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Gerber/-in Mit Haut und Haar dabei

Gerber fabrizieren aus Rohprodukten edles Leder, indem sie Rohhäute und Naturfelle vorbehandeln, gerben und zurichten. Die Rohhäute werden zu Automobilleder, Polsterstoffen, Schuhleder, Satteln oder Taschen weiterverarbeitet.

Stand: 10.10.2011

René Geupel und Dominik Vogel lernen im dritten Lehrjahr den Beruf des Gerbers in der Firma "Südleder" im oberfänkischen Rehau. Ihr Arbeitstag beginnt um sechs Uhr und endet um 14.00 Uhr. Das Unternehmen verarbeitet Rinderhäute frisch aus dem Schlachthof. Zuerst die Rohware reinigen und vom Haarkleid befreien: Das passiert in riesigen hölzernen Fässern, die ständig rotieren. An die Gerüche von nassem Tierhaar und den Lärm der Maschinen müssen sich die angehenden Gerber gewöhnen.

Aus Haut wird Leder

Die enthaarte Rinderhaut wird in zwei Lagen gespalten: Mit Schwung hebt René mit einem Kollegen die schweren, glitschigen Häute vor die Messer der Spaltmaschine. Dominik wiegt in der Zwischenzeit die chemischen Zusätze zur Weiterbehandlung ab: Die Haut muss weichen, quellen und ins Säurebad, bevor sie überhaupt gegerbt werden kann. Grundkenntnisse in Naturwissenschaften sollte ein Azubi mitbringen. Für den Umgang mit Chemikalien ist Schutzkleidung vonnöten - Dominik trägt eine Staubmaske, Arbeitshandschuhe und eine Schutzbrille. Sobald die Gerbung abgeschlossen ist, heißt die Ware "Leder". Dominik und René sind begeistert, welch edlen Werkstoff ein Gerber herstellen kann - ein schimmerndes Produkt, weich, haltbar, hitze- und formbeständig.

"Es gibt vielseitige verschiedene Tätigkeiten, es ist einfach sehr abwechslungsreich - allein, wenn die Rohhaut kommt und wenn sie dann gewaschen wird, in den Äscher kommt, bis zur Färbung - man sieht Schritt für Schritt die verschiedenen Eigenschaften."

Dominik Vogel (22), 3. Lehrjahr

Glätten, kämmen und bügeln

Die Ausbildung zum Gerber dauert drei Jahre. René und Dominik lernen in der Lederindustrie. Man kann die Lehre aber auch im Handwerk absolvieren - wie Franz Hofbrucker, der in der Firma seines Vaters in Ruhmannsfelden im bayerischen Wald lernt. Dieser Betrieb veredelt Lammfelle. Weichen, gerben, glätten, kämmen, bügeln - im zweiten Lehrjahr kennt Franz die Arbeitsschritte. Am liebsten arbeitet er an der Bügelmaschine - da sieht er das flauschige Endprodukt.

"Ich habe vorher verschiedene Praktika gemacht, unter anderem als KFZ-Mechatroniker oder auch als Verfahrensmechaniker. Ich fand aber, das war nicht so ganz, was mir entsprochen hat. Deswegen habe ich hier eine Bewerbung geschickt, Praktikum gemacht und ich war total fasziniert vom ersten Tag an, wie man aus so einer ekligen, stinkenden Haut so einen edlen Werkstoff wie Leder herstellen kann."

René Geupel (19), 3. Lehrjahr

Die Berufsschule absolvieren Franz, René und Dominik jeweils im Blockunterricht sechs bis acht Wochen lang in der Berufsschule in Reutlingen. In der "Bundesfachklasse" werden sämtliche Gerber-Auszubildenden aus dem deutschsprachigen Raum unterrichtet. Es sind nicht mehr viele, pro Jahrgang gerade mal ein bis zwei Dutzend, nur wenige Frauen sind dabei.

Ein Beruf mit Tradition

Nach Abschluss der Ausbildung können die jungen Gerber noch den Meister draufsatteln oder studieren. Gute Gerber sind auch im Ausland gefragt. Der Beruf hat eine jahrhundertealte Tradition. Und der Bedarf ist da: Wenn Rinder oder Lämmer geschlachtet werden, müssen die Rohhäute und Felle weiterverarbeitet werden.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Berufsbezeichnung: Gerber/-in
  • Ausbildungsdauer: drei Jahre
  • Ausbildungsorte: Industrie- oder Handwerksbetrieb; dazu Berufsschule in Reutlingen (Baden Württemberg) in der Bundesfachklasse
  • Eignung: Die Azubis sollen Grundkenntnisse in Chemie mitbringen, gerne mit Naturprodukten umgehen und genau arbeiten
  • Zugang: kein bestimmter Schulabschluss gefordert
  • Ausbildungsvergütung: (Beispiel) 1. Lehrjahr.: 620 Euro, 2. Lehrjahr: 665 Euro, 3. Lehrjahr: 705 Euro.
  • Perspektiven: Bedarf nach Gerbern wird es immer geben. Solange Menschen Fleisch essen, fallen Rohhäute an, die verarbeitet werden müssen. Gerber können ihren Beruf auch international ausüben.

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Beim Abwiegen der Chemikalien müssen die Gerber-Azubis die vorgegebenen Rezepturen genau beachten. In der Färberei muss der Farbton exakt passen, sonst stimmt später das gefärbte Leder nicht mit dem Musterstück überein.

Kleidung

Gerber haben viel mit Chemikalien zu tun. Deshalb müssen sie sich schützen: mit Staubmaske, Schutzbrille und Handschuhen. Wenn die Rinderhäute an der Maschine gespalten werden, tragen Gerber eine Gummischürze.


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