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Metall- und Glockengießer/-in Alles aus einem Guss

In einem Kirchturm soll jede Glocke anders klingen. Form und Wandstärke bestimmen den Klang. Dahinter stecken aufwendige Berechnungen und 400 Arbeitschritte bis zur Fertigstellung.

Stand: 05.09.2016

Als achtjähriger war Lukas Fink schon einmal in der alten Gießerei. Das glühende Metall und die schwitzenden Männer in hitzebeständigen Schutzanzügen beeindruckten ihn damals tief. Und heute, zehn Jahre später, steht der 18-Jährige selbst am Gussofen. Lukas legt Holz nach und holt mit seinen Kollegen zehn Tonnen Bronze herbei. Inzwischen ist er im zweiten von drei Lehrjahren. Seit Beginn der Ausbildung als Metall- und Glockengießer heißt es kräftig anpacken. Die Fertigstellung einer Glocke zieht sich über mehrere Wochen hin.

Der perfekte Klang

In einem Kirchturm soll jede Glocke anders klingen. Form und Wandstärke bestimmen den Klang. Dahinter stecken aufwendige Berechnungen. Entsprechend wird dann eine Form aus Lehm und Stein hergestellt. Das Verfahren hat sich über die Jahrtausende kaum gewandelt. Zuerst wird ein Glockenkern gemauert, auf den dann eine Lehmglocke modelliert wird, die mit der späteren Glocke identisch ist. Ist diese falsche Glocke gehärtet, kommt eine Lehmschale darüber. Diese zweite Schicht bildet den Mantel der Gussform. Nun hat die falsche Glocke ausgedient, sie wird zerschlagen. Der Hohlraum zwischen den beiden Formen wird später mit flüssigem Metall ausgegossen.

Aufgepasst!

Schmelzofen

Sorgfalt ist bei der Herstellung der Glockenformen wichtig. Größere Glocken kosten oft mehr als 50.000 Euro. Fehler können da schnell teuer werden. Beim Umgang mit dem heißflüssigen Metall ist zudem Umsicht unerlässlich. Auf bis zu 1.200 Grad wird die Masse erhitzt. Die Gießer tragen Schutzanzüge. Neben Glocken werden auch allerlei Kunstgegenstände oder Pokale gegossen. Lukas liebt die Abwechslung. Sein Chef Rudolf Perner lädt die Bewerber gerne zum Praktikum, dabei können sie zeigen, ob sie der harten Arbeit in der Gießerei gewachsen sind. Auch mit dem Hauptschulabschluss hat man Chancen, jedoch ist die Zahl der Ausbildungsplätze begrenzt. Fünf Glockengießereien gibt es bundesweit.

"Dies ist ein Beruf, den man entdecken muss und ihn sich erarbeiten muss, um ihn zu mögen. Denn er hat mit Staub und Dreck zu tun. Aber es ist eine sehr schöne Arbeit, eine handwerkliche Arbeit. Auf der anderen Seite geht es in die künstlerische Gestaltung hinein, das Erstellen von Wachsinschriften, Wachsbuchstaben, das Erstellen von Ornamentik - all das erfordert sehr viel Kreativität."

Rudolf Perner, Geschäftsführer und Meister

Erster Anschlag

Die Glocke wird gegossen

Zur Ausbildung gehört der Besuch der Berufsschule in Pegnitz. Aus ganz Deutschland kommen die Schüler zum Blockunterricht. Lukas hat 14 Klassenkameraden. Es keine Frau darunter. Meist entscheiden sich Männer für diesen Beruf. Gegossen wird immer am Freitag, am Sterbetag von Jesus. Aus den Pfarreien kommen dann meist Besucher, die den Guss ihre Glocken miterleben möchten. Lukas macht es stolz, dass diesmal über 100 Menschen jeden seiner Handgriffe verfolgen. Er hat seine Berufswahl nicht bereut, obwohl er viel schwitzt und oft schwer heben muss. Doch wenn am Ende die Glocke zum ersten Mal angeschlagen wird, sind all die Mühen rasch vergessen.

Drei Fachrichtungen stehen zur Wahl

In der Zinngusstechnik spezialisiert man sich auf Zier- und Gebrauchsgegenstände. Bei der Fertigung und Oberflächenbearbeitung sind neben feinem Hand- und Fingergeschick, auch Fertigkeiten im, Schleifen und Polieren gefordert. Der Bereich Metallgusstechnik, dahinter stecken filigrane Arbeiten des Kunsthandwerks. Eine ruhige Hand, viel technisches Verständnis und gestalterische Fähigkeiten sind dabei wichtig.

"Ich wollte schon immer ins Handwerk und dann habe ich mir gedacht, ich will was Ausgefallenes lernen. Und da ist Glockengießer genau richtig gekommen. Jetzt bin ich seit zwei Jahren da und mittlerweile macht es mir richtig viel Spaß Glockengießer zu lernen."

Lukas Fink, 18 Jahre, 2. Lehrjahr

Wer sich wie Lukas für den Schwerpunkt Kunst- und Glockengusstechnik entscheidet, wird zum absoluten Fachmann in der Herstellung von Glocken. Hier sind gute Form- und Raumauffassung, aber auch Kenntnisse in Statik sehr wichtig. Wer den Beruf Metall- und Glockengießer wählt, hat gute Chancen. Die Metallbranche sucht solche Fachleute.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Metall- und Glockengießer/ -in
  • Ausbildungsdauer: Drei Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule
  • Prüfung: Handwerkskammer und Berufsschule
  • Ausbildungsorte: Glockengießereien und Berufsschule Pegnitz (www.bs-pegnitz.de)
  • Zugang: Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben, auch Hauptschüler haben Chancen in diesem Beruf.
  • Eignung: 400 Arbeitsschritte stecken in einer Glocke. Kraft und handwerkliches Geschick sind nötig. Zudem sollten Azubis Mathe und Physik mögen, denn in jeder Glocke stecken viele Berechnungen.
  • Perspektiven: Metall- und Glockengießer sind gefragte Fachleute auch in anderen bereichen der Metallbranche.
  • Alternativen: Gießereimechaniker/-in, Verfahrensmechaniker/-in

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geld

Im Vergleich zu anderen Handwerksberufen zahlt die Metallbranche überdurchschnittlich gut.

Teamarbeit

400 Arbeitsschritte stecken in einer Glocke. Viele sind nur im Team zu schaffen, wie der Guss. Dabei muss sich jeder auf den anderen verlassen können.

Kraft

In diesem Beruf geht es meist um tonnenschwere Lasten. Viele Hilfsmittel erleichtern zwar die Arbeit, dennoch müssen die Auszubildenden kräftig zupacken.


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