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Sattler/-in Reitsportsattlerei Im Dienst von Ross und Reiter

Sattler der Fachrichtung Reitsportsattlerei entwerfen und fertigen Sättel, Zaumzeug und Geschirre, passen sie Ross und Reiter an und reparieren kaputte Teile. Dafür schneiden sie Leder zu und bearbeiten es.

Stand: 04.01.2016

"Dieser Sattelbaum passt super. Er liegt vorne gut an der Schulter und kippt nicht", erklärt Sattlermeister Steffen Würtz seinem Lehrling Felix Regele. Die beiden besuchen einen Kunden, der für seinen Haflinger einen maßgefertigten Westernsattel möchte. Mit einem biegsamen Lineal formt Steffen die Rückenkontur des Pferdes ab. Felix überträgt die Linie auf ein Stück Pappe. Der 16-Jährige hat seine Ausbildung erst vor vier Monaten begonnen. Dennoch erledigt er viele Arbeiten bereits selbstständig: Mit einem Halbmondmesser schneidet er die Backenstücke für eine Trense zu. Bevor er die Beschläge und Schnallen anbringt, verziert er das Leder mit Hilfe eines Stempels und eines Hammers. Punzieren heißt das in der Fachsprache.

"Leder ist für mich ein ganz besonderes Material. In diesem Beruf gefällt mir vor allem die Abwechslung: Mal mache ich feine Arbeiten, mal grobe. Und ich kann kreativ sein."

Felix Regele, 1. Lehrjahr (16 Jahre)

Leder erhält Verzierungen

Steffen hat den hinteren Sattelrand bezogen und zeigt Felix, wie er die Lederstücke miteinander verbindet: Mit einer Ahle sticht er jedes einzelne Loch vor, zieht dann den Faden mit der Nadel durch. Jetzt ist der Azubi an der Reihe. Die ersten Nähte sind kein Problem, geschickt fädelt er den Faden durch die Löcher. Doch dann braucht Felix eine Pause: Das Leder ist ziemlich dick und so geht das Nähen ganz schön in die Arme.

Kissen, Taschen und Pauschen

Lederschneidmaschine

In einer Sattlerwarenfabrik in München brummt die Lederschneidmaschine. Jana Döhle breitet die Haut auf dem Schneidetisch aus und legt per Mausklick fest, an welchen Stellen die Sattelkissen herausgeschnitten werden sollen. Zuvor hat sie das Leder auf Fehler untersucht und kleine Löcher, Risse und Kratzer mit einem Stift markiert. Die 22-Jährige hat vor anderthalb Jahren ihre Ausbildung begonnen. An ihrem Beruf gefällt ihr besonders die Abwechslung.

"Ich musste für die Lehre von Lüneburg nach München ziehen, denn Ausbildungsplätze sind in diesem Beruf sehr rar. Wer Sattler werden will muss bereit sein, seine Bewerbung durch ganz Deutschland zu schicken."

Jana Döhle, 2. Lehrjahr (22 Jahre)

Alle Elemente des Sattels schneidet Jana entweder mit der Maschine oder stanzt sie mit Schablonen aus. Danach spaltet oder schärft sie die Teile, das heißt sie macht sie mit Hilfe einer Maschine dünner oder schrägt sie an den Kanten ab. "Anschließend kommen die Näharbeiten", erklärt Jana. "Mit der Hand oder der Nähmaschine füge ich einzelne Teile zusammen oder bringe Ziernähte auf." Zusammengebaut wird der Sattel von Partnerunternehmen, bevor er zur Endkontrolle wieder nach München kommt.

An Ross und Reiter angepasst

Sattel wird aufgepolstert

Im Keller befindet sich die Serviceabteilung des Unternehmens. Hier liefern Händler und Kunden kaputtes Zaumzeug oder Sättel ab. Rudolf Minarik zeigt Jana, wie sie einen Sattel neu polstert: "Mit dem Besteck schiebst Du die Wolle vorsichtig durch den Polsterschlitz nach hinten durch." Die Auszubildende muss aufpassen, dass sie den Sattel dabei nicht beschädigt und die Füllung gleichmäßig verteilt. Die Knoten klopft sie später mit einem Polsterpilz raus. Direkt ans Pferd kommt Jana nur selten. "Wir Azubis besuchen Seminare, in denen wir lernen, wie der Sattel an Ross und Reiter angepasst wird. Dann fahren wir natürlich schon mit raus in den Stall." Aber Jana hat Geduld: Nach ihrer Ausbildung will sie die Meisterprüfung machen und später vielleicht sogar einen eigenen Betrieb gründen. "Dann werde ich jeden Tag mit Pferden zu tun haben."

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Sattler/-in Reitsportsattlerei
  • Ausbildungsdauer: Drei Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule. Die Azubis aus Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland besuchen das Bundesfachzentrum in Mainburg (Bayern). Dort haben sie jeweils zwei bis drei Wochen Blockunterricht.
  • Zugang: Grundsätzlich wird keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung vorgeschrieben, die Schulpflicht muss jedoch erfüllt sein. Die Betriebe stellen überwiegend Bewerber mit Mittlerer Reife ein.
  • Eignung: Interesse an Pferden und Reitsport sollten die Auszubildenden ebenso mitbringen wie handwerkliches Geschick. Denn ob verkleben, nähen, Beschläge anbringen oder punzieren: Das Leder wird in vielen Betrieben noch per Hand bearbeitet. Sattler sollten außerdem ein Gefühl für Ästhetik haben und sich gut ausdrücken können - egal, ob sie Kunden im Geschäft beraten oder in die Ställe fahren, um am Pferd Maß zu nehmen beziehungsweise den Sattel anzupassen.
  • Wichtige Schulfächer: Wer in den Fächern Textiles Gestalten/Werken/Technik und Mathematik fit ist, bringt gute Voraussetzungen mit für eine erfolgreiche Ausbildung zum/zur Sattler/-in. Wer sich für die Fachrichtung Reitsportsattlerei entscheidet, sollte außerdem gute Kenntnisse im Fach Biologie mitbringen.
  • Perspektiven: Nach ihrer Ausbildung können Sattler/-innen die Meisterprüfung ablegen, studieren und/oder sich mit einem eigenen Betrieb selbstständig machen.

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Verdienstmöglichkeiten

Angehende Sattler/ -innen verdienen zwischen 500 und 650 Euro brutto im Monat.

Genauigkeit

Wer diesen Beruf ergreifen möchte, muss präzise arbeiten können. Das Leder muss exakt zugeschnitten werden und darf beim Aufziehen keine Falten werfen und auch bei den Nähten ist Millimeterarbeit gefragt. Vorsicht beim Anpassen ans Pferd: Passiert hier ein Fehler kann es sein, dass der Sattel drückt und das Pferd deshalb lahmt.

Info

Das Sattlerhandwerk ist in drei Fachrichtungen aufgeteilt: Reitsportsattlerei, Feintäschnerei und Fahrzeugsattlerei. Schon vor Beginn der Lehre müssen sich die Auszubildenden für eine davon entscheiden.


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