ARD-alpha - Ich mach's!


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Klavier- und Cembalobauer/-in Strecken, zwicken, stechen und stimmen

Stand: 01.02.2016

Anne Jacobsen ist im ersten Lehrjahr ihrer Ausbildung zur Klavierbauerin. Bei ihr stehen Strecken und Zwicken auf dem Programm. Dabei dehnt sie die Saiten, die über dem Resonanzboden und der Gussplatte gespannt sind, wieder und wieder und stimmt sie danach. Diese Prozedur muss sie ein, zwei Wochen lang immer wieder durchführen, damit sich die Saiten später nicht mehr verstimmen.

"Wenn es einen fasziniert, wie der Klang entsteht, wenn man handwerklich Spaß an der Arbeit hat und auch geduldig ist, dann ist es ein ganz besonders ausgefallener und schöner Beruf."

Anne (20)

Sand erzeugt Schwingungsmuster

Sand auf Resonanzboden erzeugt Schwingungsmuster

Christian Mockschan ist schon im dritten Lehrjahr. Mit dem Flachhobel bearbeitet er einen Resonanzboden. Dann schüttet er Sand darauf und schlägt mit einem Hammer immer wieder aufs Holz. Die Schläge simulieren die Schwingungen, die später die Saiten erzeugen. Die Sandkörner formieren sich zu einer Art Muster, an dem Christian erkennt, wo der Boden noch zu dick ist. Da bleibt der Sand nämlich liegen, und dort hobelt er nach.

"Das ist für mich der schönste Beruf der Welt, weil ich eine große Neigung zur Musik habe. Diese perfekte Mischung zwischen Handwerk und Musik ist einfach eine Erfüllung für mich."

Christian (21)

"Hammerharte" Schläge

Hammerkopf

Mandy Mechelk arbeitet gerade an der Intonation. Dabei wird die Härte der Hämmer verändert, die auf den Saiten den Klang erzeugen. Sie sticht mit einer Art kleiner Gabel in den mit Filz überzogenen Kopf des Hammers. Dadurch wird der Anschlag eine Spur weicher. Betriebsleiter Meister Kevin Paul Gouldmann zeigt ihr die Stellen, die sie bearbeiten darf. Wer sich für den Beruf des Klavierbauers interessiert, wird in der Regel bei einem alteingesessenen Betrieb ausgebildet. Wer sich gut anstellt, hat auch gute Chancen, übernommen zu werden. Auch kleinere Reparaturbetriebe brauchen immer mal einen Klavierbauer. Allzu viele Stellen gibt es allerdings nicht in Deutschland.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Klavier- und Cembalobauer/-in
  • Ausbildungsdauer: 3,5 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule
  • Prüfung: Industrie- und Handelskammer
  • Ausbildungsorte: Betrieb und Berufsschule
  • Zugang: Keine formale Zugangsvoraussetzung. Mindestens ein guter Hauptschulabschluss und Musikalität werden aber vorausgesetzt.
  • Eignung: Fingerfertigkeit und handwerkliches Geschick, technisches Verständnis, Musikalität, Kommunikationsfähigkeit
  • Weiterbildung: Man kann seinen Meister machen. Dann ist eine Selbstständigkeit möglich. Mit der entsprechenden schulischen Voraussetzung ist ein Studium denkbar im Bereich Instrumentenbau.

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Verdienstmöglichkeiten

Die Ausbildungsvergütung liegt etwas unter dem Durchschnitt, später verdient man mit dem Handwerk durchschnittlich.

Info

Der Job beinhaltet immer wieder Aufgaben außerhalb normaler Arbeitszeiten, wenn z.B. der Flügel eines Konzertpianisten direkt vor dem Auftritt gestimmt werden muss. Im handwerklichen Bereich kommt man beim Schleifen und Polieren immer mal mit chemischen Substanzen in Berührung. Es gibt nicht allzu viele Stellen in Deutschland.

Geschicklichkeit

Eine gute Portion handwerkliches Geschick sollte man mitbringen, eine ruhige Hand und Geduld. Wer Klavier spielen kann, tut sich sehr viel leichter als jemand ohne diese Fähigkeit. Musikalität jedenfalls ist Grundvoraussetzung. Außerdem sollte man kontaktfreudig und kommunikationsfähig sein.


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