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Goldschmied/-in Die Herren der Ringe

Goldschmiede arbeiten in einem Handwerk mit hohem Glamourfaktor. Bis eine Kette fertig ist, können Tage oder Wochen vergehen und der Goldschmied ist vom allerersten Feilen bis zum fertigen Stück immer voll dabei.

Stand: 28.10.2015

Geduld, Fingerfertigkeit, Geschick, Kreativität, Sorgfalt und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen - das sind einige der Anforderungen für einen angehenden Goldschmied. Meist absolvieren die Lehrlinge ihre Ausbildung in Goldschmiede-Werkstätten - der Beruf wird aber auch in Betrieben der Schmuckindustrie gelehrt. Viel Sitzfleisch ist nötig - manchmal arbeitet man stundenlang an einem Schmuckstück. Feilen, löten, sägen - Azubis wie die 22jährige Pia Heuser aus Würzburg lernen unterschiedliche Möglichkeiten kennen, mit Gold und Platin umzugehen und daraus Schmuck zu fertigen. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, Schmuckstücke umzuarbeiten, kaputten Schmuck zu reparieren, Entwurfskizzen anzufertigen, Legierungen zu schmelzen und zu gießen, Bleche zu walzen und Drähte zu ziehen und eigene Entwürfe zu zeichnen. In der Werkstatt hat sie auch mit gefährlichen und giftigen Stoffen zu tun - mit Laugen und Säuren, mit denen die Edelmetalle bearbeitet werden.

"Löten macht mir Spaß, Sägen macht Spaß, Feilen macht mir Spaß und halt auch - wenn ich ein Blech hab und draus was machen kann, so dass ich am Schluss sehe, was ich geschafft hab."

Jana Scheidt, Azubi

Staatlich geprüft

Unterricht in der Berufsschule

Insgesamt dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung - im dritten Lehrjahr spezialisieren sich die Azubis dann auf eine der drei Fachrichtungen "Schmuck", "Ketten" oder "Juwelen". Meist findet die Ausbildung dual statt, das heißt im Betrieb und in der Berufsschule. Es gibt aber auch Berufsfachschulen, zum Beispiel in Hanau oder Pforzheim, die in dreieinhalb Jahren zum Abschluß "Staatlich geprüfter Goldschmied/in" führen.

Kostspielige Ausbildung

Goldschmuck

Einen Ausbildungsplatz zu finden ist nicht einfach. Zwar steigt die Anzahl der Goldschmiedebetriebe schon seit Jahren, aber immer weniger bilden aus. Der Grund: Eine Ausbildung ist sehr kostspielig, weil der Azubi mit wertvollen Materialien umgehen muss. Immer weniger Betriebe wollen sich dieses "Draufzahlgeschäft" leisten. Wer sich für einen Ausbildungsplatz interessiert, muss häufig erst mal ein paar Tage oder Wochen probe arbeiten oder ein Praktikum machen. Wer die Ausbildung erfolgreich absolviert hat, hat sehr viele Möglichkeiten, wie es mit der Karriere weitergehen kann. Man kann sich zum Beispiel, auch ohne Meistertitel, selbständig machen, denn das Goldschmiedehandwerk ist seit einigen Jahren ein zulassungsfreies Handwerk oder eine Fortbildung zum Edelmetallgestalter wählen oder ein Studium im Bereich Schmuck und Design dranhängen.

"Die manuelle Begabung ist essentiell, und deswegen lassen wir jeden, der sich um einen Ausbildungsplatz bewirbt, und der von seinen Vorkenntnissen, vom background her in Frage kommt, probearbeiten. Schulnoten sind uns nicht so wichtig. Wer ins Team passt, wird zum Probearbeiten eingeladen, also eine Art Praktikum - und der muss dann hier 2-3 Wochen lang zeigen, wie es gehen könnte - und da trennt sich sehr schnell die Spreu vom Weizen."

(Markus Engert, Gold- und Silberschmiedemeister und Gemmologe in Würzburg)

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Goldschmied/in
  • Ausbildungsrichtungen: Im dritten Lehrjahr spezialisieren sich Goldschmied-Azubis auf eine der drei Fachrichtungen Schmuck / Ketten / Juwelen
  • Ausbildungsdauer: 3,5 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule
  • Prüfung: Die Prüfung wird bei Ausbildung im Handwerk bei der Handwerkskammer, bei Ausbildung in der Industrie bei der Industrie- und Handelskammer abgelegt.
  • Ausbildungsorte: Überwiegend absolvieren Auszubildende ihre Ausbildung in Goldschmiedewerkstätten des Handwerks oder in Unternehmen der Schmuckindustrie. Meist sind sie in Werkstätten tätig.
  • Zugang: Keine formalen Zugangsvoraussetzungen, aber im Handwerk nehmen viele Betriebe Jugendliche mit Abitur (42 %) oder Mittlerer Reife (31 %), in der Industrie haben die meisten Azubis Mittlere Reife oder Hauptschulabschluss.
  • Eignung: Neigung zu handwerklich-gestaltender Tätigkeit, zu Präzisionsarbeit, zu zeichnerischer Tätigkeit und zum Umgang mit Kunden. Außerdem sind Vorliebe für Umgang mit dem Werkstoff Metall und Interesse an Mode und Modeströmungen hilfreich.
  • Perspektiven: Während in kleineren Handwerksbetrieben noch Generalisten gefragt sind, die alle anfallenden Arbeiten erledigen, ist in der Industrie meist eine Spezialisierung auf bestimmte Tätigkeiten erforderlich. Zudem ist das Goldschmiedehandwerk ein zulassungsfreies Handwerk. Das heißt, Goldschmiedinnen und Goldschmiede können sich auch ohne langjährige Berufserfahrung selbstständig machen.
  • Alternativen: Silberschmied/in, Designer/in, Metallbildner/in, Graveur/in, Edelsteinfasser/in, Edelsteinschleifer/in

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Verdienstmöglichkeiten

Was ein Goldschmied-Lehrling verdient, hängt davon ab, ob er in der Industrie oder im Handwerk arbeitet. Während ein Auszubildender im Handwerk mit 205 Euro (Bayern) einsteigt, sind es in der Industrie 701 Euro (alte Bundesländer). Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur.

Kreativität

Ketten, Armreifen und Broschen sind in der Regel Einzelstücke. Besonders im Handwerk müssen Goldschmiede deshalb äußerst kreativ sein, um Trends und Kundenwünsche umsetzen und sich am Markt behaupten zu können.

Geschicklichkeit

Gestalterisches und handwerkliches Geschick brauchen Goldschmiede von Anfang an: Sie entwerfen Schmuck und Gerät aus Gold und Goldlegierungen, glühen Werkstücke weich und schmieden sie.

Gefahrenpotenzial

An die Arbeit bei künstlicher Dauerbeleuchtung müssen sich Goldschmiede ebenso gewöhnen wie an die Gerüche von Lösungsmitteln und Säuren. Nur durch ein hohes Maß an Konzentration können Unfälle vermieden werden - beispielsweise bei der Arbeit mit Ätzlösungen.


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