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"Ausbildung statt Abhängen" "JOBLINGE" hilft arbeitslosen Jugendlichen

Schule abgebrochen oder geflogen, mal Ärger mit der Polizei gehabt oder völlig orientierungslos, was nach der Schule passieren soll - das ist gar nicht so selten. Aber: Welcher Chef gibt so einem Bewerber schon einen Ausbildungsplatz? Die Folge: Jeder zweite Hauptschulabgänger hat ein Jahr nach Verlassen der Schule noch keine Lehrstelle. Ein Projekt will gering qualifizierten Jugendlichen mit so genannten "Vermittlungshindernissen" helfen: Das Programm "Joblinge".

Stand: 16.01.2017

Das Besondere daran: Hier gibt es für jeden eine spezielle Förderung - durch Workshops, Gespräche, Projekte und persönliche Unterstützung durch Mentoren. Dabei arbeiten viele Hand in Hand: große und kleine Firmen, Kommunen, Privatleute, Sozialpädagogen, Ämter, Stiftungen. Ins Leben gerufen hat das Angebot die Boston Consulting Group und die Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG. Das Ziel des Programms: Eine Lehrstelle für jeden "Jobling" zu finden - und zwar eine, die auch passt.

Stärken finden

Gespräch mit dem Mentor

Der Münchner Joblinge-Standort liegt mitten in der Stadt, an der "Münchner Freiheit". 80 Jugendliche kommen pro Jahr hierher - sie durchlaufen in sechs Monaten verschiedene Phasen. Mitmachen kann jeder, der als arbeitssuchend gemeldet ist und noch keine 25 Jahre alt ist. Los geht es mit gemeinnütziger Arbeit, zwei Wochen lang, im Zoo zum Beispiel: Die Organisatoren wollen sehen, wer wirklich Lust auf das Programm hat. Wer hier schon schwächelt, hat kaum Chancen weiterzukommen. Danach geht es in vielen Projekten darum, seine Stärken zu finden, sein Berufsfeld einzukreisen, soziale Kompetenzen zu erlernen, z.B. wie geht man am besten mit Kritik um? Auch Bewerbungen zu schreiben wird trainiert. In Projekten wie "Jobcast" und "Storycast" erzählen die Jugendlichen eigene Geschichten oder gehen direkt in Betriebe, machen Interviews und erstellen Podcasts. Sinn und Zweck: Selbstbewusstsein tanken, Ziele entwickeln, einen passenden Beruf ansteuern.

Hohe Erfolgsquote

Praktikum in einer Firma

In verschiedenen Praktika können die Joblinge dann Job-Erfahrung sammeln: Welcher Beruf passt zu mir? Irgendwas mit Autos - das ist zu unbestimmt. Also schnuppern die Joblinge in verschiedene Betriebe, schauen sich zum Beispiel den Beruf des Fertigungsmechanikers oder des Fahrzeuglackierers an. Dann entscheiden sie, welcher dieser Berufe ihnen am besten gefällt. In einem 8- bis 10-wöchigen Bewerbungspraktikum können sich die Jungen und Mädchen in einem bestimmten Job hervortun. Das größte Ziel: ein Ausbildungsvertrag oder ein passender Arbeitsplatz. Das Programm ist erfolgreich: 60-70 % der Jugendlichen finden danach eine Lehrstelle oder einen Job.

Die Initiative JOBLINGE wurde 2008 ins Leben gerufen. Es gibt sie derzeit an fünf Standorten: Berlin, Frankfurt, Köln, München und Zwiesel/Bay. Wald. Der Standort Leipzig befindet sich im Aufbau. Weitere Standorte sind bundesweit geplant.

"JOBLINGE" - Programm gegen Jugendarbeitslosigkeit

  • Ausbildungsdauer: sechs Monate
  • Inhalte: Das Programm "Joblinge" unterstützt benachteiligte Jugendliche unter 25 Jahren auf dem Weg in die Arbeitswelt. In einem 6-monatigen Programm erarbeiten sie sich einen passenden Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Sie werden dabei individuell gefördert und von Mentoren betreut. Die Organisatoren arbeiten eng mit regionalen und internationalen Firmen zusammen, die Praktikums- und Ausbildungsplätze anbieten.
  • Ausbildungsform: Training in den Joblinge-Räumen (Bewerbung, soziale Kompetenzen, Auswahl des Berufsfeldes, Workshops) und 6 bis 8-wöchige Praktika in verschiedenen Firmen (Büros, Handwerks- und Industrie-Betriebe)
  • Prüfung: Keine
  • Zugang: Für arbeitlose Jugendliche bis 25 Jahre; für Jugendliche mit "Vermittlungshemmnissen", z.B. ohne Schulabschluss oder mit Schwierigkeiten im sozialen Verhalten
  • Eignung: Es gibt keine besonderen Voraussetzungen, um mitmachen zu können. Die Joblinge sollten aber Motivation und Initiative zeigen. Am Anfang des Programms steht gemeinnützige Arbeit - wer hier keine Lust hat oder blaumacht, kann vom Programm wegen fehlender Motivation ausgeschlossen werden.
  • Perspektiven: Gut. Der Standort München nimmt 80 Jugendliche pro Jahr auf. 60-70% von ihnen finden nach 6 Monaten eine Lehrstelle.
  • Standorte: Die Initiative JOBLINGE gibt es derzeit an fünf Standorten: Berlin, Frankfurt, Köln, München und Zwiesel/Bay. Wald. Der Standort Leipzig befindet sich im Aufbau. Weitere Standorte sind geplant.
  • Organisatoren: Gründer: Die Boston Consulting Group und die Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG. Weiterhin beteiligen sich Unternehmen, Kommunen, Stiftungen und Privatpersonen.

Zitate der "Joblinge"

Stefan Hasenkopf (19)

"Ich bin bei den Joblingen, weil ich mich zu sehr aufs Zeugnis konzentriert habe, auf die Noten, da habe ich dann die Bewerbungen total vergessen, und dann war es auch zu spät. Und dann hat das Arbeitsamt gesagt: „Hier die Joblinge, das ist ein gutes Programm“. Dann hab ich es mir angeschaut und dann auch mitgemacht."

Dimitrios Stefanis (16)

"Ich hab vieles versucht, war bei BMW letztes Jahr, ein Jahr lang, das hat nicht geklappt, und dann haben die mich hierhergeschickt. Das ist eine gute Chance, eine Ausbildungsstelle zu bekommen, eine richtige."

Dimitrios:

"Gleich, als wir angefangen haben, mussten wir zwei Tage im Zoo arbeiten, damit sie sehen, wie wir arbeiten können. Also, ob wir gut sind, mitarbeiten, teamfähig sind, und so weiter. Danach sind wir hierhergekommen, haben wir Plakate gemacht: Unsere 3 Wünsche, so was halt. Ich hatte geschrieben: reich, glücklich und meiner Familie soll es gut gehen."

Dirk Wahlandt, Sozialpädagoge "Joblinge":

"Viele Joblinge sind gesundheitlich beeinträchtigt, sozial, familiär, oder haben einen schlechten Hauptschulschluss, haben vielleicht schon einige Anläufe gemacht. Wohnen in einem Viertel, das nicht so einen guten Ruf hat und sind in der Kommunikation nicht so begabt. Also, ganz unterschiedliche Gründe. Aber die meisten, sag ich immer wieder, sind unsere Heroes, weil sie dranbleiben. Sie suchen Hilfe und das ist eine tolle Sache."

Alma Ljatifovic (17):

"Manchmal langweile ich mich, weil ich so schnell fertig bin. Aber sonst ist alles gut. Unsere Projekte, z.B. beim Storycast, da hatten wir schon genug zu tun. Die Geschichte aufschreiben, erzählen, erst mal überlegen, was Du da überhaupt erzählen möchtest. Ja. Ist ganz cool, das Projekt."

Anja Reinhard, Leiterin "Joblinge" München:

"Jeder Jugendliche hat etwas, was er kann und was er gut kann. Und manchmal wissen sie es am Anfang selber nicht. Aber wir hatten noch keinen hier, der völlig talentfrei war."


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