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Holzblasinstrumentenmacher/-in Zwischen Sägespänen und Notenständern

Holzblasinstrumentenmacherinnen stellen Blasinstrumente aus Holz und Metall her, sie reparieren und warten Instrumente. Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird in der Industrie und im Handwerk angeboten.

Stand: 30.11.2012

Es war kein leichter Schritt für Stefanie als sie vor zwei Jahren nach Geretsried zog. Auf den ersten Blick war die oberbayerische Stadt tiefste Provinz für die junge Münchnerin. Doch Ausbildungsplätze für Holzblasinstrumentenmacherinnen sind rar. Und das Traditionsunternehmen Dörfler suchte einen Lehrling. Also packte Stefanie ihre Koffer und zog nach Geretsried. Heute fühlt sie sich hier sehr wohl. Die ersten zweieinhalb Jahre ihrer Lehrzeit sind rum. Die Prüfungstermine stehen schon fest. Bald darf sie sich Gesellin nennen. Dann gehört der anstrengende Blockunterricht in der Berufsschule in Mittenwald der Vergangenheit an. In Deutschland gibt es nur drei Berufsschulen für Holzblasinstrumentenmacherinnen. Neben Mittenwald noch in Klingenthal im Vogtland und in Ludwigsburg nahe Stuttgart. Weil die Lehrlinge oft weit fahren müssen, wird eben blockweise unterrichtet, also mehrere Wochen am Stück.

Aus Holz und Metall

Holzblasinstrumentenmacherinnen stellen Blasinstrumente aus Holz und Metall her, sie reparieren und warten Instrumente. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Sie wird in der Industrie und im Handwerk angeboten. Ein bestimmter Schulabschluss wird nicht vorausgesetzt. Spaß an Physik, Mathematik und Mechanik hilft ungemein. Ein gutes Gehör und eine Portion Musikalität dürfen auch nicht fehlen. Daran mangelt es Stefanie nicht. Sie spielt Saxophon, Querflöte, Klarinette. Das sind allesamt Holzblasinstrumente. Auch die aus Metall. Stefanie lacht immer, wenn darauf die Sprache kommt. Zu den Holzblasinstrumenten zählen nämlich alle Instrumente, bei denen der Ton im Mundstück mit einem feinen Rohrblatt erzeugt wird. Ob das Instrument selbst aus Holz oder Metall ist, ist egal. Ein Alphorn hingegen, grinst Stefanie, gehöre zu den Blechblasinstrumenten.

"Der Beruf Holzblasinstrumentenmacher ist für mich deshalb so toll, weil er einfach wahnsinnig vielseitig ist. Man geht jeden Tag in die Arbeit ohne zu wissen, was kommt. Man hat wahnsinnig viele Arbeitsfelder. Es gibt ja allein schon so viele Instrumente die in den Arbeitsbereich fallen: Saxophon, Querflöte, Klarinette und so weiter. Und dann ist da noch der Umgang mit den Kunden. Es kommt einfach immer wieder etwas Neues."

Stefanie Pohl (21) 3. Lehrjahr

Stundenlang an der Werkbank

Restaurierungsarbeiten erledigt die 21-jährige Stefanie besonders gerne. Sie liebt es, den Instrumenten wieder ihren ursprünglichen Klang zurück zu geben. Dafür sitzt sie aber oft stundenlang an der Werkbank. Immer leicht nach vorn gebeugt - das geht auf den Rücken. Deshalb legt Stefanie immer mal wieder Pausen ein. Und oft spielt sie dann gemeinsam mit ihrer Meisterin Angelika Dörfler einige Takte auf der Klarinette. Das mache den Kopf frei, meint Stefanie.

Hölzer aus der Schatzkammer

Holzblasinstrumentenmacher ist ein sehr traditioneller Beruf. Die Wahl des Ausbildungsbetriebes sei mehr eine Herzenssache als bei anderen Handwerksberufen, meint Stefanie. Man müsse zusammenpassen, die Chemie müsse stimmen. Den Keller der Firma Dörfler nennen alle scherzhaft Schatzkammer. Hier lagern die Hölzer. Viele davon bereits seit Jahrzehnten: Dicke Buchsbaumstämme aus dem Mittelmeerraum. Grenadill aus Afrika. Cocobolo aus dem mittelamerikanischen Dschungel. Da steckt Musik drin. Zusammen mit ihrer Chefin wählt Stefanie die Hölzer für die neuen Instrumente aus. Was sie hier von Angelika Dörfler lernt, steht nicht in Büchern. Es ist die Firmenphilosophie.

Fräsen, Drechseln, Polieren

Steffie muss aufmerksam sein. Das Verletzungsrisiko beim Umgang mit Maschinen ist groß. Häufig sitzt sie an der Werkbank. Oft leicht nach vorne gebeugt. Das geht auf den Rücken. Ob sie nun Saxophone, Querflöten oder Klarinetten baut, es handelt sich um eine abwechslungsreiche, anspruchsvolle und musikalische Arbeit. Die begeisterte Musikerin Steffie hat ihren Traumberuf gefunden: Holzblasinstrumentenmacherin - ein Job zwischen Sägespänen und Notenständern.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Holzblasinstrumentenmacher/-in
  • Ausbildungsdauer: Die Ausbildung dauert drei Jahre. Sie kann im Einzelfall auf zweieinhalb Jahre verkürzt werden. Ebenso ist auf Antrag eine Verlängerung der Ausbildung möglich.
  • Ausbildungsform: Die Ausbildung ist bundesweit geregelt. Sie wird in Handwerk und Industrie angeboten.
  • Prüfung: Vor Ende des zweiten Ausbildungsjahres wird eine Zwischenprüfung durchgeführt. Die Abschluss- bzw. Gesellenprüfung zum Ende der Lehre besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil. In der praktischen Prüfung werden in insgesamt höchstens 14 Stunden zwei Arbeitsproben durchgeführt und ein Prüfungsstück angefertigt.
  • Ausbildungsorte: Holzblasinstrumentenmacher/-innen werden im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule ausgebildet. Überwiegend absolvieren Auszubildende ihre Ausbildung in Betrieben des Musikinstrumentenbaus. Meist sind sie in Werkstätten und Werkhallen tätig. Der Berufsschulunterricht findet in Blockform in Fachklassen statt.
  • Zugang: Grundsätzlich ist keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung vorgeschrieben.
  • Eignung: Holzblasinstrumentenmacher/-innen sollten sorgfältig arbeiten und naturwissenschaftlich interessiert sein. Ein gutes Gehör und Musikalität sind wichtig.
  • Perspektiven: Ausbildungsplätze sind rar. Wer aber einen Ausbildungsvertrag in der Tasche hat, kann sich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt ausrechnen: in Herstellungs- und Reparaturbetrieben, im Fachhandel und in Museen mit Restaurierungsabteilungen für Musikinstrumente.
  • Alternativen: Metallblasinstrumentenmacher/-in, Geigenbauer/-in, Zupfinstrumentenmacher/-in, Handzuginstrumentenmacher/-in

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Holzblasinstrumentenbauer müssen sehr präzise arbeiten. Nehmen sie beispielsweise beim Drechseln nur einen Zehntel Millimeter zu viel Holz weg, sind die Werkstücke nicht mehr zu gebrauchen. Das wäre kostspielig, denn Holzblasinstrumentenmacher/-innen arbeiten meist mit sehr teurem Holz, das über Jahrzehnte getrocknet und gelagert wurde.

Gefahr

Fräsen, Drechseln, Polieren - Holzblasinstrumentenmacher/-innen arbeiten häufig mit Maschinen. Das verlangt Aufmerksamkeit, denn das Verletzungsrisiko durch herumfliegende Späne und durch die Geräte selbst ist hoch.

Geschick

Holzblasinstrumentenmacherinnen wie Steffie müssen viel Geschick mitbringen. Die Arbeit mit filigranen Bauteilen gehört zum Berufsalltag. Viel Fingerspitzengefühl braucht die 21-Jährige etwa bei der Restaurierung der Klappenmechanik.


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