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Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r Fit im Umgang mit Recht und Gesetz

Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte sind im Büro die rechte Hand der Anwälte und Notare. Doch wer glaubt, der Job beschränkt sich auf Briefe-Tippen und Kaffeekochen für den Herrn Anwalt, der irrt gewaltig.

Stand: 18.07.2013

Paragrafen, Akten, dicke Gesetzbücher - so sieht die Welt der Rechtsanwaltsfachangestellten aus. Sara Vulpius und Nadine Bruckmann sind Azubis in einer Kanzlei. Jeder Tag sieht für sie anders aus: Nadine betreut an diesem Vormittag den Empfang. Sie ist damit die erste Anlaufstelle für die Mandanten - entweder persönlich oder am Telefon. Kommunikation ist hier wichtig: Egal, wie aufgeregt ein Mandant ist - sie muß immer höflich und freundlich sein. Währenddessen ist Sara am Telefon beschäftigt. Sie telefoniert mit Gerichten oder der Polizei, notiert Termine, tippt Briefe. PC und Telefon sind für sie die wichtigsten Arbeitsmittel. In ihrem Job arbeitet sie fast nur im Büro und viel am Bildschirm.

Akten, Termine und Fristen

Jeder Rechtsfall bedeutet auch viel Papierkram. Fast täglich holen die Azubis deshalb Akten aus der Registratur. Teamarbeit ist wichtig, denn die Azubis arbeiten in der Kanzlei mit den Anwälten und den ausgebildeten Rechtsanwaltsfachangestellten zusammen. Besonders wichtig: Termine und Fristen müssen peinlich genau notiert werden. Wenn ein Mandant eine Frist versäumt, kann das schlimme Folgen haben. Zu den Aufgaben angehenden Rechtsanwaltsfachangestellten gehört es auch, täglich die Post zu erledigen. Zusammengefasst: Wer Spaß an Teamarbeit und Organisation hat, sich gut ausdrücken kann, gerne zuverlässig arbeitet und Interesse an Rechtsfragen mit bringt, ist richtig in dem Job.

Plaudern verboten!

Es gibt auch den Beruf der "Notarfachangestellten": Kaum jemand kennt ihn, so daß die Einstiegschancen sehr gut sind. Viele Notare suchen Azubis. Auch die Aufstiegsmöglichkeiten sehen gut aus. Im Gegensatz zum Rechtsanwalt haben angehende Notarfachangestellte viel mit Urkunden und Beglaubigungen zu tun. Sie tippen offizielle Dokumente wie Erbscheinanträge, Vollmachten und eidesstattliche Versicherungen. Urkunden selbständig vorbereiten - das gehört zu ihren Routineaufgaben. Auch hier müssen die Azubis absolut korrekt arbeiten, denn beim Notar geht es um hochoffizielle Dokumente. Der Computer spielt, ähnlich wie bei den Rechtsanwaltfachangestellten, eine große Rolle. Wer im Notariat arbeitet, hat mit viel vertraulichen Daten zu tun - jeder Azubi muß deshalb am eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen. Wer in der Freizeit über Internes plaudert, ist seinen Job sofort los.

International tätig

Es gibt auch die Möglichkeit, beide Ausbildungen zu verbinden: als "ReNo" - also als "Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte". Das ist aber nur in einigen Bundesländern möglich. Pauline Fugmann und Andreas Günther arbeiten bei einer großen internationalen Kanzlei. Weltweit gehören ihr mehr als 2.000 Anwälte, Steuerberater und Notare an. Andreas und Pauline kombinieren in ihrer Ausbildung beides: Die Anwaltsseite und die Notarsseite. In einem internationalen Haus wird von ihnen viel Engagement und die Bereitschaft zur Weiterbildung erwartet. Gute Fremdsprachenkenntnisse sind hier ein Muß. Andreas zum Beispiel hat oft mit englischsprachigen Mandanten am Telefon zu tun. Die Ausbildung öffnet den Azubis beide Wege- Richtung Notar oder Richtung Anwalt.

Zahlreiche Alternativen

Die Ausbildungsvergütung wird übrigens nicht per Tarifvertrag geregelt, die örtlichen Rechtsanwaltskammern geben Empfehlungen heraus, an die die Anwälte sich halten sollen. Nach der Ausbildung kommt es darauf an, wo man anfängt - und da gibt es viele Möglichkeiten. "ReNos" oder "ReFas" können nicht nur Kanzleien, sondern auch bei Banken und Versicherungen unterkommen. Auch Mahnabteilungen von Versandhäusern und Supermarktketten bieten Arbeitsmöglichkeiten. Wer sich übrigens nach der Lehre weiterbilden möchte, dem stehen viele Wege offen. Die Fortbildungsmöglichkeiten sind je nach Bundesland  unterschiedlich geregelt. So kann man sich zum geprüften Rechtsfachwirt oder Notarfachwirt weiterbilden, einen eigenen Sekretariatsservice für Kanzleien eröffnen oder mit Abitur ein Jura-Studium dranhängen.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule
  • Prüfung: Örtliche Rechtsanwaltskammer
  • Ausbildungsorte: Rechtsanwaltskanzleien; Rechtsanwaltskanzleien mit Notariat; Inkassobüros von Unternehmen
  • Zugang: Keine formale Zugangsvoraussetzung.
  • Rund zwei Drittel der Azubis haben die mittlere Reife/den Realschulabschluß - das ist für die meisten Chefs die schulische Mindestvoraussetzung. Rund ein Drittel der Berufsanfänger hat Abitur - Tendenz steigend.
  • Eignung: Sorgfältiges und selbständiges Arbeiten; Teamfähigkeit; Kommunikationsfähigkeit; gutes Deutsch in Wort und Schrift; Interesse an Rechtsfragen; Verschwiegenheit; gute Umgangsformen.
  • Perspektiven: Rechtsanwalts- und Notariatsfachangestellte finden nicht nur bei Anwälten und Notaren eine Beschäftigung; sie sind auch bei Banken, Versicherungen oder Immobilienunternehmen gesucht. Auch in der öffentlichen Verwaltung können sie eingestellt werden. Die Zahl der Ausbildungsplätze ging allerdings in den letzten Jahren zurück - immer weniger Anwälte bilden aus.
  • Alternativen: Selbstständig mit einem Sekretariatsservice für Kanzleien/Notariate, Bürovorsteher/-in, geprüfter Fachwirt/-in Notariat, geprüfter Fachwirt/-in Recht, Fachwirt/-in Büro, Sekretär/-in, Rechtsanwaltsfachangestellte/-r, Notarfachangestellte/-r, Patentanwaltsfachangestellte/-r, Justizfachangestellte/-r, Kaufmann/Kauffrau für Bürokommunikation

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Sorgfältiges, fast peinlich genaues Arbeiten ist hier das A und O - und zwar jeden Tag. Ob Ehevertrag oder Pfändungsbeschluß - Zahlendreher und Tippfehler können hier fatal sein. Wer schludert - auch wenn's mal stressig wird - der ist in diesem Beruf fehl am Platz.

Teamarbeit

Viel Alltagsarbeit wird in Eigenregie erledigt, viel aber auch in Absprache mit Kollegen und den Anwälten oder Notaren.

Info

Die negativen Seiten am Job: Die Arbeit findet fast nur im Büro und viel am Computer und Telefon statt. Die Azubis kennen auch Termindruck und Überstunden, wenn sie in letzter Minute Unterlagen zu dringenden Gerichtsterminen fertig stellen müssen oder Unterlagen fristgerecht rausgegeben sollen.


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