ARD-alpha - Ich mach's!


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Schreiner/-in Mit Hobel und handwerklichem Geschick

Der Schreiner zählt zu den zehn beliebtesten Ausbildungsberufen in Deutschland. Eine große Zahl von Bewerbern steht einer eher beschränkten Zahl von Ausbildungsstellen gegenüber. Es ist also ziemlich schwer eine Lehrstelle als Schreiner zu ergattern.

Stand: 31.01.2013

Pascual schuftet im Holzlager. Zusammen mit einem Kollegen stemmt er eine dicke Holzbohle nach der anderen. Das geht ins Kreuz. Gemeinsam suchen die beiden angehenden Schreiner das richtige Stück aus: Teamarbeit. Wer mit den Händen in der Tasche herumsteht, der ist in einer Schreinerei Fehl am Platz. Stephan, der Meister, bringt Pascual den Umgang mit Holz und Werkzeugen bei. In Pascuals Ausbildungsbetrieb, bei den Möbelmachern im mittelfränkischen Unterkrumbach, bilden Lehrling und Meister ein festes Team.

Erst pauken, dann tischlern

Arbeiten an einem Nachttisch

Der neue Auftrag: Ein Schlafzimmer. Das dicke Vollholz ist ziemlich teuer. Bis Pascual alle Kniffe drauf hat, dauert es noch anderthalb Jahre. Deshalb darf er hier noch nicht alleine ran. Der Schlafzimmerschrank ist ein Job für den Helmut, den Altgesellen. Pascual baut stattdessen die Nachttischchen. Offiziell heißt Pascuals Ausbildungsberuf Tischler, aber in Süddeutschland sagen fast alle Schreiner dazu. Viele angehende Tischler, machen erst ein Berufsgrundschuljahr - ein Jahr lang pauken in der Berufsschule, und Geld gibt es auch nicht dafür. Aber wenn die Lehrlinge im zweiten Jahr in die Betriebe gehen, haben sie schon alle Fachbegriffe drauf. Zumindest theoretisch. Die einen bauen Küchen, die anderen Fenster, die dritten produzieren Wohnmöbel. Nach einer langen Flaute in der Baubranche boomt jetzt wieder das Geschäft mit maßgeschneidertem Holz.

"Ich mache eine Schreinerausbildung und ich habe sehr, sehr viel Spaß daran, weil ich eine Fähigkeit erlerne, nicht einfach nur Wissen, sondern eine Fähigkeit. Ich kann etwas machen, mit meinen Fingern. Ich kann es nicht beschreiben, was ich kann, aber ich kann es einfach. Ich habe es in meinem Kopf, in meinen Adern, ich kann es jederzeit auspacken und Möbel bauen und habe sie dann am Ende da stehen."

Pascual Pelzeder

Zum Hobel greift Pascual nur selten. Moderne Schreinereien automatisieren viele Arbeitsschritte. Nur so können sie konkurrenzfähig produzieren. Wer keine Lust an Mathe und Computerarbeit hat, der tut sich schwer an CNC-Fräse oder automatischer Hobelmaschine. Deshalb sieben die Chefs gewaltig aus. Vor der Lehre hat Pascual Abi gemacht. Immer mehr Azubis waren auf dem Gymnasium. Freilich kann man auch mit einem Hauptschulabschluss, einem Ouali oder der mittleren Reife  ein guter Schreiner werden. Es gilt: Je besser die Noten, desto besser die Chancen. Mit einer vier in Mathe wird man aber oft gar nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Bei Wind und Wetter - der Bauschreiner

Pascual Pelzeder, Azubi

Fenster, Türen, Wintergärten: Das ist die Welt der Bauschreiner. Sie brauchen zwei Zusatzqualifikationen für ihren Job. Erstens: Gute Nerven! Denn die Auftragslage hängt - anders als beim Möbelschreiner - unmittelbar von der Stimmung in der Baubranche ab. Und zweitens muss ein Bauschreiner wetterfest sein. Jedes Fenster ist ein Einzelstück. Manchmal unterscheiden sich die Einbaumaße nur um wenige Millimeter von Rahmen zu Rahmen. Bauschreiner müssen deshalb besonders präzise arbeiten. Bei größeren Betrieben teilt sich das Team die Arbeit. Montagespezialisten gehen auf die Baustelle, andere produzieren in der Werkstatt. In kleinen Bauschreinereien muss jeder alles können. Bei einem flüchtigen Blick in eine Bauschreinerei könnte man meinen: Mensch, die machen ja immer nur dasselbe. Stimmt aber nicht! Langweilig wird es nie. Oberflächenbehandlung, Spezialverglasung - Herausforderungen gibt es genug. Möbelschreiner und Bauschreiner wechseln nur sehr selten zwischen ihren Bereichen.

Endlich selbstständig

In einer Bauschreinerei

Übrigens, wer sich nach der Schreinerlehre selbstständig machen will, der muss nicht zwingend einen Meisterbrief in der Tasche haben. Es reicht, wenn man als Geselle mindestens sechs Jahre lang in leitender Position gearbeitet hat. Das ist die so genannte Altgesellenregelung. Ausbilden darf man dann freilich nicht. Für Pascual ist das aber noch Zukunftsmusik. Er hat noch anderthalb Jahre vor sich, bis er die Gesellenprüfung ablegen kann. Kurz vor Feierabend: Pascual hat seine Tischchen fast fertig. Es ist vielleicht nur ein Nachttischchen, aber es ist etwas, auf das er Stolz sein kann - hier steckt schließlich 100% Pascual drin.

"Schreiner soll einer der schwierigsten Berufe der Welt sein. Warum? Ja, weil man vieles mitbringen muss, aber auch vieles lernen kann. Also: man muss fleißig sein, dann hat fast jeder die Chance, Schreiner zu werden. Ja, ein bisschen Gefühl sollte man mitbringen, die haptischen Fähigkeiten, dass ich etwas anfasse und da meinen Spaß dran habe, das ist wichtig. Ich muss meine Sinne einsetzten! Das ist das A und O."

Pascual Pelzeder

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Tischler / Tischlerin
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: 1. Jahr: oft Berufsgrundbildungjahr ausschließlich in der Schule; 2. Jahr: duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule, dazu überbetriebliche Lehrgänge.
  • Prüfung: Handwerkskammer
  • Ausbildungsorte: Hauptsächlich Werkstatt, aber auch Lager, Büro und vor Ort beim Kunden
  • Zugang: Keine formale Zugangsvoraussetzung, aber oft wird mindestens die mittlere Reife verlangt. Genaueres zu der Situation in Eurer Region findet Ihr immer aktuell auf den Regionalseiten der Arbeitsagentur
  • Eignung: Räumliches Vorstellungsvermögen, handwerkliches Geschick, genaues Arbeiten, technisches Verständnis, Arbeit mit natürlichen Materialien, Arbeit unter Lärm- und Staubbelastung, mit gefährlichen Maschinen und unter Wettereinwirkung, Kenntnisse in Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern, hilfreich sind auch Kenntnisse im technischen Zeichnen
  • Perspektiven: Tischler arbeiten im Möbel- und Innenausbau, als Bautischler, als Fensterbauer, seltener sind sie im Boots- oder Leichtflugzeugbau tätig. Nach der Ausbildung spezialisieren sich Tischler häufig: z.B. in der Sitzmöbelherstellung, als Gehäusebauer oder als Akustikschreiner. Als Fortbildung bietet sich die Meisterprüfung an, Kurse zum  Techniker für Holztechnik oder Weiterbildungen zum Restaurator im Tischlerhandwerk.
  • Alternativen: Möbelhandel und -transport, Holzverarbeitung, Bootsbau, Leichtflugzeugbau, Holzmechaniker, Formen- und Modellbau, Ausbau
  • Info: Schreiner ist ein fast reiner Männerberuf. 93 Prozent männliche Azubis und 7 Prozent Frauen teilen sich die Ausbildungsstellen.

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Verdienstmöglichkeiten

Insgesamt verdienen Schreiner etwas besser als der Handwerker-Durchschnitt. Bauschreiner bekommen oft zusätzlich Montagezulagen. Anstatt eines ersten Ausbildungsjahres gehen Schreiner-Azubis oft in die Schule. Das heißt, am Anfang gibt es keine Ausbildungsvergütung.

Kraft

Anpacken ist gefragt, gerade Bauschreiner müssen oft schwere Bauteile, wie Fenster und Türen auch über Treppen transportieren. Das geht ins Kreuz.

Kreativität

Schreiner müssen kreativ sein: Entwürfe erstellen, Holz und verschiedene andere Werkstoffe kombinieren, Farben abstimmen und technische Probleme geschickt lösen.

Teamarbeit

Schreiner müssen anpacken und das oft gemeinsam. Schwere Teile lassen sich nicht alleine einbauen. Kollegen brauchen Hilfe ihre eigenen Ideen umzusetzen.

Genauigkeit

Schreiner sein, heißt Millimeterarbeit. Werkstoffe präzise zusägen, genau einpassen, nichts darf wackeln oder schief sein. Hier kommt es auf Genauigkeit an.

Geschicklichkeit

Handwerkliches Geschick ist unabdingbar. Holz ist ein natürlicher Werkstoff, der viele Möglichkeiten bietet, aber auch seine Tücken hat, denn Holz arbeitet auch nach dem Verbauen weiter.

Gefahrenpotenzial

Achtung: Schreiner hantieren mit gefährlichen Werkzeugen, wie Kreissäge, Fräse und Hobelmaschine. Also: auf die Finger aufpassen.

Mathematisches Verständnis

Wer keine Lust auf Mathe und Computer hat, tut sich schwer an der CNC Fräse und der automatischen Hobelmaschine. Wer in Mathe ein vier hat, wird meist gar nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen.


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