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Drucker/-in Ein Beruf mit Tradition

Wasserscheue sollten sich die Berufswahl gut überlegen, denn nach bestandener Gesellenprüfung tauchen einen die älteren Kollegen und Meister in einen großen Wasserbottich. "Gautsche" heißt dieser seit dem 16. Jahrhundert praktizierte Brauch.

Stand: 06.07.2016

Lucas Schrewe aus Kulmbach ist sicher: "Als Hauptschulabsolvent hätte ich wohl kaum eine lukrativere Ausbildung gefunden. Ich verdiene schon im ersten Ausbildungsjahr über 800 Euro". Allerdings muss Lucas, wie die meisten Drucker, im Dreischicht-Betrieb arbeiten. Die teueren Druckmaschinen sollen rund um die Uhr laufen, Zeitungen müssen frühmorgens in den Briefkästen liegen. Insgesamt ist es ein Beruf mit Termindruck und großer Verantwortung. Jeder Fehler des Druckers, jede Kundenreklamation kostet die Firma viel Geld. Steht die Druckmaschine eine Stunde still, kostet das 700 bis 1.000 Euro.

Verschlungene Wege

Rollenoffset-Druckmaschine

Genau diese Verantwortung reizt den Azubi Lucas Schrewe in Kulmbach. Er bedient bereits im ersten Ausbildungsjahr eine zehn Millionen Euro teuere Rollenoffset-Druckmaschine bei der Firma Baumann Druck. Er begeistert sich für die komplizierte Technik, für die verschlungenen Wege, die das Papier in seiner gigantischen Maschine laufen muss. Mathematisches Verständnis, räumliches Denken, Interesse an Technik und Elektronik sind für den Beruf Voraussetzung. Lucas muss anpacken können. Eine Papierrolle wiegt bis zu 2,5 Tonnen. Und seine Maschine braucht alle 20 Minuten Papiernachschub, wenn sie auf Touren ist. Reißt die Papierbahn oder tritt eine andere Panne auf, muss Lucas schnell reagieren und eine Lösung finden.

500 Jahre Tradition

Farben mischen

Internet und Computer machen Drucker keinesfalls überflüssig. Auch wenn vor allem junge Leute heute eher zur Computermaus als zum Buch greifen, hat die Druck-Branche viel zu tun. Die Berufsaussichten sind gut. Comics, Zeitschriften, Werbebroschüren, Visitenkarten, Kalender bis hin zu Tapeten. Drucker bringen Buchstaben und Bilder längst nicht nur auf Papier, sondern auf alle möglichen Materialien. Der Beruf Drucker hat eine mehr als 500 Jahre lange Tradition. Allerdings hat er sich in jüngster Zeit zu einem High-Tech-Beruf entwickelt, wo es auch um die Bedienung von Computern und sehr komplexer Technik geht. Drucker müssen aus vier Grundfarben Gelb, Magenta-Rot, Cyan-Blau und Schwarz individuell Farbtöne mischen können. Wer kein gutes Farbempfinden hat oder gar farbenblind ist, kann diesen Beruf nicht ergreifen.

Unter Druck

Druck wird überprüft

Bei Pressedruck Oberfranken in Bamberg hat Sebastian Höhn seine Druckerausbildung gerade abgeschlossen. Er strebt jetzt die Meisterprüfung an. Möglich wäre auch die Weiterbildung zum Techniker und mit Abitur sogar ein Studium im Fach Medientechnik oder Verlagswirtschaft. Sebastian Höhn druckt ein Anzeigenblatt, das in zwei Stunden von einem LKW zur Auslieferung abgeholt wird. Die Zeit drängt. Aber Sebastian ist noch nicht mit den Farben zufrieden. Da hat zum Beispiel eine Politikerin auf einem Foto noch ein zu gelbes Gesicht. Sebastian korrigiert per Tastendruck am großen Bedienpult seiner Druckmaschine. Der Drucker bleibt nie lange an seinem Kontroll-Pult stehen. Ständig holt er sich wieder ausgedruckte Anzeigenblätter und prüft alle Seiten. Für Bewerber, die sich für seinen Beruf interessieren, hat er folgenden Tipp:

"Also die Herausforderung ist, dass man den richtigen Farbton trifft. Beim Papier ist jede Rolle anders, und die Farbe ist immer wieder anders und die Feuchte. Und deswegen muss man halt Wasser reduzieren oder Farbe zugeben, um den richtigen Farbton zu treffen - von der Vorlage. Wir haben jetzt zwei Vorlagen, einen auf Papier, einen Andruck und einen hier, einen soft-proof, auf dem Bildschirm. In dem Fall hab ich hier zu viel gelb und muss das reduzieren."

Sebastian

Neue Nische für Drucker

Farbkartuschen

Die meisten Drucker arbeiten an so genannten Bogen-Offset-Druckmaschinen. Sie drucken nicht wie Lucas und Sebastian ganz große Auflagen mit Papierrollen sondern kleinere Auflagen, unter 100.000 Stück, auf Papier im Bogen-Format. Dort stehen Drucker immer mehr vor Bildschirmen, drücken Knöpfe und Regler, lassen optische Sensoren über die gedruckten Seiten gleiten. Dem Auszubildenden Manuel Wehner gefällt seine Arbeit bei creo Druck in Bamberg, vor allem wenn er sieht, was am Ende heraus kommt und von den Menschen auch genutzt wird.

"Und wenn man dann hier irgendwelche Produkte druckt  und sich dann irgendwo eine Zeitung kauft oder so und weiß, ah, die hab ich gedruckt, dann ist man schon ein wenig stolz muss ich sagen."

Manuel

Digital-Drucker

Kleine Auflagen, Spezial-Druckaufträge entstehen immer mehr mit der modernsten Druckmethode: mit dem Digital-Druck. Da sitzt und steht der Drucker nur noch am Computer und kontrolliert eine etwa 500.000 Euro teuere Druckmaschine, die aussieht wie ein riesiger Laserdrucker. Hier ist die Technik so kompliziert, dass der Drucker selbst gar nicht mehr Hand anlegen kann. Er muss aber Farben, Zuschnitt und Qualität des Auftrags überwachen. Der Digital-Drucker produziert Visitenkarten, Werbebroschüren, Familienchroniken oder gar nur ein einzelnes Buch. Kleine Auflagen in hoher Qualität, das ist eine neue Nische für Drucker, die auch im Internet-Zeitalter floriert.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Drucker/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung in Handwerks- oder Industriebetrieben und Berufsschule
  • Zugang: keine formale Zugangsvoraussetzung, Handwerk und Industrie stellen vorwiegend Hauptschulabsolventen ein, aber auch Bewerber mit Mittlerer Reife und Abitur.
  • Eignung: technisches Verständnis, Mathematik, räumliches Vorstellungsvermögen, Genauigkeit, schnelles, flexibles Reagieren auf Probleme und Störungen.
  • Prüfung: Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer
  • Ausbildungsorte: Druckereien mit unterschiedlichen Druckverfahren und damit auch Spezialisierungen bei der Ausbildung (Flachdruck, Tiefdruck, Hochdruck, Digitaldruck), Berufsschule
  • Perspektiven: Vor allem junge Leute lesen weniger, vor allem weniger Bücher. Trotz Internet und Online-Informationen steigt aber nach wie vor die Nachfrage nach Druckerzeugnissen. Die Berufsaussichten sind gut.
  • Weiterbildung: Neben der Weiterbildung zum Meister oder Techniker stehen auch Wechsel in kaufmännische und gestalterische Bereiche der Druckbranche offen. Mit Abitur steht der Weg zum Studium Medientechnik, Verlagswirtschaft oder etwa zum Wirtschaftsingenieur offen.

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Verdienstmöglichkeiten

Drucker gehören zu den Spitzenverdienern der technischen Berufe. Sie starten ihre dreijährige Ausbildung schon im ersten Jahr mit gut 800 Euro und verdienen auch nach der Abschlussprüfung als Fachkräfte gut. Allerdings arbeiten sie meist im Schichtdienst, hören den Lärm ihrer Druckmaschine und stehen die meiste Zeit.

Kraft

Drucker müssen anpacken können. Vor allem wenn sie im Rollen-Offset mit Papierrollen arbeiten, die bis zu 2,5 Tonnen wiegen. Auch bei den großen Druckmaschinen selbst müssen Drucker Hand anlegen.

Genauigkeit

Drucker müssen ihre Maschinen so einstellen, dass die Produkte auch genau so aussehen, wie es der Kunde wünscht. Während des Drucks wird ständig gemessen und geprüft, ob alles passt - vor allem die Farben.


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