ARD-alpha - Ich mach's!


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Geigenbauer/-in Faszination aus Handwerk und Musik

Geigen sind empfindliche Instrumente mit charakteristischem Ton und sehr aufwendig herzustellen. Weit über 100 Arbeitsschritte sind notwendig, bis ein Musiker endlich darauf spielen kann.

Stand: 17.03.2015

Der 21-jährige Roland Strobl stammt aus einer Musikerfamilie. Wie seine zwei Schwestern lernte er schon als kleiner Junge das Geigespielen. Mit Handwerk und mit Holz sollte sein Beruf etwas zu tun haben. Und so fand er einen Ausbildungsplatz beim Münchner Geigenbaumeister Robert Eibl.

Aus einem Holzklotz entsteht eine Geige

Holzrohling für den Geigenbau

In der kleinen Werkstatt geht es erst einmal los mit groben Schreinerarbeiten. Sein Meister hat für neue Geigendecken Fichtenhölzer gekauft. Noch liegen die groben Stämme herum und niemand kann sich vorstellen, dass daraus einmal Millimeter dünne Decken werden. Roland hobelt unter Anleitung das rohe Holz ab und schneidet es mit der Bandsäge auf. Dabei muss er sich sehr konzentrieren und auf seine Finger achten. Später stößt er mit einem frisch geschliffenen Hohlmesser die charakteristische Wölbung einer Geigendecke in das Fichtenholz.

Dazu braucht er Geschick, Geduld und Ausdauer. Das fällt ihm noch relativ leicht, denn Fichte ist ein Weichholz. Schwerer ist dann schon die Bearbeitung vom Geigenboden. Der besteht aus Ahorn, einem Hartholz.

"Handwerk war ich mir schon relativ sicher, dass ich da was machen will. Was genau, wusste ich noch nicht. Durch meine Liebe zur Geige bin ich dazugekommen. Und Holz hat mir schon immer sehr Spaß gemacht, zu bearbeiten."

Roland Strobl, 1. Lehrjahr

Roland hat schon einiges gelernt. Manchmal repariert er auch alte Instrumente. Da fehlt mal ein Bassbalken, der die Decke stabilisiert. Er misst die genaue Position aus, und hobelt und schleift solange, bis Decke und Balken zusammenpassen.

Entwurf am Computer

In der Mittelschule Geigenbauschule lernt er in der Berufsschulklasse die nötige Theorie: Konstruktionspläne für verschiedene Modelle entwerfen manche Geigenbauer heute schon am Computer und  für ein paar Euro lassen sich Messaufbauten installieren, mit denen man die Eigenresonanz einer Geige bestimmen kann. Ein wichtiges Kontrollmittel nach der Fertigstellung eines Instruments. In der berühmten Schule trifft er die anderen angehenden Geigenbauer, die hier dieses Handwerk lernen. Die lernen genauso wie er das Bauen, Lackieren und Reparieren von Geigen, nehmen aber hier zusätzlich noch regelmäßig am Musikunterricht teil.

Weltweit begehrt

Geigenschnecke

Alle diese Auszubildenden und Schüler wollen einmal soweit kommen wie der Geigenbaumeister Günter Lobe aus Bubenreuth. Er ist schon seit 23 Jahren selbstständig und kopiert die berühmten Geigen italienischer Baumeister wie Stradivari, Amati oder Guarneri. Das gelingt ihm so gut, dass seine Geigen, Bratschen und Celli in der ganzen Welt begehrt sind.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Geigenbauer/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre - An schulischen Bildungsstätten bis zu 3,5 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule, Schulische Ausbildung
  • Ausbildungsorte: Im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule, in Geigenbauschulen
  • Zugang: rechtlich: keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben; praktiziert: Mittlere Reife oder Abitur; an Schulen: Aufnahmeprüfung, Vorlage einer Mappe, Fertigkeiten im Spielen eines Instruments
  • Eignung: Kenntnisse und Freude an handwerklichen Arbeiten, Kenntnisse im technischen Zeichnen, Fertigkeiten im Spielen eines Streichinstrumentes förderlich. Verständnis für Mathematik und Physik
  • Perspektiven: Beschäftigung in Betrieben des Geigenbauhandwerks, Reparaturwerkstätten des Musikalien-Fachhandels oder Restaurierungsabteilungen in Museen
  • Weiterbildung: Zum Meister/-in, Schritt in die Selbstständigkeit, Spezialisierung (zum Beispiel Stegmacher)
  • Ausbildungsalternativen: Zupfinstrumentenmacher/Zupfinstrumentenmacherin, Holzblasinstrumentenmacher/Holzblasinstrumentenmacherin, Bogenmacher/Bogenmacherin

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Die Wölbung einer Geigendecke muss vollkommen gleichmäßig sein. Deshalb messen Geigenbauer die Stärke von Decke, aber auch vom Boden regelmäßig genau nach und gleichen jede Abweichung aus. Präzises Arbeiten im Millimeter-Bereich verlangen alle Detail einer Geige.

Geschick

Aus verschiedenen Holzarten sägen, hobeln, schleifen und schnitzen Geigenbauer Instrumentenböden, - decken, Zargen, Hälse und Schnecken. Dafür verwenden sie Bandsägen genauso wie Hohlmesser, Wölbungshobel oder Ziehklingen. Hochwertige Instrumente entstehen in sorgfältiger, geduldiger Handarbeit.

Kraft

Um eine Decke aus rohem Holz mit dem Hohlmesser auszustoßen, muss der Geigenbauer bis zu zwei Tage lang auch mit Kraft Holz abtragen. Bei dem Weichholz Fichte ist das noch einfacher, besonders anstrengend ist die Ausarbeitung des Hartholzes Ahorn.


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