ARD-alpha - Ich mach's!


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Sticker/-in Mit Nadel und Stickboden

Ob Abendkleid, Kimono oder Vereinsfahne: Die Sticker gestalten neu oder restaurieren. Sie bringen der Haute Couture den letzten Schliff ans Dekollete. Für Kirchen, Verbände und den Denkmalschutz entwerfen sie Gewänder, Wandteppiche und Trauerbänder.

Stand: 19.01.2015

Stickerei für die großen Modezaren in Italien und Paris - oft stammt sie aus Diespeck bei Neustadt/Aisch in Mittelfranken. Raffinierte Muster aus Organza oder Satin verzieren die Abendgarderobe. Mit dabei Christina Wellhöfer, Auszubildende im dritten Lehrjahr - sie stickt T-Shirts für Dior. Am Anfang hatte sie Angst vor der Nadel, denn an der Stickmaschine gibt's keine Schutzvorrichtung, die die Finger schonen würde. Gebücktes Sitzen und ständig aufmerksam beobachten sind weitere Nachteile, an die sie sich erst gewöhnen musste. Dafür arbeitet sie für klanghafte Namen wie Chanel oder Dior.

Malen mit der Nadel

Sticker in Deutschland müssen sich spezialisieren, auf die Modebranche, kirchliche Auftraggeber oder Vereine. Dominik Klammer lernt im dritten Ausbildungsjahr bei der Firma Jaeschke im oberbayerischen Engelsberg. Der Betrieb hat sich mit Fahnen-Stickerei einen Namen gemacht, und so stickt Dominik an der Maschine einen metergroßen heiligen Florian auf eine Feuerwehrfahne. Seine Technik: Nadelmalerei. Damit kann er wunderbar Schattierungen hervorheben und Farbverläufe hinkriegen. Elisabeth Knollhuber im zweiten Ausbildungsjahr lernt im gleichen Betrieb Handstickerei. Priestergewänder oder Trauerbänder entstehen so mit viel Hingabe und Ausdauer als wertvolle Einzelstücke.

"Nadelmalerei ist größere Flächen verschiedenfarbig schattieren. Also dass man wirklich sieht, wo Licht und Schatten ist und wo davor und dahinter ist. Und dass man fast schon dreidimensional denkt."

Dominik Klammer, 3. Lehrjahr

Nischenberuf in Deutschland

Stickautomat

Die angehenden Sticker werden auch am Automaten angelernt. Kaum ein mittelgroßer Betrieb kommt heute noch ohne computergesteuerte Serienproduktion aus. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben. Vier von fünf Stickern sind Frauen. Ein Nischenberuf: Rund 130 Betriebe gibt's heute noch in Deutschland.

"Einen guten Sticker macht sicher aus, dass er sehr viel Geduld mitbringen sollte, ein bestimmtes Farben- und Formengefühl ist auch von Vorteil. Man kann vieles lernen, aber für manches braucht man auch eine entsprechende Begabung."

Annemarie Jaeschke, Stickermeisterin

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Sticker/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule (Blockunterricht)
  • Zugang: Keine bestimmte Schulausbildung vorgeschrieben
  • Eignung: Ein Sticker sollte gern mit Textilien umgehen, Geduld mitbringen und ein gutes Farb- und Formgefühl haben. Er sollte nicht farbenblind sein.
  • Weiterbildung: Mit dem Gesellenbrief kann ein Sticker den Meister machen oder sich zum Textiltechniker weiterbilden. Nach drei Berufsjahren kann er auch ein branchennahes Fach studieren.
  • Statistik: Vor allem Frauen drängen in diesen Beruf.

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Verdienstmöglichkeiten

Im ersten Lehrjahr 230 Euro, im zweiten 268 Euro, im dritten 306 Euro.

Genauigkeit

Die Konturen der Vorlage muss der Sticker exakt einhalten. Konzentration und genaues Hinsehen sind das A und O in diesem Beruf.

Geschick

Ein Sticker muss mit feinem Garn und Sticknadeln umgehen können, er muss mühelos einfädeln.

Gefahr

Mit der linken Hand muss die Nadel blind geführt werden von unten nach oben. Die Stickmaschine hat keinen Schutz an der Nadel.


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