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Glasveredler/-in Gläserne Kunst

In der Fachrichtung Glasmalerei und Kunstverglasung gestalten Glasveredler Dekore, bearbeiten Oberflächen, verformen und verschmelzen Glas und ähnliche Stoffe. Außerdem setzen sie Kunstverglasungen instand und restaurieren diese auch.

Stand: 08.08.2013

Mit ruhiger Hand zeichnet Marija Kolesnika die Kontur einer Blüte auf Glas. "Sollte ich einen Strich verwackeln oder falsch ziehen, kann ich das noch korrigieren", sagt sie. "Aber wenn ich das Glas in den Brennofen lege, bleiben die Umrisse fest." Die 24-jährige Lettin hat vor zwei Jahren ihre Ausbildung in der Mayer'schen Hofkunstanstalt in München begonnen. "Ich habe schon als Kind gerne gezeichnet", erzählt sie, während sie das Glas wieder aus dem Brennofen nimmt. Nun kommt der nächste Schritt: Marija überzieht das Glas mit Farbe, die sie anschließend mit Pinzeln, Hölzern und anderen Werkzeugen teilweise wieder abnimmt. "So setze ich Licht und Schatten." Dann erst mischt sie die bleihaltigen Buntfarben an. "Die Pigmente muss man sofort binden, weil der Staub giftig ist." Nun trägt sie die Farbe mit einem Pinsel auf. Dabei muss sie präzise arbeiten, vor allem an den Rändern und in den Ecken. Auch hier gilt: Solange das Glas nicht im Brennofen liegt, lassen sich Fehler noch korrigieren.

"Glas ist ein toller Werkstoff. Man kann unheimlich viele verschiedene Sachen damit machen, zum Beispiel darauf malen, es sandstrahlen oder die berfläche mit Airbrush behandeln. Das Ergebnis ist immer wieder einzigartig."

Marija Kolesnika, 2. Lehrjahr (24 Jahre)

Erfahrung und Fingerspitzengefühl

Während ihrer Ausbildung lernt Marija viele unterschiedliche Mal- und Drucktechniken. "Farbe mit der Airbrush-Pistole aufzutragen ist viel schwieriger als es aussieht, weil sie schwierig zu dosieren ist." Entsprechend viel Übung ist nötig, bis Glasveredler mit dieser Technik eine gleichmäßige Fläche hinbekommen. Noch schwieriger ist es, Farbübergänge zu gestalten. "Da braucht man viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl", weiß Marija.

"Die Glasmaler" in Borchen bei Paderborn: Hier hat Annkathrin Striewe vor vier Jahren ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Der Betrieb hat sich auf die Restaurierung und Instandsetzung historischer Bleiverglasungen spezialisiert. Zurzeit rekonstruieren Annkathrin und ihre Kollegen ein Kirchenfenster, das in den Kölner Dom eingesetzt werden soll. Insgesamt 28 Ornamentfelder, jedes von ihnen besteht aus 562 Einzelgläsern. Im ersten Schritt schneidet die 25-Jährige die Schablonen zu, mit deren Hilfe sie anschließend die Gläser ausschneidet. Dabei muss sie vorsichtig sein, denn neben scharfen Kanten entseht auch Glasstaub, der Atembeschwerden verursachen kann.

"Wenn man zum Beispiel ein Kirchenfenster vom Kölner Dom restauriert und sich das irgendwann vor Ort anschaut - das macht einen schon sehr stolz zu sehen, wie das Fenster wieder in neuem Glanz erstrahlt."

Annkathrin Striewe, Glasveredlerin

Puzzle aus Glas

Am Ende liegen die einzelnen Gläser wie ein riesiges Puzzle aneinander. Stück für Stück verbindet Annkathrin die Teile mit Bleikernen, die sie an den Kreuzungspunkten verlötet. "Bis dieses Ornamentfeld fertig ist, brauche ich bestimmt eine Woche", schätzt sie, "und sehr viel Geduld."

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Glasveredler/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule, wo der Unterricht in der Regel in Blockform stattfindet. Wer sich für eine rein schulische Ausbildung entscheidet, erlernt den Beruf auf einer Fachschule. Die einzige in Süddeutschland steht im niederbayerischen Zwiesel. Der Besuch ist kostenlos.
  • Zugang: Grundsätzlich ist kein Schulabschluss vorgeschrieben. Die Betriebe stellen überwiegend Bewerber mit Mittlerer Reife oder Abitur ein.
  • Eignung: Glasveredler dürfen nicht farbenblind sein. Sie müssen ein Gefühl für Formen und Farben haben und neben handwerklichem Geschick künstlerisches Talent mitbringen. Außerdem wird in diesem Beruf viel Geduld verlangt.
  • Wichtige Schulfächer: Wer Spaß im Kunstunterricht hat und dort gerne zeichnet und gestaltet, bringt gute Voraussetzungen mit. Außerdem wichtig: Freude an den Fächern Werken/Technik.
  • Perspektiven: Nach bestandener Gesellenprüfung können Glasveredler die Meisterprüfung ablegen und/oder sich mit einem eigenen Betrieb selbstständig machen. Einige entscheiden sich nach ihrer Lehre für ein Studium. Daneben gibt es zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten, zum Beispiel zum/zur Restaurator/-in, zum/zur Glastechniker/-in - Produktdesign oder zum/zur Gestalter/-in im Handwerk.

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Info

Bereits vor Beginn der Ausbildung müssen sich angehende Glasveredler für eine von drei Fachrichtungen entscheiden. Neben "Glasmalerei und Kunstverglasung" gibt es "Kanten- und Flächenveredlung" sowie "Schliff und Gravur".

Genauigkeit

Glasveredler müssen präzise arbeiten. Gerade wenn sie Bleiverglasungen anfertigen, müssen die einzelnen Scheiben auf den Millimeter genau zugeschnitten sein, damit sie exakt aneinander passen. Auch beim Malen ist Sorgfalt sehr wichtig.

Geschick

Glasveredler lernen viele unterschiedliche Mal- und Drucktechniken. Um sie zu beherrschen, benötigen sie viel Übung, Fingerspitzengefühl und handwerkliches Geschick.


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