ARD-alpha - Ich mach's!


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Büchsenmacher/-in Kein Job für Waffennarren

Ob Jäger, Sportschütze oder Biathlet - sie alle sind auf die präzise Arbeit von Büchsenmachern angewiesen. In aufwendiger Handarbeit bauen sie Gewehre und Pistolen.

Stand: 07.06.2010

Die gelben Flammen schlagen zehn Zentimeter hoch. Langsam dreht Cornelia Paar das Eisenteil auf dem Rost um. Fast wie ein Würstchen auf dem Grill. Sie steht in der Rohrmacherei eines Herstellers von Sport- und Jagdwaffen. Das Eisenteil, das sind zwei dünne Rohre, die Cornelia über den Flammen zu einem Laufbündel zusammenlötet - für ein Jagdgewehr. Sie macht eine Ausbildung zur Büchsenmacherin. Dabei lernt sie, wie man Gewehre und Pistolen baut: Sie lötet den Lauf, verwandelt einen groben Holzklotz mit viel Kraft in den Schaft, das Endstück, und baut fast wie ein Uhrmacher aus kleinen Teilen das Schloss zum Spannen und Abfeuern der Waffe.

Die theoretischen Grundlagen für ihren Beruf bekommt Cornelia an der Gewerblichen Schule im baden-württembergischen Ehingen. Nur rund 15 Azubis fangen pro Jahr in ganz Deutschland an - fast alle kommen hierher, zwölf Wochen im Jahr. Auf dem Stundenplan: der Aufbau von Gewehren und Pistolen, Munition und das Waffenrecht.

"Wenn das Gewehr fertig ist, ist man stolz drauf, dass man das komplett selbst gemacht hat. Und wie die Technik, die dahinter steckt, funktioniert - das ist echt faszinierend!"

Cornelia Paar, Auszubildende

Verantwortungsvoller Umgang mit Waffen

Käufer brauchen Jagdschein oder Waffenbesitzkarte

Andreas Kuchenreuter hat seine Ausbildung schon hinter sich. Er ist Geselle und arbeitet in einer kleinen Büchsenmacher-Werkstatt in Cham. Sein Alltag: Maßanfertigungen und Reparaturen - er fräst einen Lauf, montiert ein Zielfernrohr und macht Feinarbeiten an einer Pistole. Am Nachmittag steht Andreas im Geschäft, berät Kunden. Von jedem Käufer lässt er sich den Jagdschein oder die Waffenbesitzkarte zeigen - denn nur, wer die hat, darf eine Waffe kaufen. Andreas kontrolliert die Daten und meldet sie den Behörden.

"Gerade viele Jungs haben ein falsches Bild vom Beruf Büchsenmacher. Denn mit Ballern und Kanonen hat man eigentlich nichts zu tun - Büchsenmacher sind vor allem Feinmechaniker."

Andreas Kuchenreuter, Geselle

Per Du mit dem Olympiasieger

Biathlet im Wettkampf

Millionen Fernsehzuschauer fiebern mit, wenn es im Winter beim Biathlon um Medaillen geht. Die erfolgreichen Sportler kennen die meisten nur aus dem Fernsehen. Thomas Wünn ist mit vielen per Du. Thomas ist Meister in einem Büchsenmacher-Betrieb, der sich auf Bau und Wartung von Biathlon-Gewehren spezialisiert hat. Immer wieder kommen Topathleten zu ihm mit Extra-Wünschen. Thomas soll ihr Gewehr noch besser machen. Er tüftelt viel, baut Prototypen und testet, bis der Athlet zufrieden ist. Absolute Präzision ist dabei gefragt - denn schon wenige Millimeter können über die Farbe der Medaille beim nächsten Wettbewerb entscheiden.

Händchen für das Besondere

Verziertes Gewehr

Büchsenmacher ist ein recht seltener Beruf. So lange es aber Jäger und Sportschützen gibt, wird es auch Büchsenmacher geben. Denn ihre Handwerkskunst und Erfahrung kann so schnell keine Maschine ersetzen. Zwar sind auch viele Büchsenmacher Jäger oder Schützen, das Schießen lernt man aber nicht während der Ausbildung. Der Beruf ist nichts für Waffennarren, sondern für Feinmechaniker mit dem Händchen für das Besondere.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Büchsenmacher/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule: Fast alle Azubis in Deutschland kommen an die Gewerbliche Schule im baden-württembergischen Ehingen - zwölf Wochen im Jahr, mehrere Wochen am Stück, Übernachtung im Internat inklusive; Bewerber ohne Lehrbetrieb können ihre gesamte Ausbildung rein schulisch am Gewerblich-kaufmännischen Berufsbildungszentrum in Suhl absolvieren.
  • Ausbildungsorte: Betriebe des Büchsenmacherhandwerks und der industriellen Produktion von Handfeuerwaffen und Munition; Geschäfte des Waffenfachhandels.
  • Prüfung: Die Prüfung wird an der Berufsschule in Ehingen abgenommen
  • Zugang: Offiziell vorgeschrieben ist kein bestimmter Schulabschluss - die meisten Azubis haben den qualifizierenden Hauptschulabschluss oder die Mittlere Reife
  • Eignung: Bewerber brauchen gute Kenntnisse in Mathematik und Physik; sie sollten sorgfältig und gewissenhaft arbeiten sowie Kraft und handwerkliches Geschick mitbringen
  • Perspektiven: Spezialisierung auf bestimmte Einsatzgebiete, Weiterbildung zum Techniker, Prüfung zum Büchsenmachermeister, Bachelor-Studium in Maschinenbau.
  • Alternativen: Im Bereich Feinwerktechnik, Mechanik, Werkzeugbau: z.B. Feinwerkmechaniker, Werkzeugmechaniker, Uhrmacher, Fertigungsmechaniker; im Bereich Medizintechnik: Chirurgiemechaniker, Orthopädiemechaniker; im Bereich Metallbearbeitung: Zerspanungsmechaniker

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geld

Büchsenmacher verdienen während der Ausbildung im Vergleich zu anderen Handwerksberufen mittelmäßig - viele bekommen nur zwischen 320 und 400 Euro brutto im Monat. Andere Unternehmen zahlen zwischen 570 und 800 Euro. Danach liegt der Monatslohn um die 1.200 Euro.

Mathematik

Um zu verstehen, wie die Mechanik einer Waffe funktioniert, brauchen Büchsenmacher gute Kenntnisse in Mathematik und Physik. Viele Azubis mit qualifizierendem Hauptschulabschluss müssen sich während der Ausbildung in diesen Fächern besonders ins Zeug legen.

Genauigkeit

Büchsenmacher sind Feinmechaniker: Sie müssen präzise arbeiten, denn Jäger und Schützen verlassen sich auf sie. Schon Änderungen von ein paar Millimetern beeinflussen das Schussverhalten einer Waffe.

Info

Der verantwortungsvolle Umgang mit Waffen ist wichtig. Im Geschäft kontrollieren Büchsenmacher, ob der Käufer einen Jagdschein oder eine Waffenbesitzkarte hat. Denn nur dann dürfen sie ihm ein Gewehr oder eine Pistole verkaufen.


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