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Fluggerätmechaniker/-in Der Traum vom Fliegen

Fliegen wie ein Vogel - ein alter Menschheitstraum. Wahr wird er dank der Fluggerätmechaniker - hochspezialisierte Fachkräfte, die Helikopter bauen, Flugzeuge warten und Triebwerke zusammen schrauben.

Stand: 24.07.2017

Konzentriert nimmt Andreas Atzenhofer ein nur wenige Zentimeter großes Schaufelblatt und steckt es in einen Metallring - genau nach Vorlage. Fast hundert solcher Schaufelblätter stehen in einem Kasten vor ihm. Ein Computer hat jedes einzelne von ihnen vermessen und ihm eine genaue Position zugewiesen. Der Metallring ist der Rotor für ein Triebwerk. Und das wird mal einem Militär-Jet, einem Eurofighter, Schub geben - falls nötig bis auf Überschallgeschwindigkeit.

Montage eines Triebwerks

Andreas macht bei MTU in München eine Ausbildung zum Fluggerätmechaniker. Dabei kommt er herum im Unternehmen, lernt das Bearbeiten von Bauteilen, den Einbau von Triebwerken in Kampfjets und die Wartung. Am Spannendsten aber ist die Montage - wenn ein neues Triebwerk entsteht. Insgesamt 15 Module werden dabei nach und nach zusammengesetzt und verkabelt - wie ein großes dreidimensionales Puzzle. Und das alles in Handarbeit.

Ein Hubschrauber mit 1618 Nieten

Zusammenbau einer Hubschrauberzelle

Drei verschiedene Fachrichtungen gibt es für Fluggerätmechaniker - Andreas hat sich für die Triebwerkstechnik entschieden, Corina Rau für die Fertigungstechnik. Sie arbeitet bei Eurocopter und baut Hubschrauber - genauer gesagt: die Hubschrauberzelle. Mehrere Bauteile aus leichtem Kohlefaserverbund werden dabei zusammengesetzt und durch Nieten verbunden. Die halten auch starken Kräften während des Flugs stand. 1618 Nieten schießt oder steckt Corina - 1618 Mal der gleiche Handgriff, häufig über Kopf oder in der Hocke. Routine - könnte man meinen. Stimmt aber nur zum Teil. Denn jeder Helikopter ist anders - je nach Wunsch des Kunden: Polizei, Rettungsdienste oder Privatleute irgendwo auf der Welt.

Das längste Flugzeug der Welt

Hunderte Starts und Landungen erlebt Michal Stanglmair am Tag - und bleibt trotzdem immer auf dem Boden. Denn Michael arbeitet in einer riesigen Halle der Lufthansa Technik am München Flughafen - direkt neben der Startbahn. Er hat sich spezialisiert auf die Instandhaltungstechnik, die dritte Fachrichtung, und wartet Langstreckenjets - Supervögel wie den Airbus A340-600, das längste Flugzeug der Welt. Gerade steht Michael unter dem Heck des Fliegers - und mustert das riesige Seitenruder. Der A-Check steht an, eine Routine-Wartung, die alle paar Monate durchgeführt wird. Michael kontrolliert Rumpf, Fahrwerk, Tragflächen und Ruder. Dabei sitzt ihm die Uhr im Nacken: Nur 24 Stunden ist das Flugzeug hier, dann soll es schon wieder abheben. Michael und seine Kollegen arbeiten deshalb im Schichtbetrieb, auch nachts, am Wochenende und an Feiertagen.

24-Stunden Inspektion

Der Check ist Routine - fast wie eine Auto-Inspektion, nur ein paar Nummern größer. Michael schmiert das Fahrwerk ab und tauscht in den Triebwerken die Ölfilter aus. Dabei schaut ihm ein Kollege über die Schulter - zur Kontrolle. Fluggerätmechaniker tragen Verantwortung für hunderte Passagiere - und müssen sehr sorgfältig arbeiten. 24 Stunden später ist's geschafft, der Airbus hebt ab zum nächsten Flug über den Atlantik. Michael bleibt zurück - er ist schon mit dem nächsten Flieger beschäftigt. Egal, ob sie Flugzeuge warten, Triebwerke bauen oder Hubschrauber: Er und die anderen Fluggerätmechaniker lassen ihn wahr werden - den Traum vom Fliegen.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Fluggerätmechaniker/-in
  • Ausbildungsdauer: 3,5 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb, meistens mit Ausbildungswerkstatt,  und an der Berufsschule - zum Teil in Blockform in überregionalen Klassen (für Fertigungstechnik in München und Hamburg; für Instandhaltungstechnik in Erding)
  • Prüfung: Industrie- und Handwerkskammer
  • Ausbildungsorte: Betriebe der Luft- und Raumfahrtindustrie, Hersteller von Fluggeräten und Triebwerken, Fluggesellschaften und die Bundeswehr.
  • Zugang: Offiziell vorgeschrieben ist kein bestimmter Schulabschluss - die Unternehmen suchen aber Bewerber mit sehr gutem qualifiziertem Hauptschulabschluss oder mittlerer Reife; für bestimmte Tätigkeiten brauchen Bewerber eine Zuverlässigkeitsüberprüfung nach dem Luftsicherheitsgesetz.
  • Eignung: Bewerber brauchen technisches Verständnis, handwerkliches Geschick, gute Englischkenntnisse und mathematisch-physikalisches Wissen; sie sollten sorgfältig arbeiten und körperlich belastbar sein.
  • Perspektiven: Spezialisierung auf bestimmte Einsatzgebiete; Erwerb von Prüflizenzen für einzelne Fluggeräte; Weiterbildung zum Techniker; Prüfung als Industriemeister; Studium der Luft- und Raumfahrttechnik.
  • Alternativen: Zahlreiche Berufe im Bereich Fahrzeugbau/Kraftfahrzeugtechnik (z.B. Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker, Mechaniker für Karosserieinstandhaltungstechnik, Kraftfahrzeugmechatroniker); im Bereich Maschinenbau/Mechanik (z.B. Industriemechaniker, Fertigungsmechaniker, Werkzeugmechaniker); im Bereich Ausrüstungstechnik/Blechkonstruktionsbau (Konstruktionsmechaniker, Anlagenmechaniker); im Bereich  Elektrotechnik (Elektroniker für Automatisierungstechnik, Elektroniker für Betriebstechnik); im Bereich Feinwerktechnik/Mechatronik (Feinwerkmechaniker, Mechatroniker)

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Verdienstmöglichkeiten

Fluggerätmechaniker bekommen während der Ausbildung durchschnittlich 800 Euro brutto im Monat. Auch danach werden ihr Fachwissen und die Verantwortung, die sie tragen, gut bezahlt: Abhängig von erworbenen Zertifikaten und Prüflizenzen liegt der Monatslohn zwischen 1.800 und 3.000 Euro brutto.

Genauigkeit

Fluggerätmechaniker sind Genauigkeits-Fanatiker - jede Schraube muss an die richtige Stelle, jede Niete wird nach Vorgabe gesteckt. Der Grund: Von ihrer Arbeit hängen Menschenleben ab.

Team

Aus dem gleichen Grund arbeiten Fluggerätmechaniker häufig im Team - durch die gegenseitige Kontrolle werden Fehler schnell entdeckt. Viele Arbeiten werden außerdem doppelt überprüft.

Info

In der Welt von Flugzeugen und Hubschraubern wird Englisch gesprochen. Um Handbücher, Checklisten und Bordcomputer zu verstehen, sollten Fluggerätmechaniker gute Sprachkenntnisse mitbringen.


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