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Logopäde/-in Richtig sprechen lernen

Logopäden sind Stimmheilkundler, sie helfen kranken Menschen ihre Stimme richtig zu gebrauchen und dafür haben sie viele Möglichkeiten. Ob Kindersprache, Redefluss-, Stimm-, Schluck- oder neurologische Störung.

Stand: 24.03.2015

Immer am Anfang ihrer Sitzung macht Anne-Kathrin Abel einen Zaubertrick mit Stefan. Der Junge mit dem Downsyndrom soll lernen in ganzen Sätzen zu sprechen und nicht nur Stichworte benutzen. Zaubern ist die große Leidenschaft von Stefan, da kann die angehende Logopädin Anne-Kathrin Abel den behinderten Jungen gut packen und für die gemeinsame Stunde motivieren. Anne-Kathrin ist im dritten und letzten Ausbildungsjahr und darf schon mit Patienten arbeiten. Hinter der Spiegelscheibe beobachten die Lehrlogopädin Antje Krüger, Mitschülerinnen und Stefans Eltern und die Behandlung. Heute darf Stefan Seifenblasen selbst herstellen. Anne-Kathrin hat sich mit der Lehrlogopädin genau überlegt, was sie in der Stunde mit Stefan machen möchte. Anje Krüger unterstützt die Nachwuchslogopäden darin die Stärken der Patienten zu suchen und mit den Stärken an den Schwächen zu arbeiten. Ganz wichtig ist das Elterngespräch am Ende der Behandlung, schließlich müssen sie zu Hause kontrollieren, ob Stefan das heute Gelernte auch wirklich anwendet.

Theorie und Praxis

Anatomieunterricht: Dr. Ulrich Rössler nimmt mit den Schülerinnen und Schülern des ersten Ausbildungsjahrs das Ohr durch. Wie dringen Laute in das Ohr vor und wie funktioniert das Gehör. Es ist wichtig, dass die angehenden Logopäden verstehen, wie Gehör-, aber auch Kehlkopf und Stimmbänder aufgebaut sind. Nur dann können sie später auch komplexe Krankheits- und Störungsbilder einschätzen und behandeln. Weil die Erlanger Schule zum Uniklinikum Erlangen gehört, können die Schüler auch Einblick in den Klinikalltag bekommen. So wird der theoretische Anatomieunterricht praktisch unterfüttert. Dr. Christoph Brase zeigt den Schülern mit einer Kehlkopfkamera und dem Ultraschall, in welche Wechselwirkung Stimme und Atmung treten und was bei der Lautbildung im Rachenraum passiert.

Große Konkurrenz

Es gibt zahlreiche Logopädenschulen bundesweit: private und öffentlich getragene. Die Höhe der Unterrichtsgebühren sagt aber nichts über die Qualität der Schulen aus. Es gibt auch sehr gute kostenfreie Schulen. Weil so viele junge Leute Logopäden werden wollten, sind in den letzten Jahren zahlreiche Schulen entstanden. Inzwischen wird aber über Bedarf ausgebildet. Das heißt, es wurde zwar einfacher einen Ausbildungsplatz zu bekommen, eine Anstellung hinterher ist aber nicht mehr sicher. Die meisten Logopäden haben Abitur, nur ganz wenige bekommen einen Ausbildungsplatz mit mittlerer Reife. Ein Beruf zum reich werden ist der Logopäde sicher nicht. Logopäden sind abhängig von den Verordnungen der Haus- und Fachärzte. Und ständig drängen neue Praxen auf den Markt.

Erfolg durch Zusatzqualifikation

Deshalb setzen Christina Först und Nicole Mansaré in ihrer Gemeinschaftspraxis in Bamberg auf Zusatzqualifikationen. Die Logopädin Nicole Mansaré etwa hat eine Ausbildung zur Familientherapeutin gemacht. Heute behandelt sie den 10-jährigen Jakob. Jakob kann zwar Laute bilden, aber kaum Worte sprechen. Um trotzdem mit seiner Umwelt zu kommunizieren, benutzt der Junge mit der Sprachentwicklungsbehinderung einen sogenannten Talker, ein kleiner Computer mit Lautsprecher, der für den Jungen spricht. Die Logopädin bringt ihm bei, das Gerät richtig einzusetzen.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Logopäde / Logopädin
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Schulische Ausbildung
  • Ausbildungsorte: Private oder öffentliche Schulen
  • Zugang: Die Ausübung der Berufstätigkeit ist reglementiert. Für den Zugang zur Tätigkeit wird ein Abschluss als Logopäde/Logopädin gefordert, entweder in Form eines Hochschulabschlusses oder im Rahmen einer Ausbildung. Darüber hinaus wird eine entsprechende Berufserlaubnis gefordert.
  • Eignung: Logopäden sollten Kommunikationsfähig und musikalisch sein. Gute Kenntnisse der deutschen Sprache sind notwendig und Logopäden sollten sich für lateinische Fachbegriffe interessieren.
  • Perspektiven: Logopäden können sich mit ihrer eigenen Praxis selbständig machen oder angestellt in einer Praxis oder im Krankenhaus arbeiten. Viele Logopäden spezialisieren sich auch auf Fachgebiete.
  • Weiterbildung: Viele Logopäden haben Zusatzqualifikationen in anderen Therapiebereichen. Es gibt inzwischen auch akademische Ausbildungen zum Logopäden und klinischen Linguisten.

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geld

Ein Beruf zum reich werden ist der Logopäde sicher nicht. Logopäden sind abhängig von den Verordnungen der Haus- und Fachärzte. Ständig drängen neue Praxen auf den Markt.

Kommunikationsfähigkeit

Logopäden müssen kommunikationsfähig sein, damit sie mit Kindern, Sprachbehinderten und mit älteren Menschen gut klarkommen.

Arbeitszeit

Als selbstständiger Logopäde muss man dann arbeiten, wenn die Patienten Zeit haben. Das heißt also auch oft am Abend.


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