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Tiermedizinische/-r Fachangestellte/-r Tierfreunde mit dickem Fell

Eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten? Toll, den ganzen Tag süße Tiere streicheln. Weit gefehlt! Sie organisieren die Praxis, helfen bei der Behandlung, putzen Blut, Kot und Urin weg - und brauchen bei all dem ein dickes Fell.

Stand: 20.01.2016

Von Tieren - erst mal keine Spur. Jenny Wechsler sitzt im Büro und schreibt Rechnungen. Sie macht eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten in einer kleinen Tierarztpraxis. Die organisiert Jenny fast im Alleingang: Sie führt die Patientenakten, vereinbart am Telefon Termine für die Sprechstunde und kümmert sich um die kleine Praxis-Apotheke. Die ersten Tiere sieht sie erst am Nachmittag - wenn die Sprechstunde beginnt. Ein Rudel Welpen muss geimpft werden, eine Katze wird kastriert. Jenny assistiert ihrer Chefin, der Tierärztin, während der Behandlung - sie hält die Tiere fest, zieht Spritzen auf und füllt Impfpässe aus. Nach ihrer Ausbildung hat sie schon eine feste Stelle in Aussicht - und damit viel Glück, denn nur wenige Tiermedizinische Fachangestellte werden übernommen."

Putzen, putzen, putzen

Putzeimer

So wie Jasmine Bolkart. Die bereitet gerade den OP vor: Instrumente, Mundschutz, Geräte, Spritzen. Jasmine arbeitet in einer Kleintierklinik. Dort landen die Fälle, die ein normaler Tierarzt nicht mehr behandeln kann. Eine Operation jagt die nächste. Jasmine und ihre Kolleginnen arbeiten im Schichtbetrieb, auch mal am Wochenende - sie narkotisieren Tiere, rasieren und desinfizieren die zu operierenden Stellen, bringen die Tiere in den OP, helfen den Ärzten beim Anziehen und achten während der Operation auf Herzschlag und Atmung des kleinen Patienten. Dabei bekommen sie natürlich Blut und offene Wunden zu sehen - an diesen Anblick musste sich Jasmine erst mal gewöhnen. Sind alle Tiere versorgt, beginnt der langweilige Teil der Arbeit: das Putzen. Das dauert Stunden. Jeden Tag. Das Operationsbesteck wird gespült und desinfiziert, der OP durchgewischt, blutiges Verbandmaterial, Kot und Urin entfernt. Zimperlich dürfen Tiermedizinische Fachangestellte nicht sein.

Gebrochener Finger, zertrümmertes Handgelenk

Pferd vor einer Operation

Für Simone Scholtes gilt das noch viel mehr. Sie ist Mädchen für alles in einer Pferde-Praxis. Sie füttert die Tiere, mistet die Boxen aus, striegelt und misst Fieber. Eben bei dem 16 Jahre alten Lancer- der wird heute operiert, er hat Knochenabsplitterungen in zwei Gelenken. Simone führt ihn über den Hof zum Röntgen. Sie braucht Kraft - 450 Kilogramm wiegt so ein Tier- und kann die auch mal einsetzen. Simone hat schon einen Tritt ins Gesicht bekommen, sich den Finger gebrochen und das Handgelenk zertrümmert. Aber heute geht alles gut: Während der Arzt das Gelenk röntgt und dem Tier per Spritze die Narkose verabreicht, steht Simone an Lancers Ohr und beruhigt ihn. Kurz darauf sackt der in sich zusammen und wird an einem Kran hängend kopfüber in den OP gefahren. Reich wird Simone mit ihrer Arbeit nicht. Schon in der Ausbildung gehören Tiermedizinische Fachangestellte zu den schlechter bezahlten Azubis. Trotzdem macht ihr der Job Spaß. Ein Job für alle, die streicheln wollen, zupacken können und leidensfähig sind - ein Job für Tierfreunde mit dickem Fell.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Tiermedizinische/-r Fachangestellte/-r
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule
  • Prüfung: Bei der (Landes-)Tierärztekammer
  • Ausbildungsorte: Tierarztpraxen und Tierkliniken
  • Zugang: Offiziell vorgeschrieben ist kein bestimmter Schulabschluss - die Tierärzte stellen aber überwiegend Bewerber mit mittlerem Bildungsabschluss ein.
  • Eignung: Bewerber sollten großes Organisationstalent und Hygienebewusstsein mitbringen; außerdem sollten sie körperlich und seelisch belastbar sein und wissen, wie man mit Tieren und Tierhaltern umgeht.
  • Perspektiven: Spezialisierung auf Tiergruppen, Spezialisierung auf bestimmte Einsatzbereiche, Studium der Tiermedizin
  • Alternativen: Im Bereich Arztassistenz: Medizinischer Fachangestellter, Zahnmedizinischer Fachangestellter; im Bereich Labor/Medizinisch-technische Assistenz: z.B. Veterinärmedizinisch-technischer Assistent, Medizinisch-technischer Assistent, Biologisch-technischer Assistent; im Bereich Tierpflege: Tierpfleger

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geld

Tiermedizinische Fachangestellte werden nicht gut bezahlt. Während der Ausbildung bekommen sie durchschnittlich 550 Euro im Monat. Danach liegt ihr Gehalt zwischen 1300 und 2000 Euro brutto.

Gefahr

Der Umgang mit Tieren, auch wenn sie noch so süß sind, ist nicht immer ungefährlich. Eine ärztliche Behandlung ist für die Tiere eine Extremsituation, sie wehren sich mit Krallen, Zähnen und Hufen.

Info

Es gibt deutlich mehr Bewerber für die Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten als Ausbildungsplätze. In Bayern werden seit Jahren weniger als zehn Prozent der Azubis fest übernommen. Außerdem gibt es kaum Weiterbildungsmöglichkeiten.


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