ARD-alpha - Ich mach's!


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Schneider/-in Kleider machen Leute

Schere, Nadel und Faden - noch immer die wichtigsten Werkzeuge der Schneider. Maßschneider müssen den besonderen Wünschen ihrer Kunden genügen. Ihre Kleider sind im wahrsten Sinne des Wortes "auf den Leib geschneidert".

Stand: 11.04.2013

Christin Waldau ist extra aus München nach Landsberg am Lech gefahren. Sie wünscht sich ein Brautkleid, das genau zu ihrem Typ passt und das sie auch später noch tragen kann. Heiraten in Weiß will sie nicht. Damenschneiderin Ruth Hecking macht erste Vorschläge. Gleich nebenan bügelt Veronika Prade einen grünen Seidenstoff. Die 22-jährige Auszubildende weiß worauf sie achten muss. "Bügeln ist mindesten genauso wichtig wie die Nähmaschine, weil bügeln gibt erst diese letzte Form, diesen letzten Schliff." Allerdings kann dabei auch einiges schief gehen. "Manche Stoffe sind sehr empfindlich auf Glanz. Wenn man da zu fest drauf geht, ist der Stoff einfach kaputt und das kann man auch nicht mehr reparieren."

Von der Pike auf

Stephanie Fisch, die zweite Auszubildende im Atelier, hantiert am Zuschneidetisch mit Nadel und Faden. Sie soll einen Ärmel "durchschlagen". So heißt das, wenn sie die Schnittlinien des einen Teiles durch lockere Stiche auf den anderen Teil überträgt. Die 21-Jährige will ihren Beruf von der Pike auf lernen, auch wenn sie später eigentlich ins Design will, um alle ihren Ideen verwirklichen zu können. Inzwischen liegt der Entwurf für ihr Brautkleid vor Christin Waldau auf dem Tisch. Er betont ihre zierliche Figur und lässt sie durch einen hohen Taillenbund größer erscheinen. Ein leicht transparenter Stoff mit grünem Schimmer passt zu ihren Augen und den langen blonden Haaren. Ein Kleid - ganz auf ihre eigene Persönlichkeit zugeschnitten. Damenschneidermeisterin Ruth Hecking hat Phantasie und Geschmack bewiesen, darüber freut sich Christin richtig - ihr Hochzeitskleid wird einmalig sein!

Gute Nerven und Geduld

Nach zwei Wochen kommt Christin Waldau zur Anprobe. Das Kleid sitzt wie angegossen und wird jetzt noch auf die richtige Länge gebracht. Dazu hat Christin sogar ihre Brautschuhe mitgebracht, alles soll perfekt sein. Das Handtäschchen wurde von den Azubis Stephanie und Veronika mit handgenähten Bordüren verziert - die einzigartige Braut erkennt man eben auch an liebevollen Details. Christin ist jetzt fertig ausstaffiert und man sieht: Schneider machen Leute.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Maßschneider/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung in Betrieb und  Berufsschule
  • Prüfung: Vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres wird eine Zwischenprüfung durchgeführt, die aus einer praktischen Arbeitsaufgabe und deren Dokumentation besteht. Gesellenprüfung
  • Ausbildungsorte: Betriebe des Schneiderhandwerks, Werkstätten, Maßateliers
  • Zugang: Keine formale Zugangsvoraussetzungen, die Betriebe stellen jedoch bevorzugt angehende Maßschneider/ -innen mit Hochschulreife ein. Teilweise wird für den Zugang zur Ausbildung eine berufliche Grundbildung im Bereich Bekleidungstechnik gewünscht.Jugendliche (Personen unter 18 Jahren), die in das Berufsleben eintreten, dürfen nach § 32 des Jugendarbeitsschutzgesetzes nur dann beschäftigt werden, wenn sie dem Arbeitgeber eine ärztliche Bescheinigung über eine Erstuntersuchung vorlegen.
  • Eignung: Fingerfertigkeit, großes handwerkliches Geschick, Geduld, räumliches Vorstellungsvermögen, mathematische Kenntnisse, Gefühl für Mode, für Stoffe und Farben
  • Perspektiven: Maßgeschneiderte Kleider leisten sich nur wenige Kunden, wirtschaftlich gesehen sind Maßateliers eher Nischenexistenzen. Die Ausbildung kann aber Grundlage sein für anspruchsvolle Tätigkeiten bei Theater, Film und Fernsehen.
  • Weiterbildung / Spezialisierung: Musterschneider/ -in, Theaterschneider/ -in, Meister/ -in, Techniker/ -in, Studium
  • Alternativen: Modeschneider/Modeschneiderin, Staatlich geprüfter Bekleidungstechnischer Assistent/Staatlich geprüfte Bekleidungstechnische Assistentin, Staatlich geprüfter Modedesigner/Staatlich geprüfte Modedesigneri, Kürschner/Kürschnerin, Textilgestalter/Textilgestalterin im Handwerk

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geschicklichkeit

Maßschneiderei ist vor allem Handarbeit. Gerade bei kleinteiligen Sachen ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Genauigkeit

Maßgeschneiderte Kleider sollen perfekt sitzen, deswegen muss der Schneider ganz genau auf die exakten Maße achten und nach ihnen präzise nähen.


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