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Papiertechnologe/-in Und sie läuft und läuft und läuft

Papier und Pappe sind äußerst vielseitige Materialien. Hergestellt werden sie von Papiertechnologen. Die bedienen riesige Maschinen, die Tag und Nacht laufen, kennen sich mit Rohstoffen und Chemikalien aus und wissen, welche Mischung welche Papiereigenschaften ergibt.

Stand: 10.01.2013

Sebastian Röslmair macht eine Ausbildung zum Papiertechnologen - gemeinsam mit Peter Riedle hat er heute die Aufgabe, ein Papier mit ganz bestimmten Eigenschaften herzustellen. Dazu mischen die beiden verschiedene Rohstoffe: einer von ihnen ist Zellstoff, gewonnen aus Holzfasern. Aber wie viel Zellstoff brauchen sie? Wie viel Holzschliff? Und Leim? Peter und Sebastian müssen genau rechnen - neben Chemie und Physik sind gute Mathe-Kenntnisse gefragt. Das Labor, in dem sie experimentieren, gehört zum Papierzentrum in Gernsbach in Baden-Württemberg - eine von nur zwei Berufsschulen für Papiertechnologen in ganz Deutschland. 16 Wochen im Jahr müssen Azubis dort für den Unterricht hin, meist vier bis sieben Wochen am Stück.

1.500 Meter pro Minute

Papiermaschine

Patrick Fisch hat das schon hinter sich. Der 24-jährige Papiertechnologe arbeitet an einer riesigen Papiermaschine in Plattling - über 100 Meter ist die lang. Vorne kommt die Rohstoffmischung auf ein Sieb - eine Papierbahn entsteht. Die rast mit einer Geschwindigkeit von über 1.500 Metern pro Minute durch die Maschine. Dabei wird sie durch Walzen und Wärme getrocknet und am Ende aufgerollt. Patrick ist an der Maschine für die Trocknung der Papierbahn zuständig. Den größten Teil des Tages sitzt der 24-Jährige in der Warte. Die Maschine ist computergesteuert - und Patrick kontrolliert, ob alles gut läuft.

"Besonders reizt mich an dem Job, dass man an der großen Maschine Verantwortung übernimmt. Wenn man einen Fehler macht, können irre Kosten entstehen, die leicht in die Zehn- bis Hunderttausende gehen. Und das muss man als Papiertechnologe verantworten können."

Peter Riedle

Er hat heute Frühschicht - um sechs Uhr ist er zur Arbeit gekommen. Da Papiermaschinen das ganze Jahr laufen, arbeiten Papiertechnologen im Schichtbetrieb. Mal muss Patrick früh ran, mal am Nachmittag, mal nachts. Aber immer mit Gehörschutz, denn die Maschine ist sehr laut. Und heiß ist es hier auch. Besonders anstrengend wird's, wenn die Papierbahn reißt. Dann müssen Patrick und seine Kollegen auf die Maschine und sie schnell wieder zum Laufen bringen - der Schaden geht sonst rasch in die Zehntausende.

Die Besten auf der Welt

Qualitätsprüfung mit Licht

Wenn Patrick mal seine Meisterprüfung hat, kann er es bis zum Werkführer oder Schichtkoordinator bringen. So wie Heinrich Schmid. Der ist während einer Schicht für die gesamte Produktion an der Papiermaschine verantwortlich. Er kann bei Problemen die Papierrezeptur ändern, wenn das produzierte Papier nicht die gewünschten Eigenschaften hat. Deutsche Papiertechnologen gelten als die am besten ausgebildeten der Welt - und sind begehrt bei Papierfabriken rund um den Globus.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Papiertechnologe/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule. In Deutschland  gibt es nur zwei Berufsschulen für Papiertechnologen (im baden-württembergischen Gernsbach und im thüringischen Altenburg). Der Unterricht an der Berufsschule findet über mehrere Wochen am Stück statt.
  • Prüfung: an den beiden Berufsschulen
  • Ausbildungsorte: Papierfabriken - dort wird der Azubi an verschiedenen Maschinen und Anlagen eingesetzt.
  • Zugang: es gibt keine formale Zugangsvoraussetzung - viele Papiertechnologen haben die mittlere Reife.
  • Eignung: mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse, handwerkliche Begabung und körperliche Belastbarkeit; da die meisten Papierfabriken zu internationalen Konzernen gehören, können auch gute Englisch-Kenntnisse nicht schaden
  • Perspektiven: Meisterprüfung Fachrichtung Papiererzeugung; ein Studium zum Ingenieur oder Bachelor ermöglicht den Aufstieg bis hoch zum Werkleiter; gute Chancen auch bei Papierfabriken weltweit.
  • Alternativen: Verpackungsmittelmechaniker, Drucker, Packmitteltechnologe/Packmitteltechnologin, Medientechnologe/Medientechnologin Druck

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Verdienstmöglichkeiten

Papiertechnologen zählen zu den bestbezahlten Azubis. Sie verdienen durchschnittlich 770 Euro im Monat. Auch nach der Ausbildung werden Papiertechnologen gut bezahlt: das Einstiegsgehalt liegt bei über 30.000 Euro.

Kraft

Papiertechnologen arbeiten in lauten und schwül-warmen Fabrikhallen. Sie sind viel auf den Beinen und gehen an den über 100 Meter langen Papiermaschinen weite Wege. Fitness und körperliche Belastbarkeit sind wichtig.

Info

In Deutschland gibt es knapp 800 Azubis. Gute Bewerber werden gesucht - nicht immer können alle Ausbildungs-Plätze besetzt werden. In der Regel wird jeder Azubi übernommen. Über 90 Prozent der Papiertechnologen sind Männer - weibliche Azubis sind aber jederzeit willkommen.


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