ARD-alpha - Ich mach's!


13

Hebamme/Entbindungspfleger Auf die Welt helfen

Hebammen begleiten schwangere Frauen. Sie untersuchen sie, geben Tipps und helfen, das Baby auf die Welt zu bringen. Auch in den ersten Wochen nach der Entbindung kümmern sie sich um Mutter und Säugling.

Stand: 21.11.2011

Vorsichtig tastet Stefanie über den Bauch der hochschwangeren Frau, anschließend kontrolliert die angehende Hebamme die Herztöne des ungeborenen Kindes und die Wehentätigkeit der Mutter. Doch noch sind kaum Wehen zu messen. Das Baby lässt auf sich warten. Der errechnete Geburtstermin war vor über einer Woche. Stefanie ist im letzten Jahr ihrer dreijährigen Ausbildung und arbeitet schon regelmäßig im Kreißsaal der Erlanger Frauenklinik mit. Hebamme Barbara Völler beschließt, die Geburt einzuleiten, also die Wehen künstlich auszulösen. Für die werdenden Eltern ist die Geburt ein ganz besonderes Erlebnis. Stefanie und ihre Kolleginnen brauchen ein gutes Gespür für Menschen und viel Einfühlungsvermögen. Ganz wichtig: Die Schwangeren sollen sich wohlfühlen.

"Es gibt nur bestimmte Medikamente, die Hebammen selber geben dürfen und dazu gehören auch Wehenmittel oder im Notfall auch Wehenhemmer und noch so ein paar Schmerzmittel, die wir geben dürfen."

Stefanie Ruß, 3. Ausbildungsjahr

Besonderer Moment

Baby mit Mutter

Die Wehen kommen jetzt schneller hintereinander. Die Schmerzen werden stärker. Stefanie sucht die geeignete, angenehmste Position für die schwangere Frau. Bis die Geburt losgeht können viele Stunden vergehen. Hebammen brauchen Geduld und müssen einen kühlen Kopf bewahren, wenn sie dem Baby auf die Welt helfen. Dann ist es geschafft: Felix ist da - gesund und munter. Stefanie kümmert sich um den Kleinen - wiegt und misst ihn und kontrolliert, ob alles richtig entwickelt ist. Die Geburt eines Kindes ist für sie jedes Mal ein ganz besonderer Moment. Doch es treten immer wieder auch Probleme auf.

"Das ist was, was jede Hebamme im Laufe ihres Lebens öfter erleben wird, weil das auch dazugehört, sei es in Form einer Fehlgeburt in den frühen Wochen oder was dann noch tragischer ist, sind die reifen Kinder, die dann tot geboren werden. Das ist ein Lernprozess, mit der Erfahrung lernt man damit umzugehen und sich ein bisschen abzugrenzen und auch Gefühle zuzulassen und das versuchen wir den Schülerinnen hier zu vermitteln, dass sie auch mitweinen können."

Cornelia Enunwa-Krell, Hebamme

Entspannungsübungen und Atemtechniken

Geburtsvorbereitungskurs

Das Geburtshaus Regenbogen in Neustadt an der Aisch. Gaby Renkl hat schon viele tausend Babys auf die Welt gebracht - früher in der Klinik, heute als freiberufliche Hebamme in ihrem Geburtshaus. Mit ihren Kolleginnen bietet sie Geburtsvorbereitungskurse an. Darin geht es um Entspannungsübungen und Atemtechniken. Gaby Renkl begleitet die jungen Eltern und ihren Nachwuchs auch nach der Geburt. Bei Hausbesuchen steht sie ihnen zur Seite und gibt zum Beispiel Tipps rund um die Säuglingspflege. Die Entbindungen im Geburtshaus führen Gaby Renkl und eine weitere Hebamme durch. Sie müssen sehr flexibel sein. Eine natürliche Geburt braucht ihre Zeit. Wenn eine Hebamme erschöpft ist, springt die zweite ein.

Wichtig: Bei Geburten kann es auch immer wieder zu Problemen kommen. Hebammen schließen Haftpflichtversicherungen ab, die sie gegen mögliche Fehler absichern. Solche Versicherungen sind sehr teuer. Viele Freiberuflerinnen können sich die Prämien nicht leisten und haben sich auf Geburtsvorbereitungskurse und Nachsorge spezialisiert, führen aber keine Geburten mehr durch.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Ausbildungsorte: Ausbildung an Hebammenschulen, u. a. Mitarbeit im Kreißsaal.
  • Prüfung: Prüfung wird an der Hebammenschule abgelegt und umfasst einen schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil.
  • Zugang: Voraussetzung ist die Mittlere Reife oder der Hauptschulabschluss plus abgeschlossene Berufsausbildung (entspricht mittlerem Abschluss).
  • Eignung: Hebammen brauchen ein gutes Gespür für Menschen und Einfühlungsvermögen. Sie tragen große Verantwortung und müssen in Stresssituationen einen kühlen Kopf bewahren. Biologische und anatomische Kenntnisse sind von Vorteil.
  • Perspektiven: Kreißsaalleitung, Selbstständigkeit, Studium (z.B. Pflegepädagogik)
  • Alternativen: Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-in Gesundheits- und Krankenpfleger/-in

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Arbeitszeit

Hebammen arbeiten häufig im Schichtdienst - mal nachts, mal früh morgens oder in den Abend hinein. Freiberufliche Hebammen haben immer wieder auch Rufbereitschaft, das heißt, sie werden kurzfristig zur Geburt geholt. Sie müssen sehr flexibel sein.

Genauigkeit

Trotz der variablen, manchmal anstrengenden Arbeitszeiten, müssen Hebammen sehr sorgfältig arbeiten - sei es bei einer Entbindung oder bei der Vorbereitung der Medikamente.

Kommunikation

Werdende Mütter durchleben bei der Geburt eine Extremsituation. Hebammen beruhigen sie in dieser Phase und erklären die wichtigen Schritte.


13