ARD-alpha - Ich mach's!


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Glasbläser/-in Durchsichtiges Gold

Glasa - so nannten die Germanen alles Glänzende, alles Schimmernde. Daher stammt das Wort für Glas. Seit 7.000 Jahren kennen die Menschen Glas. Um Christi Geburt herum revolutionierte die Erfindung der Glasmacherpfeife seine Herstellung.

Stand: 11.11.2015

Glasmacher und Glasbläser - die Berufe verbinden Tradition und modernste Fertigungstechnik. Bei Glasbläsern sind folgende Fähigkeiten gefragt: Interesse am Umgang mit Glas, handwerkliches und künstlerisches Geschick. Preiswerte Gläser für die breite Masse werden längst maschinell hergestellt. Dazu braucht es keine Glasbläser. Aber keine Maschine dieser Welt fertigt wertige und exklusive Gläser, die es mit dem Mund geblasenen Unikaten aufnehmen können. Kreativität gehört zu den Stärken der Glasbläser. Die genauen Arbeitszeiten unterscheiden sich von Betrieb zu Betrieb. Frühschichten aber sind in den großen Betrieben die Regel. Das war früher schon so. Wegen der extremen Hitze vor den Öfen nutzen die Glasmacher die kühlen Nachtstunden für ihre Arbeit. Die Glasmacherpfeife und der glühende Glasballon wiegen zusammen deutlich über zwanzig Kilo. Dazu kommt die Akkord-Arbeit. Ohne körperliche Fitness und gesunden Lungen geht in dem Job gar nichts.

Keine Chance ohne Stempel

Die Berufe Glasmacher und Glasbläser überschneiden sich in vielen Bereichen. Grob vereinfacht: Glasmacher produzieren große, schwere Glasartikel, während Glasbläser überwiegend Hohlglasprodukte fertigen. Neben den klassisch ausgebildeten Glasmachern arbeiten in den Glashütten manchmal auch angelernte Glasmacher. Wer beweist, dass er das Zeug dazu hat, der darf nach einigen Jahren an die Glasmacherpfeife. Die Ausbildung in der Berufsschule und im Betrieb bietet einige Vorteile, die angelernte Mitarbeiter nicht haben: Meist verdienen Glasbläser mit Gesellenbrief besser. Und: Das Abschlusszeugnis in der Tasche macht einen Wechsel in andere Betriebe einfacher. Die Personalchefs können nicht jeden Bewerber Probe arbeiten lassen. Ein angelernter Glasmacher kann noch so gut sein - ohne offiziellen Stempel bekommt er vielleicht keine Chance es zu beweisen.

Selbstständig nur mit Meisterbrief

Glasmacher und Glasbläser können sich nur mit Meisterbrief selbstständig machen. Durch das 2005 novellierte Berufsbildungsgesetz dürfen Lehrlinge einen Teil ihrer Ausbildung im europäischen Ausland absolvieren. Insgesamt werden bei Glasmachern und Glasbläsern bis zu neun Monate Auslandslehrzeit anerkannt. Besonders England, Frankreich und Polen pflegen die Glasbläser- und Glasmacherkunst sehr. Ein Auslandsaufenthalt kann sich hier lohnen. Die Bundesagentur für Arbeit hilft bei der Vermittlung von Kurzzeitlehrstellen bei den europäischen Nachbarn.

Künstliche Augen

Neben den Fachrichtungen Christbaumschmuck und Glasgestaltung nennt die Ausbildungsordnung die Fertigung künstlicher Augen als weitere Spezialisierungsmöglichkeit. Dagegen protestieren Hersteller von Augenprothesen seit Jahren vehement. Die Ocularisten fertigen und passen für jeden Patienten die Prothese individuell an. Neben der Fähigkeit, Glas zu bearbeiten, müssen sie vor allem sensibel mit Patienten umgehen können. Menschen mit künstlichen Augen, müssen regelmäßig zur Kontrolle. Mit der Fertigung der Prothese ist es für Ocularisten nicht getan. Deshalb wehrt sich der Berufsstand, in einen Topf mit rein handwerklichen Glasbläsern geschmissen zu werden. Wer sich für die Herstellung von Kunstaugen interessiert, sollte sich in einem Institut für Augenprothesen informieren. Das künstlerische Element ist die Schnittmenge mit den anderen gläsernen Berufen. Der Werkstoff Glas fasziniert durch seine schier unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Glasbläser/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Glasbläser/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO). Diese bundesweit geregelte duale Ausbildung mit Fachrichtungen findet in der Regel im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule statt. Im dritten Ausbildungsjahr erfolgt eine Spezialisierung in einer der folgenden Fachrichtungen: Glasgestaltung, Christbaumschmuck, Kunstaugen.
  • Prüfung: Die Abschluss- bzw. Gesellenprüfung besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil. Die praktische dauert bis zu acht Stunden durchgeführt werden. Der Prüfungsablauf richtet sich nach der Verordnung über die Berufsausbildung zum Glasbläser/zur Glasbläserin.
  • Ausbildungsorte: Überwiegend absolvieren Auszubildende ihre Ausbildung in kunsthandwerklich geprägten (Klein-) Betrieben und Werkstätten mit Einzel- und Serienfertigung oder in Glashütten. Im Bereich der industriellen Glasherstellung befindet sich der Ausbildungsplatz auch in größeren Fabrikhallen. Der Berufsschulunterricht findet zum Teil in Blockform in überregionalen Fachklassen statt.
  • Zugang: Grundsätzlich wird - wie bei allen anerkannten, nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung geregelten Ausbildungsberufen - keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung rechtlich vorgeschrieben. Die Betriebe stellen überwiegend angehende Anlagenmechaniker/innen mit Hauptschulabschluss ein. Bei rein schulischen Ausbildungen zum Glasbläser / zur Glasbläserin sind bei einigen Berufsschulen Eignungstests vorgeschrieben.
  • Eignung: Glasbläser/innen brauchen handwerkliches Geschick, müssen Kreativ und körperlich fit sein. Interesse am Gestalten mit Glas gehört ebenfalls zu den Berufsvoraussetzungen.
  • Perspektiven: Während in kleineren Handwerksbetrieben noch Generalisten gefragt sind, die alle anfallenden Arbeiten erledigen, ist in der Industrie meist eine Spezialisierung auf bestimmte Tätigkeiten erforderlich. Der Arbeitsmarkt für Glasbläser/innen ist regional sehr unterschiedlich. In den vergangenen Jahren kamen viele deutsche Glasmanufakturen durch preiswerte Glasprodukte aus dem Ausland unter Druck.
  • Alternativen: Glasmacher/in, Glasapparatebauer/in, Glasveredler/in, Leuchtröhrenglasbläser/in

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Kraft

Glasmacherpfeife und der glühende Glasballon können zusammen über zwanzig Kilo wiegen. Körperliche Fitness und eine kräftige Lunge sind Voraussetzungen für den Beruf.

Team

Gläsbläser sind meist in eine sogenannte Werkstelle eingebunden. Dort arbeiten sie im Team. Die Glasbläser helfen sich untereinander und profitieren stets von den Tipps der anderen.


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