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Feuerungs- und Schornsteinbauer/-in "Gebückt mauern, schwindelfrei montieren"

Feuerungs- und Schornsteinbauer bauen und sanieren industrielle Feuerungsanlagen, die bei extrem hohen Temperaturen funktionieren müssen. Zudem montieren sie die Abgasleitungen.

Stand: 24.08.2017

Beim Bau von Industrieschornsteinen errichten Feuerungs- und Schornsteinbauer die Wände beispielsweise aus Stahlbeton. Dann bringen sie Schornsteinbänder, Schornsteinabdeckungen und Blitzschutzeinrichtungen an. Im Feuerungsbau verarbeiten sie besonders feuerfeste und hitzebeständige Baustoffe. Daneben übernehmen sie Überprüfungs-, Wartungs- und Reparaturarbeiten, stellen zum Beispiel Bauschäden und deren Ursachen fest und führen Instandsetzungsarbeiten durch.

Dominick legt seine Sicherheitsausrüstung an

Dominick Neuberts ist im letzten Lehrjahr seiner dreijährigen Ausbildung zum Feuerungs- und Schornsteinbauer. Seine Berufskleidung besteht aus Arbeitshose, festem Schuhwerk und einer ganzen Reihe von Sicherheitsgurten - wie bei einem Freeclimber. Das liegt daran, dass der Arbeitsplatz des 20-Jährigen 40 Meter über dem Erdboden liegt. Sein Arbeitgeber, die Düsseldorfer Firma Heinicke, saniert im baden-württembergischen Süßen einen Schornstein. Da oben auf dem Gerüst hängt sich Dominick mit einem so genannten Langhänger in ein Stahlseil ein, das rund um den Kamin läuft. Damit ist er gegen einen Absturz gesichert und kann mit seiner Arbeit beginnen. Sein Trupp, bestehend aus Vormann, zwei Gesellen und ihm selbst, muss alte Steine abtragen und dann einen neuen Kopf auf den hundert Jahre alten Kamin mauern.

"Ich fühl' mich schon ein bisschen wie der König der Handwerker. Das Gefühl hier oben, die Aussicht, das ist schon atemberaubend."

Dominick Neubert (20), drittes Lehrjahr

Nach dem Mauern steht eine ganz besondere Aufgabe an: Die Männer hieven mit Hilfe eines Krans ein neues Kaminrohr aus Stahl nach oben, das in den alten Kamin hineinmontiert wird. Die Teile, die oben zusammengeschraubt und dann in den Schacht hinabgelassen werden, wiegen jedes eine halbe Tonne. Der erfahrene Vormann Stephan Ritter dirigiert den Kranführer mit dem Walkie-Talkie. Es geht um Zentimeter, und es geht langsam. So ein Rohrteil darf nicht ins Schwingen kommen. Dann könnte es den Kamin beschädigen oder gar die Männer gefährden, die hier oben keine Möglichkeit haben, auszuweichen.

Darren bei der Arbeit im Hubbalkenofen

Im nordrhein-westfälischen Schwerte steigt zur selben Zeit der 21-jährige Darren Keenan in einen so genannten Hubbalkenofen der Firma Hösch ein. Der Ofen, der ansonsten Stahl zum Schmelzen bringt, ist zurzeit stillgelegt. Darren ist im dritten Lehrjahr und an die harte Arbeit schon gewöhnt. Seit einer Woche mauert und betoniert er in dem nur anderthalb Meter hohen Ofen - immer in gebückter Haltung. Der vermauerte Stein ist ein feuerfester Schamottestein, der federleicht ist. Der Spezialbeton wird mit Stahlnadeln angereichert, die ihn abriebfester machen für seine Aufgabe. Später wird er bei bis zu 1.400 Grad geschmolzene Stahlbalken zum Walzwerk weiterleiten. Sein Arbeitgeber und Ausbilder, Christian Möhring, ist schon lange im Geschäft und gibt Darren viele Tipps.

"Es ist kein Job für Weicheier - auf Deutsch gesagt. Die Jungs müssen in dreckige Öfen. Die sind belastet mit allen möglichen Metallen und Schlacken. Es ist ein schmutziger Beruf. Es steht an erster Stelle immer der Abbruch. Es muss altes Material abgebrochen werden, bevor das neue wieder reinkommt. Diese Arbeit ist natürlich sehr anstrengend und belastet den Körper stark."

Christian Möhring, Meister

Beide Azubis, Darren genauso wie Dominick, sind viel auf Montage, und ein Acht-Stunden-Tag kann auch schon mal zehn Stunden dauern. Sie sind viel von zu Hause weg, manchmal ein bis zwei Wochen lang. Dann wohnen sie in Pensionen oder kleinen Hotels in der Nähe der Baustelle. Da leidet das Privatleben schon.

Harte Arbeit, tolle Aussicht: Schornsteinabbruch in 40 Metern Höhe

Sie arbeiten hart. Dafür ist die Ausbildungsvergütung überdurchschnittlich gut, und auch später verdienen sie ordentlich. Feuerungs- und Schornsteinbauer gibt es nicht allzu viele in Deutschland. Jedes Jahr beginnen nur etwa 30 junge Männer und ganz gelegentlich auch mal eine Frau die Ausbildung. Es gibt nur eine Berufsschule. Zum immer wiederkehrenden Blockunterricht müssen alle Azubis ins Ruhrgebiet nach Gelsenkirchen kommen. Wer die Gesellenprüfung dann aber bestanden hat, hat gute Aussichten in der Branche oder einer ähnlichen eine Stelle zu finden.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Feuerungs- und Schornsteinbauer/-in
  • Ausbildungsdauer: Drei Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb/Unternehmen und an der Berufsschule
  • Zugang: Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben. Ein Hauptschulabschluss wird allerdings meistens vorausgesetzt.
  • Prüfung: Die Prüfung wird an der IHK abgelegt.
  • Ausbildungsorte: Industrieunternehmen, Betriebe, Berufsschule in Gelsenkirchen
  • Eignung: Feuerungs- und Schornsteinbauer sollten handwerklich geschickt, körperlich fit und schwindelfrei sein. Ein gewisses technisches Verständnis sollten sie mitbringen. Außerdem müssen sie teamfähig und verantwortungsbewusst sein.
  • Perspektiven: Nach der Ausbildung kann sich der Feuerungs- und Schornsteinbauer zum Vorarbeiter hocharbeiten und seinen Meister machen. Bei dementsprechender Schulbildung ist auch ein Studium möglich, zum Beispiel zum Diplom-Ingenieur.
  • Ausbildungsalternativen: Maurer/-in, Beton- und Stahlbetonbauer/-in, Ofen- und Luftheizungsbauer/-in, Zimmerer/Zimmerin

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Team

Nur wenn die Leute auf einem Arbeitstrupp zusammenhalten, ist Sicherheit und Effektivität garantiert.

Gefahr

Der Schornsteinbauer bewegt sich oft in schwindelnden Höhen, der Feuerungsbauer hat mit Schadstoffen und schweren Materialien zu tun.

Genauigkeit

Fehler darf sich der Feuerungs- und Schornsteinbauer so gut wie keine erlauben. Die Sanierung eines Kamins beispielsweise ist eine kostspielige Sache, die möglichst effizient durchgezogen werden muss. Für die Reparatur eines Ofens steht nur eine kleine Zeitspanne zur Verfügung, dann ist der Ofen wieder in Betrieb. Präzises Arbeiten ist deshalb Pflicht.


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