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Fachkraft für Veranstaltungstechnik Sie lassen es auf der Bühne krachen

Der Job als Veranstaltungstechniker ist abwechslungsreich. Drei Jahre dauert die Ausbildung insgesamt und die braucht man auch, denn in dem recht neuen Ausbildungsberuf sind mehrere Jobs zusammengefasst.

Stand: 09.05.2016

150 Scheinwerfer, Effektlichter, Kabel, Stecker und Klemmen türmen sich in Kisten im Studio 2 des Bayerischen Rundfunks in München. Am nächsten Abend treten hier drei Newcomer aus dem Freistaat auf. Damit sie nicht auf einer stockdunklen Bühne spielen, setzt Azubi Klaus Kubesch das Licht. Wochenlang hat er sich auf das Konzert vorbereitet: Welches Equipment brauche ich, wie viele Kisten muss ich packen, wer hilft beim Aufbau? Vier Leute bauen dann von früh bis spät auf, hängen Lampen, schrauben Scheinwerfer an. Auch das Lichtpult muss eingerichtet und programmiert werden. Erst am Abend kann der erste Lichtcheck laufen.

Verantwortlich für Sicherheit und Technik

Verkabelung von Ton und Bild

Konzerte, Fernsehsendungen, Shows, Liveschaltungen - alle möglichen Events planen und organisieren Fachkräfte für Veranstaltungstechnik und sind dabei für die Technik und Sicherheit verantwortlich. Sie transportieren das Equipment und bedienen die Geräte während der Veranstaltung. In der freien Wirtschaft beraten sie ihre Kunden, kalkulieren Vorschläge und sorgen für technisch gelungene Shows.

Aufbau im Team

Der Job als Veranstaltungstechniker ist abwechslungsreich - jeder Tag bringt neue Herausforderungen. Drei Jahre dauert die Ausbildung insgesamt - und die braucht man auch: Eigentlich sind in dem recht neuen Ausbildungsberuf (es gibt ihn seit 1998) mehrere Jobs zusammengefasst: Tontechniker, Beleuchter, Bühnentechniker - entsprechend umfangreich ist der Lehrstoff. Fachkräfte für Veranstaltungstechnik sind viel unterwegs und müssen deshalb flexibel einsetzbar sein. Arbeiten im Team ist selbstverständlich - niemand baut Bühnentechnik alleine auf.

"Ich glaube, dass die Leute am besten dafür geeignet sind, die das wirklich machen wollen. Es ist kein Beruf, nach dem Motto: Ich bewerbe mich, hätte aber auch Bäcker oder Lkw-Fahrer werden können. Sondern man muss da mit Herzblut ran. Wenn man das mitbringt, hat man die besten Voraussetzungen."

Stefan Hoffmann, Ausbilder

Fast ein reiner Männerjob

Messestand

In der Berufsschule lernen die Azubis das theoretische Rüstzeug für ihren Beruf, es gibt aber auch viele praktische Übungen im Tonstudio oder auf Probebühnen. Gute Schulnoten sollten Bewerber in Mathe und Physik mitbringen, auch Englisch ist gefragt - denn Arbeitssprache bei internationalen Produktionen ist natürlich Englisch. Begeisterung für Technik ist Voraussetzung für diesen Job. Azubis werden in einem von zwei Schwerpunkten ausgebildet: Wichtig zu wissen: "Aufbau und Durchführung" (hier plant man Events) und "Aufbau und Organisation" (hier sorgt man beispielsweise auf Messen für die Sicherheit in den Hallen). Es gibt nur wenige Frauen in dem Job - noch ist die Fachkraft für Veranstaltungstechnik fast ein reiner Männerjob. Die schwere körperliche Arbeit schreckt viele Bewerberinnen ab. Zu den negativen Seiten gehören auch die langen und unregelmäßigen Arbeitszeiten: Veranstaltungstechniker sind die ersten, die vor einem Konzert kommen, und die letzten, die wieder gehen. Weil viele Veranstaltungen bis in die Nacht gehen, stellen viele Chefs gern volljährige Bewerber ein - sie dürfen länger arbeiten als minderjährige Azubis.

"Wir müssen sehr flexibel sein. Die Chefs richten sich schon nach uns, weil wir noch so jung sind. Aber es kann auch sein, dass er anruft und sagt, wir müssen am Wochenende mit. Das ist mir auch schon passiert, da hat er mich zwei Tage vor dem Wochenende angerufen: Da ist Dorffest, ob ich mit will? Und dann war ich mit denen vier Tage unterwegs."

Julian Frühbeis (18), Azubi

Nach der Lehre ist eine Festanstellung eher selten, die Übernahmechancen sind gering. Viele arbeiten als Freiberufler, werden für einzelne Projekte gebucht. Dafür ist es absolut notwenig, sich zu spezialisieren: Schon im 3. Lehrjahr müssen sich die Azubis für eines der Gewerke entscheiden, wie Licht oder Ton. Man kann sich nach der Lehre aber auch weiterbilden und zum Beispiel studieren.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Fachkraft für Veranstaltungstechnik
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Dual in Betrieb und Berufsschule. Auch eine schulische Ausbildung gibt es. Die Ausbildung wird in den zwei Schwerpunkten "Aufbau und Durchführung" und "Aufbau und Organisation" angeboten. Im 3. Ausbildungsjahr spezialisieren sich die Azubis auf eines der Gewerke, zum Beispiel Licht oder Ton.
  • Prüfung: Industrie- und Handelskammer
  • Ausbildungsorte: Rundfunk- und Fernsehanstalten, Event- und Veranstaltungsagenturen; Bühnen (Opern- und Schauspielhäuser); Filmstudios, Messe- und Kongress-Veranstalter, Konzertveranstalter
  • Zugang: Keine spezielle Schulbildung vorgeschrieben. Die Betriebe stellen in der Praxis gern volljährige Bewerber, meist mit Abitur ein.
  • Eignung: Bewerber brauchen sehr viel technisches Verständnis und handwerkliches Geschick. Sie müssen teamfähig und belastbar sein und vor allem in der freien Wirtschaft schnell und kundenorientiert arbeiten. Ständig wechselnde Arbeitsorte und lange und unregelmäßige Arbeitszeiten gehören dazu.
  • Perspektiven: Die meisten Veranstaltungstechniker arbeiten nach der Lehre als freie Spezialisten - feste Stellen gibt es nur wenige. Nach der Lehre können sich die Gesellen zum Meister fortbilden. Wer sich selbstständig machen will, gründet seinen eigenen Betrieb. Viele hängen auch ein Studium dran.
  • Alternativen/Spezialisierung: Ausbildungsalternativen sind zum Beispiel: Elektroniker, Systeminformatiker oder Mechatroniker.


Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geld

Im 1. Ausbildungsjahr erhalten Lehrlinge im Schnitt: € 531, im 2. Ausbildungsjahr: € 619 und im 3. Ausbildungsjahr: € 707. Diese Angaben können je nach Betrieb und Bundesland unterschiedlich sein und dienen nur zur Orientierung. 
(Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

Geschick

Beim Auf- und Abbau ist handwerkliches Geschick gefragt. Auch unter Zeitdruck müssen die Azubis schnell und präzise sein.

Teamarbeit

Veranstaltungstechniker arbeiten viel im Team - mit ihren Kollegen oder auch mit freien Mitarbeitern von anderen Firmen zusammen. Wenn Azubis bei internationalen Produktionen eingesetzt werden, ist die Arbeitssprache Englisch.

Info

Ohne Begeisterung für Technik läuft in dem Beruf absolut nichts. Elektrotechnik ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Viele Chefs achten darauf, dass sich das Interesse für Technik oder Musik bei Bewerbern im Lebenslauf widerspiegelt. Kein Job mit Büroarbeitszeiten. Gearbeitet wird in Schichten und oft auch dann, wenn andere feiern: am Wochenende, am Abend, auch nachts. Dafür kann man morgens mal ausschlafen. Schon die Azubis sind viel unterwegs.


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