen Arbeitsschritten gefragt. Sonst ist schnell langwierige Vorarbeit zerstört. Gerade beim Zahnersatz kommt es auf Millimeter genau Anpassung an. Und nur mit exakt passender Prothese wird sich der Patient lange mit seinen dritten Zähnen im Mund auch wohl fühlen.

Geschick

Zahntechniker müssen Werkstücke äußerst präzise manuell und maschinell bearbeiten. Daher kommen sie in dieser Ausbildung ohne handwerkliches Geschick nicht aus. Eine wichtige Voraussetzung sind daher Kenntnisse im technischen Werken.

Gefahr

Bunsenbrenner mit 800 Grad heißer offener Flamme, scharfe Messer und schnell rotierende Schleif- und Fräsmaschinen. Dazu der Einsatz von Säuren. Damit muss der Zahntechniker täglich umgehen. Auch unter Zeitdruck. Um Verletzungen zu vermeiden, muss er bei der Arbeit ständig konzentriert sein.


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