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Schuhmacher/-in So wird ein Schuh daraus

Absatz abgebrochen, Sohle kaputt - klarer Fall für Schuhmacher. In der Ausbildung lernen sie, Schuhe und andere Lederwaren zu reparieren. Kleben, schleifen, polieren gehören zu den häufigsten Tätigkeiten.

Stand: 30.11.2015

Mit einem Blatt Papier und einem Maßband fängt alles an. Bajram zeichnet den Fußumriss einer Kundin auf - sorgfältig und exakt muss der 20-jährige Schuhmacherlehrling arbeiten. Die Kundin lässt sich einfache Sommersandalen in der Schuhmacherwerkstatt nahe Augsburg fertigen. Bajram bespricht mit der jungen Frau, wie ihre Schuhe einmal aussehen sollen - Form, Farbe, Absatzhöhe. Dann geht es in die Werkstatt. Ein Regal reiht sich ans nächste. Bajram macht sich auf die Suche nach einem passenden Leisten - aus rund 100 verschiedenen Formen wählt er das richtige Paar aus. Um den Leisten herum wird nach und nach der Schuh gefertigt - so bekommt er seine gewünschte Form.

30 Schritte für eine Schuh

Schuh wird genäht

Unzählige Leder- und Stoffrollen liegen in der Werkstatt nebenan. Bajram wählt das passende Muster aus. Mit einer Schablone schneidet er das Oberteil des Schuhs, den Schaft, aus einem hellbraunen Leder heraus. Manchmal näht Bajram auch Schäfte aus Einzelteilen zusammen. Mit Nadel und Faden umzugehen gehört zum Handwerk dazu. Für einen einfachen Damenschuh fallen rund 30 Arbeitsschritte an. Der Schaft wird jetzt auf dem Leisten befestigt.

Kraft und Geschick

Absätze und Schuhsohlen

Simon Kunze lernt auch Schuhmacher im dritten Lehrjahr. In einem Betrieb in Aschaffenburg fertigt er ebenfalls einen Maßschuh, einen Herren-Halbschuh. Der Schaft ist bereits befestigt. Simon arbeitet jetzt am Unterbau des Schuhs. Der 18-Jährige befestigt verschiedene Lederstreifen auf dem Leisten - sie bringen die nötige Stabilität. Jetzt ist die Vorderkappe dran. Simon hantiert viel mit unterschiedlichen Klebern und sitzt dabei oft stundenlang gebeugt. Das kann aufs Kreuz gehen. Das Zwicken fordert besonders viel Kraft und Geschick, abwechselnd schlägt er Nägel in den Leisten und zieht das Leder mit einer Zange glatt. Bis er die Laufsohle aufbringen kann, vergehen noch Stunden. Simon repariert auch Schuhe und andere Lederwaren. Abgelaufene Absätze und kaputte Sohlen austauschen - das sind einige seiner Aufgaben. Aber auch kleinere orthopädische Arbeiten erledigt der Schuhmacher-Azubi, etwa wenn ein Kunde unterschiedlich lange Beine hat. Dann setzt er in eine Sohle einen Keil als Schuherhöhung ein.

"Das ist hauptsächlich für die Stabilität im Schuh, dass der Schuh nicht einfach zusammenfällt sobald der Widerstand vom Leisten nicht mehr da ist, Vorderkappen, Hinterkappen, die dem Schuh einen gewissen Halt geben und sich auch in der Passform widerspiegeln. Ein Schuh mit mehr Stabilität behält seine Form länger, deshalb passt er auch länger besser."

Simon Kunze, 3. Lehrjahr, 18 Jahre

Anatomie des Fußes

Aufbau eines Beines

Anatomie steht in der Berufsschule in München auf dem Stundenplan. Wie sind Bein und Fuß aufgebaut, was passiert beim Laufen? Azubis aus ganz Bayern und Baden-Württemberg besuchen alle paar Wochen den Unterricht. Schuhmacher-Lehrlinge sitzen dann zusammen mit den angehenden Orthopädieschuhmachern in einem Klassenzimmer. Für die Abschlussprüfungen muss jeder Azubi einen Maßschuh fertigen. Zwei linke Hände darf hier niemand haben. Handwerkliches Geschick gehört dazu.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Schuhmacher/-in
  • Ausbildungsdauer: drei Jahre
  • Ausbildungsform: duale Ausbildung in einem Handwerksbetrieb mit Blockunterricht an der Berufsschule
  • Prüfung: Die Prüfung wird an der Berufsschule oder in der Handwerkskammer abgelegt.
  • Ausbildungsorte: Betriebe des Schuhmacherhandwerks oder in handwerklichen Lederwerkstätten. Der Berufsschulunterricht für Azubis aus Bayern und Baden-Württemberg findet in München statt.
  • Zugang: Offiziell vorgeschrieben ist kein bestimmter Schulabschluss - die meisten Azubis haben den qualifizierenden Hauptschulabschluss oder die Mittlere Reife.
  • Eignung: Bewerber brauchen handwerkliches Geschick, müssen sorgfältig und exakt arbeiten. Grundlagen der Mathematik sind wichtig, um Flächen und Material berechnen zu können.
  • Perspektiven: Nach der Ausbildung können Schuhmacher den Meister oder Techniker machen oder sich in Richtung Schuhdesign weiterentwickeln. Modelleure arbeiten in spezialisierten Schuhmanufakturen an der Schnittstelle zwischen Schuhdesign und dem klassischen Schuhhandwerk.
  • Alternativen: Orthopädieschuhmacher, Schuhfertiger, Sattler

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geld

Die Ausbildungsvergütung von Schuhmachern liegt im Vergleich zu anderen Handwerksberufen etwas unter dem Durchschnitt.

Geschick

Schuhmacher brauchen handwerkliches Geschick, wenn sie zum Beispiel einen Maßschuh fertigen. Schon bei einfachen Damensandalen fallen rund 30 Arbeitschritte an. Zwei linke Hände kann ein Schuhmacher nicht gebrauchen, sonst wird kein Schuh daraus.

Genauigkeit

Sorgfältig und exakt arbeiten - das müssen Schuhmacher Tag für Tag. Denn beide Schuhe eines Schuhpaares müssen gleich aussehen, sonst gibt es Reklamationen des Kunden.

Info

Es gibt nur noch wenige Stellenangebote für gelernte Schuhmacher.


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