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Revierjäger/-in Waidmannsheil und Waidmannsdank!

Waidmann und Manager - die Revierjäger sorgen in Wald und Flur für die nötige Balance. Sie regulieren den Wildbestand, setzen Zäune und Hochsitze instand, führen Schulklassen durchs Revier und regulieren Wildschäden auf landwirtschaftlichen Flächen.

Stand: 21.03.2016

In Unterjoch bei Bad Hindelang im Allgäu hat der 23-jährige Lenz Kandlinger gerade seine Lehre zum Revierjäger angefangen. Zusammen mit Revierjagdmeister Stefan Pfefferle baut er an diesem Tag einen mobilen Hochsitz auf, für die Fuchsjagd. Revierjäger regulieren den Wildbestand. Keine leichte Aufgabe. Bei zu viel Wild kann es zu Krankheiten kommen. Oder den Tieren geht die Nahrung aus. Dann fressen sie sich auf den Feldern der Landwirte satt. Auch die Forstwirte sehen zu viel Wild nicht gerne. Sie fürchten Verbiss-Schäden. Sinkt aber der Bestand zu sehr, dann fehlt bei Rehen, Hirschen und Gämsen der Nachwuchs. Das Jagen ist aber nur ein Teilaspekt der Arbeit. Ebenso wichtig: Die Pflege und Sicherung der Lebensgrundlagen des Wildes.

Nur mit Führungszeugnis

Jäger mit erlegtem Wild

Der Beruf des Revierjägers geht deutlich über die Qualifikation von  Hobbyjägern hinaus. Üblicherweise bringen alle Lehrlinge einen Jagdschein für Hobbyjäger schon mit. Der kostet rund 2.000 Euro. Um den normalen Jagdschein zu machen, hat Lenz nach den vorgeschriebenen 60 Stunden Theorie und 60 Stunden Praxis seine Prüfung abgelegt. Außerdem musste er sein Führungszeugnis vorlegen und so nachweisen, dass man ihm eine Waffe anvertrauen darf. Übrigens: Jugendliche zwischen dem 16. und 18. Geburtstag erhalten nach bestandener Jägerprüfung zunächst den Jugendjagdschein. Sie dürfen dann nur gemeinsam mit älteren Jägern auf die Pirsch gehen. Neben dem Jagdschein haben Lehrlinge auch nur eine Chance auf einen Ausbildungsplatz, wenn sie ebenfalls einen Führerschein mitbringen. Denn Revierjäger müssen mobil sein. Die Jäger finden entweder im Staatsbetrieb eine Anstellung oder bei Besitzern und Pächtern großer Jagdreviere. Bei Lenz Kandlinger und Stefan Pfefferle ist letzteres der Fall. Ihr Chef hat das riesige Jagdrevier in Unterjoch gepachtet. Stefan und Lenz kümmern sich darum.

Lebenserfahrung und Verantwortung

Dort wo es mehr zusammenhängende Wälder gibt, werden mehr Revierjäger gebraucht. In Bayern gibt es die meisten Stellen im Alpenvorland und im Bayerischen Wald. Die einzige bayerische Berufsschule für Revierjäger liegt in Neuenburg vorm Wald. Apropos Schule: Ein besonderer Schulabschluss ist als Zugangsvoraussetzung nicht vorschrieben. Doch das ist Theorie. Nahezu alle Revierjäger bringen bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung mit. Lenz beispielsweise ist gelernter Zimmermann. Der Grund ist einfach: Die Lehrlinge brauchen ein Stück Lebenserfahrung. Sie gehen mit Gewehren um. Sie müssen - auch allein - mit gestandenen Landwirten verhandeln. Schon während ihrer Ausbildung tragen die Jäger viel Verantwortung.

Durchblick im Paragrafendickicht

Unterwegs im Schneemobil

Die Revierjäger sind oft von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang unterwegs. Nach Feierabend spürt Lenz oft jeden einzelnen Knochen. Vielleicht ist das der Grund, dass sich so wenig Frauen für den Beruf entscheiden. Je nach Jahreszeit unterscheidet sich der Alltag der Jäger erheblich. Im Winter, wenn die Tage kurz sind und das meiste Wild ohnehin nicht geschossen werden darf, bleibt Zeit, um etwa die Gewehre zu justieren. Die Waffen kaufen sich üblicherweise die Jäger selbst. Auch die Munition zahlen sie in der Regel aus eigener Tasche. Die langen Winterabende eignen sich auch gut, um Theorie zu pauken: Jagdrecht, Umweltrecht, Hygienevorschriften. Bei aller Praxis. Die Jäger müssen sich gut im Paragrafendickicht auskennen. Auch über die Ausbildung hinaus gehören deshalb das Lesen der einschlägigen Fachzeitschriften und das Studieren der Gesetzesbücher dazu. Lenz Kandlinger jedenfalls macht sein Hobby zum Beruf. Für ihn ist klar: Revierjäger, das ist für ihn der schönste Beruf der Welt.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Revierjäger/-in
  • Ausbildungsdauer: drei Jahre
  • Ausbildungsform: Die Ausbildung ist bundesweit geregelt und wird in Betrieben der Forstwirtschaft angeboten.
  • Ausbildungsorte: Die Ausbildung findet überwiegend in den Forst- und Jagdverwaltungen und Betrieben der Forstwirtschaft statt. Die angehenden Revierjäger/-innen sind größtenteils im Freien tätig. Aufgaben der Verwaltung und des Jagdmanagements lernen sie in Büros kennen. Berufsschule wird in der Regel als Blockunterricht für Fachklassen gestaltet.
  • Prüfung: Die Abschlussprüfung besteht aus den Prüfungsbereichen Bewirtschaftung von Jagdrevieren, Jagdausübung und Wildverwertung, Umgang mit Wildschäden, Planung und Organisation sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Die Teile "Bewirtschaftung" und "Jagdausübung" werden mit je 25 Prozent gewichtet, der Bereich "Planung und Organisation" fließt mit 30 Prozent in das Gesamtergebnis ein.
  • Zugang: Grundsätzlich ist keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung rechtlich vorgeschrieben. Die Betriebe stellen aber überwiegend Bewerber ein, die bereits einen Beruf erlernt haben und zudem einen Jagdschein als Hobbyjäger besitzen. Auch ein Führerschein wird in der Regel vorausgesetzt.
  • Eignung: Revierjäger/-innen sollten naturverbunden sein, eine gute Beobachtungsgabe haben und müssen körperlich fit sein.

lPerspektiven: Beschäftigung finden Revierjäger/-innen in verschiedenen Jagdbezirken und Forst- und Jagdverwaltungen. Das Stellenangebot ist regional sehr unterschiedlich. In Regionen mit großen zusammenhängen Waldflächen (z.B. Alpenvorland, Bayerischer Wald, Lüneburger Heide) gibt naturgemäß mehr Stellen als etwa in Ballungszentren. Insgesamt sind Stellen rar.

  • Alternativen: Forstwirt/-in, Tierwirt/-in, Tierpfleger/-in

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geschick

Es braucht zweierlei, damit Jäger auch auf 200 Meter noch ein kleines Ziel, einen Fuchs etwa, trifft: ein gutes Gewehr und Konzentration. Der Jäger muss die Flugbahn des Geschosses, seine Abweichung durch den Wind und die Bewegung des Tieres berücksichtigen. Nur eine gute Treffsicherheit garantiert, dass das Tier einen kurzen, schmerzlosen Tod hat.

Kraft

Revierjäger müssen kräftig zupacken können. In Wald und Flur gibt immer etwas zu tragen: Ein geschossenes Tier, Bauholz für einen Hochsitz, Futter für die Winterfütterung.

Info

Die richtige Ausrüstung und Kleidung sind wichtig. Schneeschuhe, Ski, Gamaschen gehören im Winter dazu. Moderne Windstopperjacken hingegen sind ungeeignet. Sie rascheln zu sehr beim Jagen und verschrecken so das Wild. Bewährt bleiben hingegen Ponchos und Mäntel aus Loden.


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