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Produktgestalter/-in Textil Muster in allen Formen und Farben

Zeichnerisches Talent, technisches Verständnis und Kreativität: Das sind die wichtigsten Eigenschaften, die man für diesen Beruf mitbringen muss. Produktgestalter Textil sollten außerdem ein Gespür für aktuelle Trends haben und Ausdauer mitbringen. Ihre Entwürfe stellen sie am Computer fertig.

Stand: 06.02.2017

"Blütenmuster, Paisley-Prints und der Look der 20er Jahre - vornehmlich in Aqua-Farben, Pastell oder kräftigen Citrustönen." Michaela Ott weiß genau, was im kommenden Sommer angesagt ist. Das muss sie auch, denn die Produktgestalterin Textil entwirft seit fast zehn Jahren Muster für Schals, die auf der ganzen Welt verkauft werden. Auf Messen in Kopenhagen, London und Paris informiert sie sich ebenso über Trends wie in Zeitschriften und im Internet. Doch es geht nicht darum, Stile zu kopieren: "Ich greife aktuelle Designs auf und stelle auf dieser Basis eigene Farbpaletten zusammen", erklärt die 26-Jährige. "Dann überlege ich mir, welche Farben ich mit welchen Mustern kombinieren kann." Das kann dann mal elegant und klassisch ausfallen, mal schrill und modern. "Das hängt ganz von der jeweiligen Zielgruppe ab", sagt sie.

"Der eigene Geschmack spielt eine eher untergeordnete Rolle. Wichtig ist, den aktuellen Trend zu kennen und aufzugreifen. Mit der Zeit entwickelt man auch ein Gespür dafür, was dem Kunden gefällt und was nicht."

Michaela Ott, Produktgestalterin Textil

Technisches Verständnis

Ihre Entwürfe entstehen meist am Computer in einem speziellen CAD-Programm. Dort legt sie auch die Bindung fest, d.h. wie die Fäden an der Webmaschine später miteinander verkreuzt werden. Technisches Verständnis spielt also in diesem Beruf eine wichtige Rolle. Das Unternehmen, in dem sie arbeitet, fertigt sowohl eigene Kollektionen als auch Auftragsarbeiten. "Mir gefallen Muster und Farbe dieses Schals", sagt die Einkäuferin einer großen Kaufhauskette. "Ich hätte aber gerne eine andere Qualität. Geht das auch in Kaschmir statt Acryl?" Michaela schüttelt den Kopf und erklärt, dass die Farben auf Kaschmir anders wirken würden. Produktgestalter Textil müssen gerne kommunizieren, sowohl mit Kunden als auch mit Lieferanten. Außerdem wichtig: ein gutes Vorstellungsvermögen.

Drei Tage für einen Entwurf

Auch was technische Entwicklungen betrifft, muss man in diesem Beruf immer auf dem Laufenden bleiben. "Da ändert sich ständig etwas", sagt Taija Lorkowski. Die 18-Jährige hat vor anderthalb Jahren ihre Ausbildung in einem Atelier begonnen, das sich auf Entwürfe für Tapeten spezialisiert hat. "Es gibt regelmäßig neue Prägetechniken, neue Materialien, neue Effekte - all das müssen wir bei unseren Entwürfen beachten." Jeder Strich ist durchdacht. Taijas Zeichnungen sind mitunter sehr filigran, bis zu drei Tage lang sitzt sie daran. Das erfordert Ausdauer und Geduld.

"Wenn ich einen Entwurf fast fertig habe, muss ich schon in etwa wissen, wie der nächste aussehen könnte. Inspirieren lasse ich mich oft bei Spaziergängen. Da fallen mir viele Motive ins Auge, die ich dann auf dem Zeichenblock umsetze."

Taija Lorkowski, 2. Lehrjahr (18 Jahre)

Schicht für Schicht

Ihre Kollegin Jana Scholz koloriert die Entwürfe an der Siebdruckmaschine. "Zwei Tropfen können schon einer zuviel sein", erklärt die Auszubildende, während sie vorsichtig die Farben mischt. Sie hat ein gutes Gefühl dafür entwickelt, welche Töne miteinander harmonieren und wie sie wirken. Unter dem Sieb entsteht Schicht für Schicht der Entwurf. Sobald er fertig ist, nimmt ihr Chef Rudolf Meyer das Ergebnis unter die Lupe. "Doch, der ist gelungen", findet er und legt ihn in die Kollektionsmappe. Wenn einem Kunden das Muster gefällt, wird aus dem Entwurf eine Tapete, die dann irgendwo auf der Welt ein Schlafzimmer verschönert oder in einem Wohnzimmer einen Farbakzent setzt.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Produktgestalter/-in - Textil
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule, wo der Unterricht in Blockform stattfindet. In Deutschland gibt es zwei Fachklassen für Produktgestalter Textil: in Plauen (Vogtlandkreis) und in Münchberg (Oberfranken), wo unter anderem alle bayerischen Azubis unterrichtet werden.
  • Zugang: Grundsätzlich ist kein Schulabschluss vorgeschrieben. Die Betriebe stellen überwiegend Bewerber mit guter Mittlerer Reife oder Hochschulreife ein.
  • Eignung: Produktgestalter Textil müssen gut zeichnen können und ein Gefühl für Formen und Farben haben. Da ihre Entwürfe von Maschinen umgesetzt werden, benötigen sie technisches Verständnis. In diesem Beruf muss man außerdem die aktuellen Modetrends kennen und immer auf der Höhe der technischen Entwicklung bleiben. Da viele Firmen international tätig sind, sind zudem Fremdsprachenkenntnisse wichtig, vor allem Englisch.
  • Wichtige Schulfächer: Wer Spaß in den Fächern Kunst und Werken/Technik hat, bringt gute Voraussetzungen mit. Außerdem von Vorteil: Erfahrung im Umgang mit Bildbearbeitungsprogrammen.
  • Perspektiven: Im technischen Bereich gibt es für Produktgestalter Textil einige Aufstiegsmöglichkeiten wie z.B. die Weiterbildung zum/zur staatlich geprüften Techniker/-in oder zum/zur technischen Fachwirt/-in. Wer sich eher auf die gestalterische Schiene konzentrieren möchte, kann nach der Ausbildung Textildesign studieren und/oder sich mit einem eigenen Atelier selbstständig machen.

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Kreativität

Neue Muster und innovative Formen in immer neuen Farbkombinationen: Produktgestalter Textil müssen kreativ sein. Ihre Ideen bringen sie mit unterschiedlichen Gestaltungselementen zu Papier oder setzen sie am Computer um.

Arbeitszeit

Wenn eine Kollektion fertig werden muss oder der Kunde auf einen Auftrag wartet, fallen gelegentlich Überstunden oder Wochenendarbeit an. Dann stehen Produktgestalter Textil auch unter einem gewissen Zeitdruck.

Sorgfalt

Jeden noch so kleinen Fehler sieht man später an der fertigen Ware. Deshalb müssen Produktgestalter Textil präzise arbeiten. Oft sitzen sie stundenlang am Bildschirm, um ihre Entwürfe in die Maschinensprache zu "übersetzen". Dann sind höchste Konzentration und ein gutes Auge gefragt.


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