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Dachdecker/-in Über den Dingen stehen

Wer hoch hinaus will, sollte Dachdecker werden - ein Beruf mit viel frischer Luft und schwerer körperlicher Arbeit. Zwingende Voraussetzung: Schwindelfreiheit.

Stand: 14.05.2012

Sicher und wendig bewegt sich Michael Steinbrecher auf dem Dachfirst. So als ob er die vielen Meter unter sich vergessen hat. Das tut er aber nie, jeden Handgriff, jeden Schritt führt er ganz bewusst aus, denn Leichtsinn könnte ihm das Leben kosten. Michael, 22 Jahre jung, ist Dachdecker-Geselle, erst vor ein paar Monaten hat er die 3-jährige Ausbildung abgeschlossen, arbeitet jetzt im kleinen Handwerksbetrieb seines Vaters in München mit.

Immer an der frischen Luft

Heute beginnen sie die Sanierung eines älteren Reihenhauses. Die alten Ziegel, die Latten, die Wärmedämmung müssen raus. Staub und Schmutz wirbeln auf, ein Knochenjob, der ganz schön ins Kreuz gehen kann. Neue Latten anbringen, Wärmedämmung zuschneiden, das Dach wieder mit Ziegel dicht machen, nicht dass ein Regenschauer die Hausbesitzer überrascht. Abends weiß Michael, was er gearbeitet hat. Das Fitness-Studio kann er sich sparen.

"Am Anfang, wenn man frisch aus der Schule kommt, ist es schon heftig am Bau: Man hat Muskelkater, man glaubt, man schafft die schwere Arbeit nicht. Aber ich wollte mich durchbeißen, und dann hat mir die Arbeit schnell Spaß gemacht. Ich bin kein Büro-Typ - beim Dachdecken reizt mich die Abwechslung. Und ich bin als Frau auch nie schlecht behandelt worden - im Gegenteil."

Dachdeckermeisterin Elisabeth Gabler-Hofrichter

Überwiegend Männer

Viele Frauen gibt es nicht in der Branche - die Dachdeckerei ist immer noch eine Männerdomäne. Elisabeth Gabler-Hofrichter hat es vor fast 30 Jahren trotzdem gewagt, die Ausbildung anzufangen - mit Erfolg. Auch heute steht sie noch regelmäßig auf dem Dach und kann immer noch behaupten, den Traumjob gefunden zu haben: Sie hat sich spezialisiert auf die sogenannte Legschieferdeckung. Aus groben Kalkplatten bricht sie die passenden Stücke heraus - das verlangt Kraft und Geduld. Als Frau mit Männern zu arbeiten - das hat ihr nie Probleme bereitet. Nur die Kälte im Winter, die ist ziemlich gemein.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Dachdecker/in
  • Ausbildungsrichtungen: Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik / Reetdachtechnik
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule
  • Prüfung: Die Prüfung wird bei der Handwerkskammer abgelegt.
  • Ausbildungsorte: Überwiegend absolvieren Auszubildende ihre Ausbildung in Betrieben des Dachdeckerhandwerks. Meist sind sie auf Baustellen im Freien tätig, zum Teil aber auch in betrieblichen Werkstätten.
  • Zugang: Keine formalen Zugangsvoraussetzungen, aber meistens wird zumindest ein Hauptschulabschluss verlangt. Etwas mehr als die Hälfte der Auszubildenden verfügt derzeit über den Hauptschulabschluss.
  • Eignung: Dachdecker-Lehrlinge sollten Interesse am Bauen haben, gerne handwerklich und praktisch-zupackend arbeiten, körperlichen Einsatz mögen, technische Geräte, Maschinen und Anlagen bedienen wollen und gerne mit unterschiedlichen Werkstoffen umgehen.
  • Perspektiven: Nach ihrer Ausbildung müssen sich die Fachkräfte meist entscheiden, welche Einsatzgebiete für sie in Frage kommen und worauf sie sich spezialisieren möchten. Das Spektrum reicht vom Eindecken von Dächern und Abdichten von Flachdächern über Dach- und Fassadenblecharbeiten bis zur Herstellung von Solardächern. Auch Selbständigkeit ist möglich: Voraussetzung ist entweder eine erfolgreich absolvierte Meisterprüfung, ein entsprechender Abschluss einer Hochschule oder einer Fachschule für Technik, eine Ausübungsberechtigung oder eine Ausnahmebewilligung.
  • Alternativen: Fassadenmonteur/in, Zimmerer/Zimmerin, Trockenbaumonteur/in, Bauwerksabdichter/in, Klempner/in, Glaser/in

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Verdienstmöglichkeiten

Dachdecker-Lehrlinge verdienen nicht schlecht. Ihre durchschnittliche Ausbildungsvergütung: 539 Euro (1. Lehrjahr), 733 Euro (2. LJ.), 875 Euro (3. LJ.).

Mathematisches Verständnis

Ein Dachdecker muss kein Mathe-Genie sein, aber er sollte sicher mit Maßen, Winkeln und Radien umgehen können.

Kraft

Dachdecken ist schwere körperliche Arbeit. Um den ganzen Tag Hämmern, Klettern und Dachpfannen schleppen zu können, braucht es Muskeln. Doch schwächere Jungs und Mädels müssen sich keine Sorgen machen: Kraft entwickeln sie in den ersten Ausbildungswochen von ganz allein.

Gefahrenpotenzial

Dachdecker sind bei Wind und Wetter auf Gerüsten und Dachstühlen unterwegs. Deshalb sollten sie schwindelfrei sein, einen sicheren Tritt und keine Höhenangst haben.


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