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Bühnenmaler/-in und Bühnenplastiker/-in Illusion und Wirklichkeit

Bühnenmaler und -plastiker schaffen Kulissen für Theater, Opern, Musicals, Film- und Fernsehproduktionen. Dabei arbeiten sie mit den unterschiedlichsten Werkstoffen.

Stand: 27.04.2015

Immanuel hält ein DIN A4-Blatt in der Hand, das eine Stadtansicht zeigt. Mit Bleistift und Lineal hat er ein Raster über die Skizze gezogen. Quadrat für Quadrat überträgt er die Skizze nun mit dem Kohlestift detailgenau auf das vor ihm liegende Prospekt - so heißt in der Theatersprache ein gemalter Bühnenhintergrund. Um den Maßstab von 1:10 zu erhalten, muss Immanuel die Vergrößerungstechnik anwenden. Das Bild soll 2,40 Meter hoch und 1,80 Meter breit werden. Der 20-Jährige hat sein Fachabitur in Gestaltung absolviert und vor einem halben Jahr seine Ausbildung zum Bühnenmaler am Staatstheater in Wiesbaden begonnen. Vieles von dem, was er in der Schule gelernt hat, hilft ihm bei der Ausbildung weiter. So fällt es ihm leicht, mit Fluchtpunkten und -linien zu arbeiten. Mit ihrer Hilfe lassen sich Räume und Objekte dreidimensional darstellen. Apropos Dimension: Bühnenmaler und -plastiker arbeiten in ganz anderen Größenordnungen. Statt auf einem Zeichenblatt malen sie auf riesigen Prospekten. Schließlich sollen auch die Zuschauer in der letzten Reihe das Bühnenbild noch gut sehen können.

"Prospekte malen wir immer im Stehen, denn so haben wir einen besseren Überblick, können Fehler leichter sehen und Abstände genauer einschätzen."

Corinna Niedermüller, Auszubildende

Gemeinsam mit seiner Kollegin Corinna Niedermüller mischt Immanuel die Farben aus Pigmenten, Wasser und Bindemitteln. "Klar bekommen wir immer wieder mal ein paar Farbspritzer ab, das gehört dazu", sagt Corinna, die ihre Ausbildung ebenfalls vor einem halben Jahr begonnen hat. Seit drei Wochen malt sie an einem Architektur-Bild, inzwischen ist es fast fertig. Mit dem gut einen Meter langen Pinsel geht sie noch einmal über die hellen Stellen. "Anfangs dauert es lange, bis ein Bild fertig ist. Aber irgendwann sitzen die Handgriffe, man bekommt Routine und wird schneller", so die 20-Jährige.

Leopard aus Ton

Leopard aus Ton

Mit einem kurzen Holz bearbeitet Jasmin Sichart einen Leopardenkopf aus Ton. Ein geübter Handgriff und schon hat das Tier zwei Augen. Seit einem halben Jahr macht die 18-Jährige eine Ausbildung zur Bühnenplastikerin in den Werkstätten der Bayerischen Staatoper in Poing bei München. Neben ihr liegen etliche Zeichnungen: ein Leopard von vorne, von der Seite, von oben. Darauf sind die wichtigsten Muskeln und Knochen zu sehen. "Die Skizzen habe ich gemacht, damit ich die Anatomie des Leoparden vor mir habe und weiß, wie er sich bewegt."

"Mir gefällt es, kreative Sachen zu machen und das schon seit ich klein bin. Bei meinem Praktikum am Prinzregententheater in München habe ich einer Bühnenplastikerin helfen dürfen und da wusste ich: Das ist genau mein Beruf."

Jasmin Sichart, Auszubildende

Das Tier modelliert Jasmin für die Oper "Medea". Dort wird der Leopard natürlich nicht als Tonfigur "auftreten", denn die Kulissen und Requisiten sollen stets so wenig wie möglich wiegen. Schließlich müssen sie auf der Bühne schnell auf- und abgebaut werden. "Die Tonfiguren dienen lediglich als Vorlage, die wir beispielsweise mit Silikon abformen. In diese Negativform können wir dann jedes andere Material gießen, zum Beispiel Harz."

Griff in die Trickkiste

Alles soll so echt wie möglich wirken, deshalb greifen Bühnenplastiker häufig in die Trickkiste. "Wenn ich zum Beispiel einen Torso aus Kunststoff habe, der aussehen soll als wäre er aus Bronze, streiche ich ihn zunächst mit einer Grundierung ein, die Metallpartikel enthält", erklärt Jasmin. "Anschließend trage ich eine Säure auf, die beiden Stoffe reagieren miteinander." Einzige Zeit später ist der "Bronze"-Torso fertig - vor Jasmin steht die sogenannte Imitation.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Bühnenmaler/-in, Bühnenplastiker/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Die Lehrlinge durchlaufen eine duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule. Dort findet der Unterricht mehrmals im Jahr in Blockform statt. Alle bayerischen Azubis lernen an der Louis-Lepoix-Schule in Baden-Baden. Die Ausbildung erfolgt in einer der folgenden Fachrichtungen: Malerei oder Plastik.
  • Zugang: Grundsätzlich wird keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung vorgeschrieben, die Schulpflicht muss jedoch erfüllt sein. Die Praxis zeigt: Die Betriebe stellen überwiegend Bewerber mit Hochschulreife ein. Einige Ausbildungsstätten fordern außerdem sogenannte "Mappenbewerbungen" mit Arbeitsproben.
  • Eignung: Die Bewerber müssen neben künstlerischer Begabung auch Interesse an Theater, Kunst und Malerei mitbringen. Ebenso wichtig: handwerkliches Geschick, uneingeschränktes Farbensehen, Sinn für Gestaltung und Ästhetik, Kreativität und ein gutes (beobachtendes) Auge.
  • Wichtige Schulfächer: Wer in den Fächern Werken/Technik und Kunst fit ist und außerdem gute Kenntnisse in Geometrie hat, bringt gute Voraussetzungen mit für eine erfolgreiche Ausbildung zum/zur Bühnenmaler/-in und Bühnenplastiker/-in.
  • Perspektiven: Nach der Ausbildung warten auf Bühnenmaler/-innen und Bühnenplastiker/-innen vielfältige Weiterbildungsangebote. So können sie als Ausstattungsassistent/-in, Bühnenbildassistent/-in oder Dekorationsmaler/-in arbeiten oder - mit entsprechender Berufserfahrung - Malsaalvorstand werden. Außerdem möglich: ein Studium, zum Beispiel im Bereich Kunstmalerei oder Bühnenbildnerei.

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Verdienstmöglichkeiten

Angehende Bühnenmaler/-innen und Bühnenplastiker/-innen verdienen zwischen 500 und 750 Euro brutto im Monat.

Kraft

Obwohl für die Kulissen meist leichte Materialien wie Styropor und Kunststoff verwendet werden, können einzelne Elemente der Bühnenbilder relativ schwer sein. Dann müssen Bühnenmaler/ -innen und Bühnenplastiker/-innen auch mal zupacken können.

Kreativität

Ein gutes Gespür für Farben und Formen sowie für Gestaltung und Ästhetik wird von Bühnenmaler/-innen und Bühnenplastiker/-innen ebenso erwartet wie Phantasie. Oft erhalten sie vom Bühnenbildner nur grobe Vorgaben, wie ein Bild oder eine Plastik aussehen soll. Bei der Ausarbeitung sind dann originelle Ideen gefragt.

Gefahr

Bühnenmaler/-innen und Bühnenplastiker/-innen kommen ständig mit Farben, Staub und Lösungsmitteln in Berührung. Diese können Haut und Atemwege reizen. Bei manchen Arbeiten müssen sie außerdem Schutzkleidung und -ausrüstung tragen wie Sicherheitsschuhe, Schutzhelme oder Atemmasken.

Info

Bereits vor Beginn der Ausbildung müssen sich die Lehrlinge für eine der beiden Fachrichtungen - Malerei oder Plastik - entscheiden. Während der Ausbildung bekommen sie auch einen Einblick in den jeweils anderen Bereich. Wie intensiv der ist, hängt vom Betrieb ab.


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